Ein Spaziergang durch den Ortskern? Ein Blick in die kleinen Gassen? Da lässt sich Oliver Brust nicht zwei Mal bitten. Sichtlich stolz führt der Bürgermeister von Geldersheim den Reporter durch "sein" Dorf knapp fünf Kilometer westlich von Schweinfurt.

Der Stolz ist nicht unbegründet. Geldersheim kann als unterfränkisches Paradebeispiel für das moderne Dorf von heute bezeichnet werden. "Der demografische Wandel überrollt uns im positiven Sinne", sagt Brust. Was das Gemeindeoberhaupt meint: In den letzten 80 Jahren hat sich die Einwohnerzahl in Geldersheim verdoppelt. Aktuell sind es knapp 3000.


Bei jungen Familien sehr beliebt

Woran liegt das? Unter anderem an der vorzüglichen Lage. Nach Schweinfurt ist es nur ein Katzensprung, für Pendler bieten die A70 und A71 eine perfekte Anbindung. Gerade bei jungen Familien ist die Gemeinde deshalb beliebt. Jeder sechste Einwohner ist unter 17 Jahre alt, den ortseigenen Kindergarten besuchen aktuell 108 Mädchen und Buben. "Die Nachfrage nach Bauland ist groß, neue Flächen weisen wir aber nur moderat aus. Der Ortskern soll gestärkt werden", begründet Brust, während er beispielhaft auf ein modernes Einfamilienhaus deutet, das zentrumsnah hinter der historischen Dorfmauer entstanden ist.

Doch die Lage alleine macht auch heutzutage einen Ort nicht nachhaltig attraktiv. Er muss mit Leben gefüllt werden. Im unterfränkischen Geldersheim läuft die Dorferneuerung seit fast 30 Jahren, den Motor endgültig ins Rollen brachte aber die 1250-Jahr-Feier. "Die Bewohner haben dafür richtig Gas gegeben. Dieser Schwung hatte etwas von Aufbruchstimmung", erinnert sich Brust. Leerstände wurden aufgehübscht, Häuserfassaden neu gestrichen, das Vereinsleben intensiviert. Mit Erfolg: Beim 25. Bundeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" wurde Geldersheim im Jahr 2016 mit der Silbermedaille ausgezeichnet.


Die Jugend packt mit an

Das Dorfleben ist anschließend nicht eingeschlafen. Was vor allem auch an dem intakten Vereinsleben liegt. Sport-, Schützen-, Trachten-, Gesangsverein: Nicht nur die Dorfältesten nehmen die vielen Angebote wahr. "Die Jugend ist bei uns eingebunden. Einige sind beispielsweise Mitglied im Trachtenverein. Das Identitätsgefühl durchzieht alle Altersschichten", freut sich Brust, selbst Mitglied der "Galderschumer Schlapperflicker".

Natürlich weiß der Bürgermeister auch, dass es nicht alle Dörfer so einfach haben. In Geldersheim gibt es nicht nur einige Haupterwerbslandwirte und knapp 300 Arbeitsplätze am Ort, sondern unter anderem auch noch zwei Metzger Bäcker und Banken, ein Altersheim, einen Allgemeinmediziner und einen Zahnarzt. Das ist in der heutigen Zeit fast schon ein Luxus und macht vieles leichter. Trotzdem ist sich Oliver Brust sicher, dass man mit neuen Ideen jedes Dorf beleben kann. In Geldersheim entdeckt man beim Rundgang Kinderspielplätze, Fußball-, und Beachvolleyballfelder, einen Reitplatz, eine Kegelbahn, ein Jugendtreff. Alles Angebote, die gemeinschaftlich verwirklicht wurden. "Schauen Sie, auch wir haben hier Leerstände. Aber wenn die Dorfgemeinschaft zusammenhält, ist vieles möglich."


Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft"

Beim Bundeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" stehen das bürgerschaftliche Engagement sowie der Dreiklang aus wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Entwicklung im Fokus. Das heißt: Für die Jury ist entscheidend, wie sich das Dorf als Ganzes weiterentwickelt und was sich in den letzten Jahren vor Ort getan hat. Aktuell finden in Bayern die Bezirksentscheide statt (www.dorfwettbewerb.bayern.de). Im Sommer 2019 wird die Bewertungskommission die für den 26. Bundesentscheid qualifizierten Dörfer bereisen und die Gold-, Silber- und Bronze-Gewinner ermitteln.