TSV Aubstadt - FC 05 Schweinfurt (Samstag, 14 Uhr, Schulstadion)

Fußball ist ein Ergebnissport. Die bittere Wahrheit dieser überaus platt gedroschenen Phrase mussten die Schweinfurter ganz besonders bei der bitteren 2:3-Niederlage gegen den VfB Eichstätt verkraften. Ein umstrittener Handelfmeter und ein individueller Fehler brachten die Unterfranken in der oberbayerischen Universitätsstadt in der Nachspielzeit um drei Punkte. Ein Umstand, der die Vorbereitung auf das Derby beim TSV Aubstadt am Samstag nicht gerade einfach macht.

So kramte FC-05-Coach Timo Wenzel einmal mehr tief in der Trainer-Trickkiste, um die richtigen Schlüsse vor dem Duell mit dem Liga-Neuling ziehen zu können: Zeitweise überließ er seinem Co-Trainer Jan Gernlein das Training, um seine Spieler aus einem anderen Blickwinkel beobachten zu können. "Wenn man die Übungen vormacht und bei den Spielern steht, nimmt man die Situation ganz anders wahr. Von außen hatte ich eine andere Perspektive. Da merkt man sehr gut, welche Spieler die Übung nur sieben Mal machen, wenn gesagt wurde, dass sie das zehn Mal machen sollen. Das hilft natürlich bei der Entscheidung, ob dieser Spieler von Anfang an dabei ist, eingewechselt wird - oder nicht reinkommt."

Das zeigt, wie ernst der Tabellendritte die Grabfelder nimmt, die - mit etlichen Ex-Nullfünfern im Kader - eine beeindruckende Serie von vier Siegen und nur einem Gegentor im Oktober vorweisen können und so plötzlich der erste Verfolger des Wenzel-Teams sind. Macht es die Aufgabe eigentlich einfacher, wenn man viele Gegenspieler noch aus gemeinsamen Zeiten an der Niederwerrner Straße kennt? Kevin Fery schüttelt den Kopf. "Auf dem Platz ist man ständig in neuen Situationen. Sich zu sagen, dass man den Gegenspieler kennt und genau weiß, was man zu tun hat, wäre ein bisschen zu einfach." Schließlich sind die früheren Schweinfurter in Reihen des vorherigen Bayernligisten allesamt keine schlechten Fußballer.

Viele von ihnen sind zudem, wenn sie denn einmal in Fahrt kommen, kaum zu stoppen. "Martin Thomann, Timo Pitter oder auch Michael Dellinger sind Akteure, auf die wir höllisch aufpassen müssen. Es gilt, so kompakt zu stehen, dass sie ihre Geschwindigkeit gar nicht erst ausspielen können. Wir müssen auf jeden Fall defensiv die Ordnung halten." Kleine Sorgenfältchen im Gesicht des Trainers verraten, dass es auf dem Grün an der Aubstadter Schulstraße alles andere als leicht wird. Nicht umsonst hatte Lukas Billick nach der Last-Minute-Niederlage am vergangenen Samstag gefordert, dass "Jeder, in allen Bereichen" 100 Prozent zeigen müsse.

Ist das zu viel Druck? Fery winkt ab - trotz der Brisanz dieses Prestige-Duells, in dessen Vorfeld die Polizei gar die Straßenführung ändern wird. "Ich würde nicht sagen, dass dem so ist. Es wird nicht so weit kommen, dass wir uns aus Angst vor Fehlern manche Aktion nicht mehr zutrauen. Individuelle Fehler haben uns die letzten beiden Tore beschert und die haben wir aufgearbeitet."

Doch wie lassen sich die vermeiden? Es ist das einfache Rezept, das die FC-05-Verantwortlichen schon in der Vorsaison fast mantra-artig vorbeteten, es aber nie ganz in den Köpfen der Spieler ankam: einfach mal den Ball auf die Tribüne hämmern oder "aufs Feld, wie in Eichstätt, wo es keine Tribüne gibt." Doch das schelmenhafte Grinsen im Gesicht von Ex-Profi-Wenzel, es verfliegt, fast schneller, als es gekommen war. "Wen interessiert es denn später noch, wenn Marco Fritscher den Ball einfach ins Aus schlägt, um nicht in die Situation zu kommen, die zum Elfmeter geführt hat? Das muss man in dem Augenblick merken. Das kann ich meinem Team vorwerfen. Aber es ist ja nicht so, dass man auf Knöpfe drückt, etwas abspeichert oder löscht. Sonst war das Spiel gegen den VfB echt gut und die Jungs haben auch im Training wieder gezeigt, dass sie wollen."

Sie wollen wieder jubeln gegen den TSV Aubstadt. Und das, obwohl sich die personelle Situation bei den Schweinfurtern merklich verschlechtert hat. Für das Kräftemessen im 718-Seelen-Dörfchen werden wohl nicht nur die Langzeitverletzten Ronny Philp, Lamar Yarbrough und Lukas Ramser nicht zur Verfügung stehen: Adam Jabiri trainierte wegen seiner Prellung nur unter Schmerzen, Christian Köppel plagen muskuläre Probleme, Stefan Maderer und Amar Suljic sind angeschlagen, auch hinter dem Einsatz von Pius Krätschmer (krank) steht noch ein Fragezeichen. Doch sie brennen auf einen Einsatz. Vor allem Jabiri, der sich auf ein Wiedersehen mit seinem Kumpel Christopher Bieber freut. "Da muss ich jetzt einfach auf die Zähne beißen und hoffen, dass es reicht." Sein Trainer geht in Sachen Derby-Motivation gar noch ein Stückchen weiter. "Man muss rausgehen und sich sagen: man frisst Leute auf." Natürlich nur im fußballerischen Sinne . . .Dominik Großpietsch