Andreas Dreitz aus Michelau im oberfränkischen Kreis Lichtenfels hat erstmals den Triathlon-Klassiker "Challenge Roth" in Roth gewonnen. In Abwesenheit der deutschen Stars Jan Frodeno, Patrick Lange und Sebastian Kienle überquerte der 30 Jahre alte Vorjahreszweite am Sonntag als erster Athlet die Ziellinie. "Jetzt habe ich mir ein bisschen Urlaub verdient", so Dreitz nach seinem Sieg beim Langdistanz-Triathlon.

Nach seinem Triumph beim Triathlon-Klassiker in Roth gönnte sich Andreas Dreitz eine erfrischende Bierdusche und bekam von Freundin Isabel einen dicken Kuss. In dem international hochkarätig besetzten Starterfeld überquerte der 30 Jahre alte Vorjahreszweite am Sonntag nach einer imponierenden Leistung in 7:59:02 Stunden als erster Athlet die Ziellinie.

Bei den Frauen verpasste Daniela Bleymehl die Wiederholung ihres Vorjahressiegs. In 8:43:17 Stunden wurde die gebürtige Darmstädterin Dritte. Die Vorjahreszweite Lucy Charles-Barclay (8:31:09 Stunden) war vor der Australierin Sarah Crowley dagegen nicht aufzuhalten.

"Es war Wahnsinn. Ich bin durch so viele Höhen und Tiefen gegangen heute", sagte der Lichtenfelser Dreitz, der mittlerweile in Bayreuth lebt. "Die letzten Meter waren so hart, die Stimmung aber unendlich geil. Ich kann's noch gar nicht fassen, ich muss erstmal wieder zu mir kommen."

In Abwesenheit der deutschen Stars Jan Frodeno, Patrick Lange und Sebastian Kienle hatte Dreitz im Ziel 3:18 Minuten Vorsprung auf den Schweden Jesper Svensson. Dritter nach 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen wurde Cameron Wurf aus Australien mit einem Rückstand von 5:06 Minuten. "Jetzt habe ich mir ein bisschen Urlaub verdient", sagte Dreitz, der sich auf Wunsch seiner Freundin aufs Wandern in Norwegen freuen darf.

Vorjahresgewinner Kienle war wie auch Frodeno und Lange in der vergangenen Woche bei der Ironman-EM in Frankfurt/Main gestartet und verzichtete daher diesmal auf den Wettkampf in Franken. Die Bühne für Dreitz war also bereitet.

Der Oberfranke hatte nach dem Schwimmen rund drei Minuten Rückstand auf den Spitzenmann Svensson. Die Engländerin Charles-Barclay wies hinter dem Schweden die zweitbeste Zeit auf. Dreitz machte dann zusammen mit dem Freiburger Andreas Böcherer auf dem Rad richtig Tempo. Svensson konnte nicht mitgehen. "Ich hatte gute Beine, es hat Spaß gemacht", sagte Dreitz. Nach den 180 Kilometern auf dem Rad wechselten der Lichtenfelser und der Böcherer im Grunde zeitgleich in die Laufschuhe.

Während Dreitz stabil beim Marathon war, fiel Böcherer immer weiter zurück. Dafür heftete sich der Schwede Svensson an die Fersen des Lokalmatadors. Dreitz ließ sich trotz Problemen von seinem ersten Erfolg in Roth nicht mehr abbringen. "Ich hatte ein richtiges Tief zur Hälfte vom Marathon", sagte er und ergänzte erschöpft: "Ich bin megaglücklich, dass ich als Erster über die Ziellinie laufen durfte."

Bleymehl, geborene Sämmler, hatte nur sieben Tage nach ihrem vorzeitigen Aus beim Hitze-Ironman in Frankfurt/Main wegen eines Virus ihren Start bei der legendären Challenge Roth noch kurzfristig zugesagt. Als Zweite mit einem Rückstand von 5:45 Minuten auf Charles-Barclay stürzte sie sich in den Marathon.

Bleymehl, die 2018 nur neun Sekunden Vorsprung auf Charles-Barclay im Ziel gehabt hatte, kam vorübergehend heran. Sie musste dann jedoch Crowley an sich vorbeiziehen lassen und wurde schließlich Dritte. "Es hätte auch nach hinten losgehen können. Bei 100 Prozent war ich nicht", sagte die dennoch zufriedene Bleymehl.

Schon im Vorfeld der diesjährigen Challenge Roth hatte Andreas Dreitz mitgeteilt, er fühle sich besser als 2018.