HSC Bad Neustadt-Rhön - SC Magdeburg II 23:22 (9:15).
Das war wohl das dramatischste Heimspiel des HSC in dieser Saison. Die Mannschaft drehte ein zur Pause scheinbar verlorenes Spiel noch in einen geradezu lebenswichtigen Erfolg im Kampf um den Klassenerhalt und verließ erst einmal einen der drei Abstiegsplätze. "Aber gewonnen ist noch gar nichts", erklärte ihr total erleichterter Coach Igor Mjanowski in der Pressekonferenz, "wir müssen auch in acht Tagen im nächsten Heimspiel gegen Hanau zwei Punkte holen." Das wird nicht einfach, vielleicht sogar unmöglich sein, wenn sich die Saalestädter wieder so viele Fehler in der Offensive leisten wie in der ersten Halbzeit. Der Sechstore-Rückstand schien gleichbedeutend mit einer neuerlichen herben Enttäuschung, und der Fahrstuhl runter in die Bayernliga war schon auf dem Weg.
"In der Kabine habe ich den Spielern gesagt, dass sie einfach ihre Angriffe ruhiger ausspielen sollen, in der Abwehr weiter aggressiv arbeiten und insgesamt konzentrierter Handball spielen sollen", erklärte Mjanowski im Foyer. Tatsächlich minimierten die Gastgeber ihre Fehlerquote nach Wiederanpfiff enorm. Und als Riesenberger in der 37. Minute in Unterzahl auf 14:17 verkürzte, ging sichtlich ein Ruck durchs Team, das durch Franziskus Gerr erstmals ausglich (18:18), begleitend von stehenden Ovationen des Publikums. Davon schien besonders ein HSCler beflügelt zu sein, der gerade eingewechselte Adam Pal überraschte die SC-Deckung mit einem Doppelpack. Sechs Minuten vor Spielende brachte Singwald die Halle mit seinem Treffer zum 22:21 zum Toben. Still wurde es auch nicht, als de la Pena per Strafwurf während einer Zeitstrafe für Gerr zum 22:22 ausglich. Die Gäste trafen danach den Pfosten und verloren durch zwei hanebüchene Fehlpässe jeweils den Ballbesitz.


Der Kapitän geht voran

34 Sekunden vor Spielende wurden die Hausherren zur letzten Auszeit versammelt. Der Ball landete nach Wiederanpfiff bei Schmitt, der HSC-Kapitän wackelte seinen Gegenspieler aus und setzte das Leder neun Sekunden vor Matchende in den Winkel. Die Gäste versuchten es mit einem Schnellangriff, der allerdings zwei Sekunden vor dem Abpfiff durch ein Foul von Gerr an Jakob Hensen gestoppt wurde. Gerr wurde zum dritten Mal auf die Bank verbannt, mit seinem Notwurf scheiterte de la Pena an Felix Schmidl. Dieser und seine Kameraden wurden kurz darauf frenetisch gefeiert. So mancher der Fans, der zur Pause vorzeitig den Schulberg im sicheren Gefühl einer klaren Heimniederlage verließ, wird sich über sein Weggehen nachträglich ärgern. "Unser Sieg war vielleicht glücklich, aber nicht unverdient", so Mjanowski, "alle Spieler haben mit großer Moral gekämpft und der nervlichen Belastung Stand gehalten."
Tore für den HSC: Maximilian Schmitt (5), Konstantin Singwald (4). Jan Wicklein (4/1), Franziskus Gerr (4), Timo Riesenberger (3), Adam Pal (2), Martin Bieger (1).