Das soll ihm erst einmal einer nachmachen: Seit drei Jahren ist Stefan Rottmann Bürgermeister von Schonungen im Landkreis Schweinfurt, und er hat sich in dieser Zeit weitaus weniger Feinde als Freunde gemacht. "Freunde sind es so 2300", sagt der Sozialdemokrat, der es 2012 als jüngster Bürgermeister auf die Titelseiten überregionaler Zeitungen schaffte.

Den Titel musste er abgeben, seine Freunde hat der heute 28-Jährige behalten: im sozialen Netzwerk Facebook. Gut, auf Facebook gibt es keinen "Feinde"-Button, so gesehen ist die Zahl der "Freunde" noch kein Gradmesser für die Beliebtheit eines Bürgermeisters. Rottmanns Umgang mit dem sozialen Netzwerk markiert aber eine Zeitenwende. "Ich gehöre zu einer Generation, für die Smartphone, Facebook und die anderen neuen Medien so selbstverständlich sind wie das Telefon", sagt er.

Virtuell virtuos

Die virtuelle Plattform ist dank Rottmanns eifriger Netzwerktätigkeit inzwischen auch für die Gemeinde vor den Toren Schweinfurts zu einem Aushängeschild geworden. "Wir haben aktuell eine Aktion unter dem Titel ,Gib Schonungen ein Gesicht', die sehr gut angenommen wird, quer durch alle Generationen", erzählt der Bürgermeister. Das Facebook-"Gesicht" der Gemeinde sind Bürger, die sich im Internet mit einem Foto präsentieren und erklären, warum sie gerne in Schonungen leben. "Damit erreichen wir Leute, an die wir sonst nie rankommen würden, rund um den Erdball und durch die Vernetzung untereinander mit einer tollen Streuung", sagt Rottmann. Er selbst nutzt die Facebook-Seite der Gemeinde und seinen privaten Auftritt durchaus auch für Werbung in eigener Sache - was ihm allerdings auch schon eine Ohrfeige eingebracht hat.

Virtueller Wirbel

"Ich habe auf meiner privaten Seite eine Mehrheitsentscheidung des Gemeinderates kritisiert, die ich für falsch gehalten habe. Das gab ganz schönen Wirbel", erklärt Rottmann, warum er es für grundlegend hält, mit den sozialen Netzwerken "intelligent" umzugehen.

Die Intelligenz zahlt sich aus: Am Freitag hatte Rottmann zu einem "runden Tisch" zur Asylpolitik der Gemeinde eingeladen. Auf herkömmlichen Wege "hätte ich vielleicht eine Handvoll Leute erreicht", schildert der Bürgermeister; der Aufruf via Facebook brachte eine große Resonanz und bereits ein "Meinungsbild", so Rottmann - die üblichen Sprüche aus der rechten Ecke inklusive. In sozialen Netzwerken tummeln sich eben nicht nur "Freunde".