Die schlechte Nachricht: Roland Breitenbach liegt seit einigen Tagen wieder im Krankenhaus. Er ist zu Hause in Sankt Michael unglücklich gestürzt, hat sich das Becken angebrochen. Die gute Nachricht: Der Schweinfurter Pfarrer macht Fortschritte, trainiert gut, wird das Krankenhaus St. Josef vielleicht schon in einer Woche verlassen können. Am Sonntagabend gab es in seinem Krankenzimmer ein emotionales Aufeinandertreffen: Der französische "Kirchenrebell" Bischof Jacques Gaillot stattete seinem "guten Freund" einen Genesungsbesuch ab. "Wunderbar", sagte Breitenbach, als er Gaillot im Türrahmen erblickte.
Jacques Jean Edmond Georges Gaillot stammt aus Saint-Dizier in der südlichen Champagne. Er studierte unter anderem in Rom Theologie. Als Seminarist nahm er während des Algerienkrieges am Militärdienst (1957 bis 1959) teil, erlebte Tragödien und beschloss, sich für Gewaltlosigkeit einzusetzen. 1961 wurde er zum Priester geweiht.


Eindeutige Stellungnahmen

Bald nach seiner Ernennung zum Bischof 1982 wird Gaillot durch seine eindeutigen Stellungnahmen zu Atomwaffen, zur Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen, zum Golfkrieg, zur Todesstrafe, zu Aids, zur Solidarität mit dem palästinensischen Volk und zur Apartheid in Südafrika bekannt. Gaillot plädierte schon damals für eine Kirche, die näher bei den Menschen ist und die Herausforderungen der modernen Zeit wahrnimmt und erfüllt.
Am 13. Januar 1995 wird Gaillot von Papst Johannes Paul II. als Bischof von Évreux enthoben und zum Titularbischof von Partenia ernannt. Partenia ist eine seit dem fünften Jahrhundert im Wüstensand Algeriens versunkene Diözese. Übrigens etwa dort, wo Gaillot Militärdienst leistete.
Gaillots Absetzung und Versetzung löste bei Christen und Nichtchristen in vielen Ländern große Entrüstung aus. Vielerorts fanden Protest- und Unterschriftensammlungen statt. Da die ehemalige Diözese Partenia nicht mehr existiert, sei der Name "aber zum Symbol all derer geworden, die in der Gesellschaft und in der Kirche unterdrückt werden und am Rande stehen", schildert Breitenbach, wie Gaillot 80 Jahre alt. Für seinen zum Klassiker gewordenen Zukunftsroman "Der kleine Bischof" sei Gaillot Vorbild gewesen. Daran erinnerte Breitenbach auch am Sonntag wieder. Für den buchstäblich in die Wüste geschickten Gaillot habe er eine Vision entwickelt, die dem Leben und den Erfahrungen des französischen Bischofs "sehr nahe kommt".


Buch zum 75. Geburtstag

Zum 75. Geburtstag von Gaillot vor fünf Jahren hat Breitenbach ihm ein Buch gewidmet: "Die Freiheit wird euch wahr machen". 16 Autoren aus sieben Ländern haben Beiträge geliefert, die auf verschiedene Weise aufzeigen, wie "andere Kirche aussehen kann", sagt Breitenbach. Darunter natürlich auch Breitenbach selbst, zugleich Herausgeber.
Papst Franziskus hat Gaillot im September 2015 in Rom empfangen. Kurz zuvor hatte der Sankt-Michael-Pfarrer Breitenbach das Buch an den Vatikan geschickt und es sei auch schnell eine positive Antwort gekommen. "Jetzt ist es so weit, der Papst hat über eine Stunde mit Jacques Gaillot im Gästehaus Santa Maria über heiße Eisen gesprochen", teilte Breitenbach im Herbst letzten Jahres voller Freude dieser Redaktion mit. Franziskus habe mit der Audienz ein großes Zeichen der Versöhnung gesetzt.
Gaillot, der heute in Paris lebt und arbeitet, kam nach Schweinfurt in Begleitung von Peter Reinl, Prior der Würzburger Augustiner, der als Dolmetscher fungierte. Auch ihm hatte Gaillot einen Besuch abgestattet. Schon viele Male war der Franzose zuvor in Schweinfurt gewesen, hatte mit der Gemeinde Gottesdienst, mit den Kindern Erstkommunion gefeiert und dabei über seine Arbeit berichtet - bis der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann 2005 sein Wirken in Schweinfurt für unerwünscht erklärte.


"Große Ehre für St. Josef"

Gaillot freute sich, dass Breitenbach seinen Radunfall gut überstanden hat und auch nach dem jüngsten Sturz Fortschritte macht. Schwester Oberin Lydia Wießler nannte den Besuch des "Starpatienten Breitenbach" durch den Bischof "eine große Ehre auch für das Krankenhaus St. Josef". Hannes Helferich