Stimmen in ihrem Kopf sollen ihr nach eigener Aussage die Umkehr befohlen haben, sie will einen Schlag im Nacken gespürt haben, ihr Bein habe ohne ihren Willen aufs Gas getreten. Mit ihrem Auto prallt sie mit voller Wucht in einen Kleintransporter. Nur mit Glück blieben der Fahrer und auch die 48-Jährige so gut wie unverletzt.
Jetzt wird vor dem Landgericht Schweinfurt verhandelt, ob die Frau wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr in die Psychiatrie eingewiesen wird. Dass sie psychisch schwer krank ist, daran ließ der psychiatrische Gutachter vor dem Schöffengericht keine Zweifel. Diagnose: paranoide Schizophrenie. Die Frau ist wankelmütig: Ist sie nun schwer krank oder doch ein "Medium" mit übernatürlichen Fähigkeiten?

Die Erfurterin, die am Unfalltag zu Weihnachten zu ihren Eltern wollte, war vor Gericht sehr offen. Vor etwa drei Jahren habe sie zum ersten Mal Stimmen in ihrem Kopf gehört. Zuerst waren das nette Stimmen, die zum Beispiel mit Kochrezepten aushalfen.

Mit der Zeit aber wurden sie böser, machten sie nieder. "Du bist zu nichts zu gebrauchen", hätten sie immer wieder gesagt. Als sie schließlich total aufgelöst bei den Eltern auftaucht, bringen die sie in die Klinik. Seitdem war sie in Behandlung, nimmt Psychopharmaka gegen die Stimmen und Wahnvorstellungen. Am Tag des Unfalls habe sie erstmals wieder böse Stimmen gehört.


Transzendente Ader

Woher kamen die? Vor Gericht sagte die Frau, die Medikamente hätten bei ihr starke Nebenwirkungen gehabt. Sie habe kaum schlafen können, die Haare gingen ihr aus. Alternative Methoden zogen sie an. Sie reduzierte eigenmächtig die Medikamentendosis und ging erst zu einem, der sich "Schamane" nennt, später zu einem selbst ernannten "Geistheiler". Ihr Lebensgefährte und eine enge Freundin, die beide als Zeugen geladen waren, unterstützten sie offenbar dabei, haben wohl auch eine transzendente Ader. "Sie konnte hören, was meine Organe sagen", sagte etwa die Freundin im Bezug auf die Stimmen im Kopf der Angeklagten.


Gut behandelbar

Und hier liegt nun der Hase im Pfeffer: Wenn die Frau nicht in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen werden will, muss das Gericht überzeugt sein, dass sie so etwas wie am Unfalltag nicht mehr tut. Für sie spricht, dass sie mit Tabletten eigentlich gut behandelbar ist, die Stimmen lassen sich "in Schach halten". Der psychiatrische Gutachter zweifelt aber daran, dass sie sich an ärztliche Ratschläge hält und zuverlässig ihre Medikamente nimmt. Ihre Freunde waren mit ihren Aussagen vor Gericht da sicher keine Hilfe. Wenn sie sich verpflichtet, künftig ein Depotpräparat zu spritzen, dass über einen längeren Zeitraum wirkt, könnte sie mit Bewährung davonkommen - doch davon zeigte sich die Frau spontan wenig begeistert. Bis zum nächsten Verhandlungstag muss sie sich entscheiden. nibo