Sie war zwar nur 14 Jahre - von 1975 bis 1989 - auf dem "Markt", gilt aber bis heute als Kult: die Diskothek Riverboat. Letztes Jahr sorgte sie für große Resonanz in der Facebook-Gruppe "Du weißt, du bist aus Schweinfurt, wenn . . ." Ein paar Tage lang habe sein Telefon nicht mehr still gestanden, berichtet Thomas Bauer. Er griff die Idee einer Revival Party auf: Sie findet nun am Samstag, 4. Juni statt.

Weil sich in Schweinfurt kein geeigneter Austragungsort mit einem willigen Wirt fand, wurde Bauer in Forst fündig. Die Revival-Party steigt im Tanzcafé Hubertushöhe im Schonunger Ortsteil, was insofern "passt", als die dortige Einrichtung "der der damaligen Zeit entspricht". Und das Wichtigste: Der Riverboat-Gründer und -Betreiber Jürgen Grosse wird bei der Party an Bord sein.


Sohn einer Schausteller-Familie

Bauer hat sich vielfach mit Grosse getroffen und einiges mehr über die Geschichte des legendären Riverboats erfahren. Wobei schon der Lebenslauf des "Kapitäns" eine besondere Geschichte ist: Geboren 1948 in Schönebeck an der Elbe (Sachsen-Anhalt) als Sohn einer Schaustellerfamilie, lernte Grosse den Beruf eines Tierpräparators. Sein Vater riet ihm, sich in Schweinfurt niederzulassen. Hier gab es keine Konkurrenz im erlernten Beruf. "Im Schweinfurter Naturkunde-Museum in der Harmonie sind heute noch viele seiner Arbeiten zu sehen", berichtet Bauer. Die Stadt wollte Grosse als Museumstechniker dort einstellen, doch er entschied sich anders.

Mit seiner "Rolling Disco" und Schachteln voller Singles war Grosse nebenbei als DJ unterwegs und trug über seine Musikauswahl Stimmung in Tanztreffs wie das "Jet Set" in der Luitpoldstraße oder die "Kupferkanne" in Hammelburg. 1975 übernahm Grosse den "Wallbräukeller" von Max Jahn, der diesen 19 Jahre lang betrieben hatte. Der "Wallbräukeller" befand sich in der Alten Bahnhofstraße unterhalb der heutigen Tankstelle (Mainberger Straße). Auf dem Areal befindet sich heute eine Wohnanlage.


Anfangs Tanzsaal-Charakter

Der "Wallbräukeller" hatte anfangs Tanzsaal-Charakter. Musik kam immer noch aus der "Rolling Disco", und die Single-Sammlung wuchs. Dann kommt die Stadt Schweinfurt ins Spiel, die auf die Konzession als Diskothek hinwies. "Wenn es schon eine Diskothek sein muss, dann machen wir das auch richtig", sagte Grosse. Es war der Startschuss für die Diskothek Riverboat. Eine erste Einrichtung war die Bar des Schweinfurter Kinos Cinema. Später ergatterte Grosse die legendäre neun Meter lange Theke in der Form eines Schiffes aus der Gaststätte "Alte Liebe" am (alten) Postplatz, heute Georg-Wichtermann-Platz.

Der weitere Ausbau erfolgte mit Einrichtungsgegenständen einer Bar in Mainz, die man mit einem Lastwagen nach Schweinfurt holte. Grosses Vorliebe für nautische Dekoration war der Grund für das unnachahmliche Flair des Riverboats in der Alten Bahnhofstraße.

Vor allem an Fasching sah man den "Chef" in einem Kapitänsanzug und "die Mannschaft hielt zusammen". Da gab es den Elektriker, der die Stromanlage optimierte, und etliche Freunde und DJs brachten ihre Talente in den Ausbau des Riverboats ein.

Inspiriert von einem Tanzkurs bei der Tanzschule Fiedler veränderte Grosse das Musikprogramm: Nun wurden klassische Tanzrunden gespielt, was wiederum die Tanzschüler Schweinfurts ins Riverboat zog. Interessant waren auch die Öffnungszeiten. Sonntags wurde schon um 14 Uhr aufgesperrt, damit Jugendliche unter 18 Jahren auch in den Genuss eines Discobesuchs kamen. Um 20 Uhr startete der eigentliche Discobetrieb, der um 22 Uhr mit eher langweiligen Tönen, so genannter "Fahrstuhlmusik" unterbrochen wurde. Der Grund: Der Wirt hatte dafür zu sorgen, dass die Minderjährigen den Saal rechtzeitig verließen.


"Ordentlich gekleidet"

Das Chalet im "Zementrum" gab es bereits, es folgte das Barbados, einem ersten Angebot mit Türstehern, die nur reinließen, wer "ordentlich gekleidet war oder Beziehungen hatte". Die Konkurrenz sorgte Anfang der 1980er-Jahre dafür, dass Grosse neben dem Betrieb des Riverboats Tanzfahrten auf dem Mainschiff "Franconia" veranstaltete. Die transportable Musikanlage, drei DJs und verschiedene Künstler unterhielten Hunderte von Gästen auf dem Main.

1989 dann das Ende des Riverboats. Es gab andere Pläne für das Anwesen, das Grosse kaufen wollte, was aber nicht gelang. Er übernahm die Gaststätte Wallbräu am Unteren Wall, die nach weiteren Pächterwechseln heute auch nicht mehr betrieben wird.

An die guten alten Zeiten im und mit dem Riverboat wird nun mit einer Revival-Party am 4. Juni erinnert. "Wer kommt, der kommt", sagt Bauer. Los geht es um 20 Uhr. Das schon vorhandene Text- und Bildmaterial, vielleicht die eine oder andere weitere Anekdote wird Bauer danach Peter Hofmann übergeben, der die Erinnerung an die legendäre Diskothek Riverboat auf seinen Internetseiten Schweinfurtführer der Nachwelt erhalten will. Hannes Helfrich