Nach langer Suche hbe ich über den Freund eines Freundes eine Schule gefunden, die Suaheli unterrichtet.
So läuft das in Tansania. Das International Language Training Center (ILTC) wird von einem Tansanier geleitet, aber eine der Lehrerinnen kommt aus Deutschland. Hier in Tansania ist sie als Mama Salala bekannt. Sie lebt seit vielen Jahren in Mwanza und unterrichtet Englisch, Deutsch und Suaheli. Ich habe also für 20 Stunden Unterricht bezahlt und bin mit vielen Erwartungen an die Sache rangegangen.

Die ersten paar Stunden hatte ich nur zusammen mit einem Mädel aus den USA und einem anderen Deutschen. Aber nach und nach sind Schüler dazugekommen oder abgesprungen. Viele der Studenten hier sind öfters unterwegs und wenn sie dann zu viel Unterricht verpassen, kommen sie in eine neue Gruppe, die ihrem Niveau entspricht.
Als ich hier angekommen bin, hat mir jeder erzählt "Ja, Suaheli ist wirklich einfach, du wirst keine Probleme damit haben. Es gibt nicht so viele Wörter, wie in anderen Sprachen und alles ist ganz simpel".
Das mag ja sein, das Problem ist nur, dass die Sprache komplett verschieden zu jeglichen europäischen Sprachen ist. Will man beispielsweise Englisch lernen, sind viele Wörter ähnlich. Zum Beispiel "friend" und "Freund" oder "house" und "Haus", da kann man schon erahnen, was es bedeuten soll. Natürlich gilt das nicht für alle Wörter und man muss vieles einfach auswendig lernen, aber immerhin gibt es oft eine gewisse Ähnlichkeit. Mit Suaheli ist das anders!

Suaheli: Jedes Wort ist neu

Man muss jedes einzelne Wort komplett neu lernen, weil einfach kein Zusammenhang zu europäischen Sprachen besteht. Für mich waren es aneinandergereihte Buchstaben, ohne Bedeutung. Oder versteht hier jemand Wörter wie "mbu", "ndizi" und "niaje"? Vermutlich nicht. Man fühlt sich wieder wie in der ersten Klasse, vor allem weil man auch die Aussprache üben muss und dann immer der Lehrerin nachspricht.


Suaheli: Es gibt tausend verschieden Arten sich zu begrüßen und alle sind für einen bestimmten Zweck.


Zu Freunden sagt man einfach "Mambo" und dann antwortet der Andere "Poa". Das heißt so viel wie "Was geht?" - "Gut". Man begrüßt aber nicht nur Freunde, sondern generell fast jeden, den man trifft. Es geht also immer "Mambo - Poa", "Mambo - Poa", überall wo man sich befindet. Damit es aber nicht langweilig wird, gibt es für solche Begrüßungen mehrere Versionen. Man kann zum Beispiel "Shwari" oder "Niaje" statt "Mambo" sagen und das heißt dann so ziemlich das Selbe.

Trifft man auf Leute, die älter sind als man selbst, muss man Sie mit einem höflichen "Shikamoo" begrüßen und bekommt ein "Marahaba!" zurück.
Will man besonders viel Respekt zeigen, wird das "Shikamoo" von einem leichten Knicks begleitet und Kinder müssen die rechte Hand auf den Kopf des Angesprochenen legen (das funktioniert natürlich nur, wenn derjenige den Kopf senkt).

Dann gibt es für jede Gelegenheit andere Begrüßungen: Morgens, Mittags und Abends oder man fragt nach der Familie, den Kindern, der Arbeit, dem Haus, etc. Man sagt also nicht einfach "Hallo", sondern erkundigt sich während der Begrüßung nach sämtlichen Familienmitgliedern und allem was einem sonst so einfällt.

Oft besteht ein Gespräch auch nur aus Begrüßung und Verabschiedung. Und dann kommt die Grammatik. Wow!

Nehmen wir ein Beispiel: Ninakula - Ich esse. Will man sagen "du isst", ändert sich die Vorsilbe von "Ni" zu "U": Unakula. Will man nun die Zeit ändern, muss man den Zeitmarker (na) ändern und das "ku" fällt weg, aber nicht bei jeder Zeit! Will man das Ganze verneinen, ändert sich wieder die Vorsilbe: Von "Ni" zu "Si". Für die Verneinungen haben die Zeiten andere Bedeutungen, als wenn der Satz nicht verneint wird und wenn man einen Satz verneinen will, muss man eventuell auch die Zeit ändern. Ok... Wer hat das jetzt verstanden?


Und wer will mir jetzt noch erzählen, dass Suaheli einfach ist?

Trotz all dieser Problemchen bin ich aber froh, dass ich Suaheli lerne, und nicht deutsch. In diesem Zusammenhang will ich euch nicht verschweigen, dass mein Freund gerade deutsch lernt und mir dadurch so manches Mal ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert. Letztens hat er zum Beispiel Gegenteile gelernt. Ich habe ihn gefragt: "Was ist das Gegenteil von ‚Ja‘?" Und er vollkommen überzeugt: "Hinten!"  Da hat er scheinbar aus dem "von" in meiner Frage ein "vorne" gemacht und dann logischerweise mit "Hinten" geantwortet. Ich wusste gar nicht, dass er Wörter wie vorne und hinten überhaupt schon kennt.
Ein anderes Mal hat er typische Small Talk Fragen gelernt, wie "Wie heißt du?" oder "Woher kommst du?" und hat mich dann gefragt: "Was berufst du?". So schnell macht man ein Verb aus einem Substantiv. Ich musste so lachen.