Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hat Anklage gegen den "Reichsbürger" von Georgensgmünd (Landkreis Roth) wegen Mordes mit versuchtem Mord in drei tateinheitlichen Fällen und mit gefährlicher Körperverletzung in zwei tateinheitlichen Fällen sowie gegen einen 51-jährigen Polizeibeamten wegen fahrlässiger Tötung mit fahrlässiger Körperverletzung im Amt in zwei tateinheitlichen jeweils durch Unterlassen und vorsätzlichem vorschriftswidrigen Aufbewahrens einer Schusswaffe erhoben.

Im vergangenen Oktober hatte Wolfgang P. in Georgensgmünd das Feuer auf ein Spezialeinsatzkommando eröffnet. Es wollte dem "Reichsbürger" seine Waffen abnehmen, weil er als nicht mehr zuverlässig galt. Bei dem Einsatz war ein Polizist getötet und zwei weitere verletzt worden.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Wolfgang P. mit dem bevorstehenden Polizeieinsatz zur Sicherstellung von Waffen bei ihm rechnete und er sich entsprechend vorbereitete. Er fasste den Entschluss in diesem Falle aus einem Hinterhalt Schüsse auf die eingesetzten Polizeikräfte abzugeben, um diese zu töten oder zumindest zu verletzen, heißt es in der Meldung der Staaatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth.

In Folge dieses Plans feuerte er durch die geschlossene teilverglaste Wohnungstüre, vor der er Polizeibeamte registrierte, 11 Schüsse ab. Ein Polizeibeamter erlitt eine Schussverletzung am rechten Ellenbogen, eine weitere Kugel drang über die Schulter in die Lunge ein. Dies führte zu einer Sauerstoffunterversorgung und infolgedessen verstarb der Polizeibeamte.


Mordmerkmal der Heimtücke ist laut Stasstanwaltschaft gegeben

Ein weiterer Polizeibeamter erlitt einen Durchschuss im Bereich des rechten Unterarms und ein dritter Polizeibeamter wurde durch einen Splitter verletzt. Da die Beamten im Rahmen ihres Einsatzes zwar von einer abstrakten Gefahr, in der konkreten Situation vor der Wohnungstür jedoch nicht mit einer konkreten Gefahr rechneten, geht die Staatsanwaltschaft vom Vorliegen des Mordmerkmals der Heimtücke aus. Zudem ist auch vom Mordmerkmal der niederen Beweggründe auszugehen.


Polizist hätte Kollegen vor Reichsbürger warnen müssen

Dem oben genannten Polizeibeamten wird vorgeworfen, aus seinen Kontakten zu dem Angeschuldigten Wolfgang P. dessen Gefährlichkeit und Bereitschaft, auch Waffengewalt einzusetzen, erkannt zu haben und seiner ihm als Polizeibeamten obliegenden Pflicht, diese Erkenntnis weiterzugeben, nicht nachgekommen zu sein.

Bei Kenntnis dieser Umstände hätte aus Sicht der Staatsanwaltschaft durch Ergreifung geeigneter Maßnahmen die tödliche Schussabgabe verhindert werden können. Zugunsten des Polizeibeamten wird jedoch davon ausgegangen, dass er die Tötung und Verletzung der eingesetzten Polizeikräfte nicht billigend in Kauf nahm, sodass ihm nur Fahrlässigkeit zur Last gelegt wird.