Aktualisierung, 27.3. 17:32 Uhr
Nach dem Fund von Chemikalien und Sprengstoff in der Schweinfurter Obdachlosenunterkunft sitzt ein 35-Jähriger in Untersuchungshaft. Gegen ihn wurde am Dienstag Haftbefehl erlassen, wie ein Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) mitteilte. Der Mann war am Montag festgenommen worden und hatte der Polizei erklärt, die gefundenen Chemikalien gehörten ihm. Was der Mann mit literweise Chemikalien und dem hochexplosiven Sprengstoff vorhatte, ist nach wie vor unklar.

Aktualisierung, 27.3. 14:17 Uhr
Bei dem in Schweinfurt gefundenen Sprengstoff handelt es sich um Triacetontriperoxid (TATP), im Nahen Osten auch bekannt als "Mutter des Satans". Die Hauptzutaten können Nagellackentferner und Haarbleichmittel sein: Der Sprengstoff lässt sich mit sehr einfachen Mitteln herstellen, ist billig und hat eine hohe Wucht. Das alles macht ihn attraktiv für Kriminelle.

TATP wurde bei den Terroranschlägen in London 2005 und in Paris 2015 benutzt. Auch bei den mutmaßlichen Attentätern von Brüssel 2016 fanden ihn Ermittler.

Sprengstoffe auf der Basis von Peroxid sind sogar für den Kriminellen hochgefährlich. Ohne Fachwissen und Vorsichtsmaßnahmen kann das Mischen in einer tödlichen Explosion enden. Der fertige Sprengstoff kann zudem beim Umfüllen in ein Gefäß seinem Hersteller um die Ohren fliegen. Dann kommt der Transport: Sowohl Erschütterung als auch hohe Temperaturen oder Reibung können eine schwere Detonation auslösen. Das war auch der Grund, warum der Sprengstoff am Montag in Schweinfurt noch vor Ort in einer Grube kontrolliert gesprengt wurde.

Deutsche Chemiker erkannten bereits Ende des 19. Jahrhunderts die Sprengkraft von TATP - ein Zufallsfund. Wegen der Risiken bei der Handhabung erlangte der Stoff aber jahrzehntelang keine nennenswerte Bedeutung als Waffe, obwohl er 80 Prozent der Zerstörungskraft von TNT besitzt und preisgünstig in der Herstellung ist. Der erste dokumentierte Einsatz ist ein Anschlag auf eine Studentengruppe im israelischen Hebron durch die Terrororganisation PLO 1980.

Aktualisierung, 27.3.2018 11:51 Uhr:
Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf einen 35 Jahre alten Mann. Er sollte noch am Dienstag dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, wie ein Sprecher des LKA sagte. Der Deutsche war am Montag, als die Polizei das Gebäude abgesperrt hatte, an die Absperrung getreten und hatte gesagt, die Chemikalien gehörten ihm. Daraufhin wurde er festgenommen.

Am Montag hatte es zunächst geheißen, in der Sozial-Unterkunft seien Chemikalien entdeckt worden, die zur Herstellung von Sprengstoff geeignet sind. Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass auch schon hochexplosiver Sprengstoff dort deponiert war.

Ersten Untersuchungen zufolge habe es sich um den Stoff TATP gehandelt, sagte der LKA-Sprecher. Dieser Sprengstoff gilt als sehr instabil und hoch explosiv. Deshalb sei der Sprengstoff vor Ort unschädlich gemacht worden. In einer Grube auf einer Wiese wurde der Sprengstoff in der Nacht zum Dienstag kontrolliert gesprengt; etwa 100 Menschen mussten deshalb ihre Wohnungen vorsichtshalber verlassen. TATP war beispielsweise bei den Pariser Terroranschlägen vom November 2015 von islamistischen Gewalttätern verwendet worden.

Welche Chemikalien sonst noch gefunden wurden, wollte das LKA noch nicht bekanntgeben.


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Aktualisierung, 27.3.2018 10:41 Uhr:
Die Polizei hat in der Schweinfurter Obdachlosen-Unterkunft nicht nur Chemikalien gefunden, sondern auch selbst hergestellten hochexplosiven Sprengstoff. Das Landeskriminalamt (LKA) prüft, ob es Anhaltspunkte für eine extremistische Tat gibt.

Insgesamt fanden die Ermittler mehr als 30 Liter verschiedene Chemikalien und ein Kilo Sprengstoff. Zwei weitere Männer und eine Frau, die die Polizei ebenfalls festgenommen hatte, sind wieder auf freiem Fuß.

