Auf lokalen Verkaufsmessen für Handmade-Produkte wie die "Handart" auf dem Schillerplatz oder die "Art & Breakfast" im Stattbahnhof hat man die beiden schon gesehen: Bianca Rebhan-Müller und Jonas Licha. Sie fertigen aus kaputten Skateboards ungewöhnliche Schmuckstücke. "broken" nennen die beiden ihr kleines Unternehmen, mit dem Untertitel "Upcycling Skateboards". Kleine Manufakturen wie "broken" sprießen gerade wie Pilze aus dem Boden. Aber nicht alle sind so erfolgreich wie die der Schweinfurterin und des Wahl-Würzburgers.
Kennengelernt haben sich Bianca Rebhan-Müller und Jonas Licha im Januar 2014 bei einer Weinprobe in Volkach. Dabei beschlossen sie spontan, gemeinsame Sache zu machen. Jonas Licha hatte zu diesem Zeitpunkt schon zwei Jahre mit zerbrochenen Skateboards experimentiert. "Armreife waren die ersten Sachen, die ich gemacht habe", sagt der 31-Jährige. Zuerst für eine Freundin. Die hat dann jemand gesehen, fand sie gut und so nahm das Ganze seinen Lauf. Licha fährt seit Jahren Skateboard und kennt viele Jungs aus der Szene. Wenn sie in das Alter kommen, in dem der Körper nicht mehr so mitmacht, liegen dann die Skateboards herum. Licha hat schon immer viel mit Holz gemacht. Skateboards mit ihrer Geschichte reizen ihn besonders.
Sein Geld verdient er als Ingenieur und Projektleiter für große Solarkraftwerke. Bianca Rebhan-Müller arbeitet als Erzieherin im Montessori-Kinderhaus und ist alleinerziehende Mama einer Tochter. "broken" ist für beide momentan noch ein aufwendiges Hobby. Bianca kommt nicht aus der Skateboard-Szene, wollte aber schon immer was mit Recycling machen. Im Internet entdeckte sie Schmuck aus Skateboards und dachte, das könne sie auch selbst machen.


Gebrauchsspuren sind wichtig

Die beiden treffen sich regelmäßig in Unterspiesheim, im Elternhaus von Jonas. Dort dürfen sie eine gut eingerichtete Werkstatt mit Säge und Schleifmaschine nutzen. Dort entsteht seit fast zwei Jahren hauptsächlich Schmuck - Armreife, Ringe, Ketten und Schlüsselanhänger. Bilderrahmen haben sie auch schon gemacht. Der große Vorteil der broken-Produkte ist die Individualität. "Jedes Schmuckstück gibt es nur einmal", sagt Bianca. "Man sieht dem Schmuckstück einfach an, dass das Material benutzt worden ist", sagt Jonas, für den die Skateboards an sich schon Kunst-Objekte sind.
Skateboards bestehen aus sieben Lagen Holz, die unterschiedlich verpresst sind. Je mehr Gebrauchsspuren, desto besser verkauft sich der Schmuck, diese Erfahrung haben Bianca und Jonas an ihrem Verkaufsstand gemacht. Mit dem waren sie schon auf Handmade-Messen in München, Nürnberg, Würzburg oder Mainz. "broken" sind nicht die ersten, die auf die Idee kamen, aus alten Boards Schmuck zu machen. "Aber unser Zeug ist zu 100 Prozent aus diesem Material", sagt Jonas, und Bianca verleihe den Arbeiten Feinschliff.
Die Boards bekommen die beiden geschenkt, von Skatern aus dem Würzburger und Schweinfurter Raum, die Jonas teilweise seit Jahren kennt. Ab und zu geht er selbst noch fahren. Immer mehr Kunden wollen wissen, von wem das Brett stammt, aus dem die Ohrringe sind. Bis jetzt haben Bianca und Jonas etwa 50 Skateboards kleingesägt.
Und sie sind dabei extrem sparsam, selbst der kleinste Holzschnipsel wird verwendet. Achsen und Rollen behalten die Skater, die halten länger als das Holz. Ein aktiver Skater braucht alle paar Wochen ein neues Brett. Bianca und Jonas nehmen ausschließlich Skateboards, keine Longboards, die hätten nicht diesen speziellen abgerockten Look. "Upcycling Skateboards" hat aber nicht nur einen ästhetischen Aspekt, es geht Jonas auch um eine Botschaft. "Wir wollen damit ein Statement gegen die Wegwerfgesellschaft setzen." Die Schmuckstücke sind nicht teuer. Armreife, Ringe und Ohrstecker kosten je 15 Euro, die größeren Ketten 20 Euro. Für broken läuft es gerade so gut, dass Bianca manchmal ins Träumen kommt.
"Es wäre schön, eine große Halle zu haben und nur noch ,broken' zu machen. Wenn wir davon leben und unsere Sachen weltweit verkaufen könnten." Im Juli hatte Bianca mit der "Art & Breakfast" im Stattbahnhof ihre eigene kleine Kunstmesse ins Leben gerufen, die es jetzt jährlich geben soll.