"Wie von Geisterhand bewegt", sagt einer andächtig, als sich am Freitagabend, etwas nach 18 Uhr, der Schwerlasttransport in Bewegung setzt, an der Main-Rampe von Garstadt. Zwei Wochen war am Mainufer ein Riesen-Generator Marke Alstom geparkt, der das Herzstück eines "rotierenden Phasenschiebers" im Umspannwerk Bergrheinfeld West bilden soll. Das wird bis 2019 durch den Netzbetreiber Tennet gebaut, ein 100-Millionen-Euro-Projekt. Ende Juli war der Transformator angekommen.

Zuvor war die Maschine wochenlang unterwegs gewesen, von der Herstellerfirma, dem polnischen Alstom-Werk in Wroclaw mit dem Schiff Richtung Antwerpen und von dort via Rhein auf den Main. Nun fährt er los, auf einem SPMT mit 21 Achsen. SPMT steht für "Self-Propelled Modular Transporter", eine selbstangetriebene modulare Transportplattform. Zwei Mitarbeiter der Transportfirma W. Mayer bugsieren den Transporter zu Fuß per Fernsteuerung. Das bewegt sich im Schneckentempo um die Ecke.

Der Größe, Form und Hülle nach könnte man den etwa sechs Meter hohen Transport für einen Castor-Behälter halten, tatsächlich soll er aber Ökostrom den Weg ebnen helfen: "Der Generator ist ein wichtiger Beitrag von Tennet zur Energiewende", sagt Firmensprecher Markus Lieberknecht, der das Projekt begleitet, als Fußgänger. Mit den Planungen zur Südlink-Trasse habe das nichts zu tun. Es gehe darum, nach der Abschaltung von Atom- und anderen Großkraftwerken die Integration regenerativer Energien wie Windkraft zu ermöglichen.


Vergleich mit Bierschaum

Der rotierende Phasenschieber soll ab 2016 die Stabilität des Stromnetzes sicherstellen, in dem er für die Blindleistung sorgt. Die physikalisch nicht ganz leicht zu erklärende Aufgabe eines Phasenschiebers, der die Grundvoraussetzung schafft, um überhaupt erst eine Wirkleistung in einem Wechselstrom-Netz erzielen zu können, wird bildhaft dargestellt. Die Tennet-Mitteilung beschreibt Blindleistung als Schmiermittel, das dafür sorgt, dass der eigentliche Verbraucherstrom fließen kann. Ingenieur Dieter Mindl vergleicht sie mit Bierschaum. Zu viel davon im Glas ist für den durstigen Kunden genauso schlecht wie zu wenig. "Es ist eine mathematische Größe", sagt der Techniker von der Alstom Power AG, Mannheimer Ableger eines internationalen Energie- und Transportkonzerns mit Sitz bei Paris.

Die leichte Anhöhe am Ortsausgang wird souverän gemeistert, die 500 Tonnen kriechen über die Staatsstraße 2270 auf den Bercher Kreisel zu, mit dem Motorteil voran. Hier erfordert ein Verkehrsschild Millimeterarbeit. "Das hätte man abbauen können", räumt Arno Alt ein, Geschäftsführer der Zweibrückener Spezialfirma Mayer, die mit den Dortmunder Kollegen von Alborn den Transport deichselt. Nur hatte er eine Wette laufen, dass es auch so klappt. Ansonsten wird wenig dem Zufall überlassen: Die Route ist vorher per Computer simuliert worden. Nach etwa drei Stunden kommt das Gewicht von sechs Kampfpanzern am Nadelöhr an: der Bahnbrücke über die B 26 auf der gesperrten Teilstrecke Richtung Ettleben.


Kniffeliger "Elefanten-Limbo"

Hier, neben dem Gewerbegebiet, wird es für ein Dutzend Mitarbeiter fieselig, beim "Elefanten-Limbo" unter der Brücke hindurch: Weil der Generator auf dem Schwertransporter nicht durchpasst, muss er tiefergelegt und an Stahlseil-Schlaufen in ein hydraulisches Hubgerüst gehängt werden, das die 360 Tonnen auf Bodenschienen vorwärtsschiebt und hebt. Fürs "Zureichen" der selbst schon tonnenschweren Bauteile ist ein Schwerlastkran der Firma Markewitsch zuständig. Es dauert bis in den Nachmittag, bis die Vorbereitungen abgeschlossen sind. Das Durchheben und Wiederaufsetzen des Generators zieht sich bis 21 Uhr hin: "Schneller geht's bei dem Gewicht nicht, wegen der Gefahr von Schwingungen", erklärt Alstom-Mitarbeiter Christian Nägele. Arno Alt nimmt's mit Routine: "Wenn jetzt noch etwas schiefgeht, dann hat man vorher schon falsch geplant." Es läuft reibungslos.

Am Sonntag folgt bis Mittag die letzte Etappe Richtung Umspannwerk, auf verkleinertem SPMT, des engerem Kurvenradius' wegen. Ab Montag wird montiert, bis Ende des Jahres soll der Generator mit 380 Kilovolt die Energiewende unterstützen. Uwe Eichler