Aktualisierung, 27.3.2018 08:07 Uhr:
Nach dem Chemikalienfund in einer Obdachlosenunterkunft in Schweinfurt gibt es weiterhin keine Anhaltspunkte auf einen terroristischen Hintergrund. Weitere Informationen würden im Laufe des Vormittags folgen, kündigte ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamtes am Dienstag an.

Aktualisierung 26.3.2018, 23 Uhr:
Spezialisten des LKA untersuchten die Stoffe noch vor Ort - die Substanzen sollten am Abend aus dem Gebäude gebracht werden. Ein Teil davon konnte nicht transportiert werden und wurde vor Ort kontrolliert gesprengt. Deshalb hatten zuvor etwa 100 Menschen aus der näheren Umgebung ihre Wohnungen verlassen müssen. In den frühen Morgenstunden konnten sie aber wieder zurückkehren. Die Evakuierung sei problemlos abgelaufen, "die Leute waren gut betreut", sagte der Sprecher.

Update: Verdacht auf Bombenbau
Ein Chemikalienfund am Montagmorgen hat für große Aufregung in Schweinfurt gesorgt. Im Laufe der Ermittlungen hat die Polizei drei Tatverdächtige und ein mutmaßlicher Zeuge in der Schweinfurter Innenstadt festgenommen. Es handelt sich um drei Männer und eine Frau. Ein Team des SEK ist im Einsatz. Pressesprecher Andy Laacke von der Polizei Unterfranken sagt, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass aus den gefundenen Chemikalien Bomben gebaut werden können. Wie die Polizei weiter mitteilt, sind die Substanzen zur Herstellung von Sprengstoff geeignet.


Bau von Rohrbomben?

Neben den Chemikalien und Substanzen, die in einer Wohnung und dem dazugehörigen Kellerabteil gefunden wurden, haben die Einsatzkräfte auch Metall in Form von Rohren sichergestellt. Diese könnten zum Bau von Rohrbomben verwendet werden. Die Chemikalien werden aktuell genauer untersucht und delaboriert, wie Andy Laacke inFranken.de mitteilte. Eine abschließende Beurteilung der Gefährlichkeit ist noch Gegenstand der andauernden Ermittlungen.

Für die evakuierten Anwohner - von ungefähr 100 betroffenen Menschen - ist die Rede, wurde eine Notunterkunft für die Nacht eingerichtet. Die Polizei geht davon aus, dass der Einsatz noch länger dauert.

Zuvor: Chemikalien-Fund sorgt für Großaufgebot von Einsatzkräften
Am Montagmorgen wurden in einer Wohnunterkunft in Schweinfurt verschiedene Chemikalien gefunden, wie die Polizei mitteilt. Ein Gerichtsvollzieher war zur Zwangsräumung der Wohnung vor Ort, als er die Substanzen entdeckte. Er verließ daraufhin die Unterkunft und verständigte die Polizei. Weil eine Gefahr für Anwohner nicht ausgeschlossen werden konnte, haben die Beamten in der Folge das betroffene Anwesen sowie mehrere benachbarte Gebäude vorsorglich evakuiert. Etwa 50 Menschen musste ihre Häuser verlassen.

Auch der öffentliche Verkehr musste umgeleitet werden. Rund 200 Meter rund um die Euerbacher Straße 23 wurden die Straßen abgesperrt. Weiterhin auch die B303 (die Niederwerrner Straße) in Schweinfurt zwischen der Willi-Kaidel-Straße und dem Kasernenweg.


Gefährliche Chemikalien?

Die Chemikalien wurden gegen 10 Uhr in einer Obdachlosenunterkunft in der Euerbacher Straße gefunden. Da die Stoffe wahrscheinlich gefährlich sind, wurden oben stehende Evakuierungs- und Absperrungsmaßnahmen durchgeführt.

Zu einer Einschätzung hinsichtlich der Gefährlichkeit der aufgefundenen Chemikalien sind Spezialisten des Landeskriminalamts vor Ort. Neben der Polizei sind auch die örtlichen Feuerwehren und der Rettungsdienst im Rahmen der Räumung, Absperrung und Betreuung von Personen eingesetzt.


Ermittlungen auf Hochtouren

Die Ermittlungen hinsichtlich der Herkunft und der Bestimmung der Stoffe laufen auf Hochtouren. In diesem Zusammenhang kam es auch zu Überprüfungen von Personen und deren mitgeführter Gegenstände, wie die Polizei mitteilt.