An Spitzentagen im Sommer, wenn die Ausflügler unterwegs sind, überquert Reinhold Maurer bis zu 360-mal am Tag den Main. Er ist Binnenschiffer und steuert im Dienst der Gemeinde die Wipfelder Fähre. Bei 70 Cent pro Radfahrer-Ticket klingelt im Rathaus dann die Kasse. An anderen Tagen, besonders im Winter, sieht es dafür ganz anders aus. Da kommen nur ein paar Pendler und Fährmann Maurer setzt auch mal für einen einzigen Fußgänger über. Das lohnt sich finanziell natürlich nicht.
Unterm Strich ist die Fähre klar defizitär, die Technik veraltet und das Personal derzeit knapp. Viele Pressemitteilungen, die das Rathaus verschickt, drehen sich um Probleme mit der Fähre. Aber sie gehört nun mal zu Wipfeld wie der Wein. "Touristisch gesehen ist sie eigentlich unverzichtbar", sagt Bürgermeister Tobias Blesch, "auf der anderen Seite kostet sie die kleine Gemeinde sehr viel Geld".
Im vergangenen Jahr hat der Fährbetrieb 174 000 Euro gekostet. Der Löwenanteil daran sind die Personalkosten, allerdings ist auch eine teure Motorreparatur enthalten. Verrechnet mit den Einnahmen aus den Fahrscheinen ergibt sich laut Blesch ein Defizit von 59 000 Euro im letzten Jahr. Von diesem Defizit trägt der Freistaat die Hälfte, denn es gibt eine spezielle Vereinbarung für Gemeinden mit Fährbetrieb. Der Grund: "Die allermeisten sind defizitär." Andererseits hängen am Fährbetrieb auch Touristen, die ohne die Attraktion Mainfähre wahrscheinlich wegbleiben würden - und auf anderem Weg Geld in die Gemeinde bringen. Im Steuerstand muss Maurer ordentlich kurbeln und dagegenhalten, dem Schiff fehlt quasi die Servolenkung. Das soll sich im kommenden Jahr ändern, wenn die Generalüberholung der Fähre ansteht, dann ist neben den Reparaturen an Verschleißteilen auch ein neuer Antrieb geplant.
Die nun anstehende Investition ist allerdings groß, zusammen mit neuem Pflaster an den Anlegestellen rechnet Blesch mit 250 000 bis 300 000 Euro. Aktuell wartet er auf ein Angebot einer Lindacher Schlosserei, die sich um die Wipfelder Fähre kümmert. Wenn auch hier der Freistaat die Hälfte übernimmt - und damit rechnet der Bürgermeister - kommen Kosten von rund 150 000 Euro auf den kleinen Ort zu. Blesch ist der Meinung, dass die Investition sein muss. Trotzdem bleibt ein Zwiespalt. "Ich nehme halt viel Geld in die Hand und weiß, dass ich die natürlich nie wieder reinfahren kann." Drüben in Eisenheim haben die Bürger vor fünf Jahren über ihre ebenfalls defizitäre Fähre abgestimmt - und sich für den Weiterbetrieb entschieden. Nike Bodenbach