Immer mehr Vereine müssen Spielgemeinschaften gründen, um zu überleben - auch im Landkreis Bad Kissingen. Aktuell haben sich unter anderem Rannungen mit Pfändhausen, Rottershausen mit Eltingshausen und Oberbach/Riedenberg mit Wildflecken neu zusammengeschlossen. Doch dabei ist der Fußball nicht unattraktiver geworden. "Der Wandel der Gesellschaft ist schuld", sagt Jörg Wetterich, Abteilungsleiter des FC Rottershausen. Denn immer mehr junge Menschen studieren und ziehen weg aus der Rhön. Und somit auch weg von ihrem Fußballverein. Auch die geburtenschwachen Jahrgänge sind ein Problem, mit dem jeder Verein zu kämpfen hat. "Wir haben uns die Jugendzahlen in der Zukunft angesehen. Ab 2023 hat kein Verein hier die Chance, allein mit einer oder gar zwei Mannschaften zu bestehen", sagt Michael Hobelsberger, Abteilungsleiter des TSV Rannungen. Und noch einen Grund gibt es für den Spielerschwund im Amateurfußball: "Es gibt viel mehr Freizeitangebote", sagt mit Simon Breitenbach Oberbachs Abteilungsleiter. "Früher gab es nur die Feuerwehr, den Sport- oder den Musikverein. Heute können die Kinder aus vielen anderen Aktivitäten wählen und auch die Infrastruktur ist besser geworden", ergänzt Alexander Markert, Abteilungsleiter des TSV Pfändhausen.

Aber was muss im Hintergrund geleistet werden, dass eine solche Fusion überhaupt gelingt? "Viele Kleinigkeiten, an die man gar nicht denkt", sagt Alexander Markert. Dazu zählt zum Beispiel der Spielort der ersten und zweiten Mannschaft: Wer darf wann wo spielen? Dazu kommt die Frage, wie das mit den Eintrittsgeldern gehandhabt wird. Werden diese zwischen beiden Vereinen aufgeteilt oder hat der Verein einfach Pech, der das Spiel nicht austrägt? Wer deckt die Kosten der Schiedsrichter, wer kriegt die Einnahmen von möglichen Pokalspielen? Soll es neue Trikots geben, wer ist für die Wäsche verantwortlich? All diese Sachen müssen in Gesprächen mit Verantwortlichen beider Vereine besprochen und schriftlich festgehalten werden. "Wir haben in mehreren Treffen eine Vereinbarung ausgearbeitet, in der alle finanziellen Punkte und Spielerwechsel innerhalb der Vereine aufgelistet wurden. Das war eine Arbeit von zwei bis drei Monaten. Aber wenn man sich eh schon so gut untereinander versteht wie wir, ist das relativ einfach", sagt Rottershausens Jörg Wetterich, dessen Verein mit Eltingshausen kooperiert.

Einen weiteren wichtigen Punkt zählt Michael Hobelsberger vom TSV Rannungen auf: "Die Mitglieder und Spieler müssen natürlich überzeugt werden, und da muss man offensiv und ehrlich vorgehen." Er erklärt, dass es natürlich Menschen gibt, die bei der Gründung einer Spielgemeinschaft Angst haben, dass ihr eigener Verein zu kurz kommt oder untergeht. Aber der TSV Rannungen hatte damit keine Probleme. "Als wir die Mannschaften melden mussten, war noch nicht sicher, ob wir aus der Bezirksliga absteigen oder drin bleiben. Und in der Bezirksliga sind keine Spielgemeinschaften erlaubt. Deshalb haben wir als erste Mannschaft den TSV Rannungen gemeldet, allerdings würden sich die Spielerpässe der Pfändhäusener Spieler, die höherklassig spielen können, umschreiben lassen", sagt Hobelsberger. Insgesamt geht die neue Spielgemeinschaft mit drei Mannschaften in der kommenden Saison an den Start. Die Vereine planen eine langfristige Kooperation. "Wenn es nach der Testphase weiterhin gut läuft, wollen wir eine Spielvereinigung statt einer Spielgemeinschaft gründen. Sozusagen einen eigenen Verein aus den Vereinen heraus. Gerade sind alle euphorisch, die Spieler kennen sich ja auch untereinander, aber wir werden sehen, was für Probleme noch kommen", sagt SG-Partner Alexander Markert.

Ein Problem konnte Simon Breitenbach bereits lösen: "Ich habe in unserer SG Oberbach/Riedenberg II neben den Oberbachern auch die Riedenberger betreut. Jetzt deckt Daniel Finn vom SV Wildflecken eben auch etwas ab, das entlastet mich natürlich enorm", sagt der Oberbacher Abteilungsleiter. "Bei den Heimspielen ist jeder für sich selber verantwortlich, die Bewirtung übernimmt jeder selbst und behält deswegen auch die Einnahmen. Ich denke, die Arbeitsteilung haben wir so gut gelöst." Und auch beim Training steigt das Zusammengehörigkeitsgefühl: "Das läuft zusammen mit der ersten Mannschaft von Riedenberg. Das ist dann ein großer Haufen, wenn alle mal da sind", sagt Breitenbach.

Für Steffen Hartung, Abteilungsleiter des FC Eltingshausen, war die Fusion mit Rottershausen in der kommenden Saison absolut notwendig. Denn mit dem Weggang von Spielertrainer Alexander Schott zu eben jenem FC Rottershausen wurde dem künftigen B-Klassisten von einigen Spielern mitgeteilt, dass sie vielleicht aufhören wollten. "Auf solch schwammige Aussagen kann man sich aber nicht verlassen", sagt Steffen Hartung, der daraufhin überlegte, eine Spielgemeinschaft entweder mit Reiterswiesen, Oerlenbach oder Rottershausen einzugehen. "Wir haben ein internes Team gebildet, das Gespräche mit der Mannschaft und dem Vorstand geführt hat. Das Ergebnis war, dass wir uns alle einig waren, eine SG mit Rottershausen zu gründen", so Hartung. Die Entscheidung beeinflusst haben könnte Alexander Schott. Aber: "Die Gespräche mit Rottershausen waren auch deshalb am positivsten, weil sie angeboten haben, die Heimspiele der zweiten Mannschaft komplett in Eltingshausen auszurichten."

Spielgemeinschaften sind notwendig im Landkreis. Ein Übel sind sie deswegen nicht. Viel mehr bieten sie den Vereinen eine Vielzahl an neuen Möglichkeiten und die Chance zum Überleben. Denn am Fußballinteresse mangelt es dem Landkreis Bad Kissingen nicht, schaut man sich die Zuschauerzahlen der zurückliegenden Relegationsspiele an. 10 542 Zuschauer kamen zu den 14 Partien mit Landkreis-Beteiligung, macht im Schnitt mehr als 750 Fans pro Spiel. Mit 1127 Zuschauern war ein Spiel besonders gut besucht; die Relegationspartie einer Spielgemeinschaft nämlich. Die SG Oberleichtersbach/Modlos hatte 6:2 gegen den FC Poppenlauer gewonnen und stieg in die Kreisklasse auf.