Erst Handys, Computer und Glühbirnen, jetzt Geschirrspüler und Kühlschränke: Siemens gibt mit dem Abschied vom Hausgeräteriesen BSH das letzte Endkunden-Geschäft auf. Der Schritt hat sich seit längerem abgezeichnet und spült Milliarden in die Siemens-Kasse. Er ist Teil des angekündigten Umbaus bei Siemens. Bosch zahlt drei Milliarden Euro für den 50-prozentigen Siemens-Anteil. BSH passe von seiner strategischen Ausrichtung sehr gut zur Bosch-Gruppe, begründete Bosch-Chef Volkmar Denner am Montag den Schritt, über den schon seit Monaten spekuliert worden war.
Der Konzern, der gleichzeitig einer der größten Autozulieferer weltweit ist, will sich mehr und mehr auf das sogenannte "Internet der Dinge" konzentrieren. Darunter versteht man Hausgeräte wie Waschmaschinen oder Kühlschränke, die technisch in der Lage sind, mit dem Internet zu kommunizieren und die mit Smartphones zu steuern sind. Bosch Siemens Hausgeräte kam 2013 mit seinen rund 50 000 Mitarbeitern auf rund 10,5 Milliarden Euro Jahresumsatz und hatte sich jüngst zum Ziel gesetzt seine Erlöse bis 2025 zu verdoppeln - auch außerhalb Europas. Die Mittelschicht als potenzielle Käuferschicht werde in vielen Ländern weiter wachsen, sagte der für BSH verantwortliche Bosch-Geschäftsführer Uwe Raschke. Von der Werksleitung am Standort Bad Neustadt war am Montag keine Stellungnahme zu bekommen. Um in den Industrieländern Kunden zu gewinnen, will Bosch seine Hausgeräte mit Sensoren und Elektronik ausstatten.

Bosch will Haushalt vernetzen

Außerdem feilt Bosch an einer App, mit deren Hilfe Geräte verschiedener Hersteller gesteuert werden können. Der Bereich werde rund ein Viertel zum Gesamtumsatz von zuletzt 46 Milliarden Euro beitragen, sagte Denner. Beziehe man die jüngste Komplettübernahme ZF Lenksysteme mit ein, werde der Anteil der Kfz-Technik auf unter 60 Prozent sinken. Bosch erklärtes Ziel ist es, unabhängiger vom konjunkturabhängigen Autogeschäft zu werden. Finanziert werde die Übernahme aus vorhandenen Mitteln, sagte Denner. Bosch verfüge derzeit über eine bilanzielle Liquidität von 14 Milliarden Euro. Vor Vollzug der Transaktion sollen zudem jeweils 250 Millionen Euro an Siemens und Bosch als vorgezogene Dividendenzahlung ausgeschüttet werden. Den Namen Siemens darf Bosch weiter für seine Hausgeräte verwenden. Die Komplettübernahme soll nach Zustimmung der Kartellbehörden im ersten Halbjahr 2015 abgeschlossen werden.

Einstieg ins Ölgeschäft

Für die Übernahme von Dresser-Rand macht Siemens knapp sechs Milliarden Euro locker. Der Konzern ist sich mit dem Ausrüster für die Öl- und Gasindustrie aus Texas bereits einig geworden, wie der Konzern mitteilte. Damit hat sich Siemens-Chef Joe Kaeser gegen seinen Vorgänger Peter Löscher durchgesetzt, der als Verwaltungsratspräsident des Schweizer Sulzer-Konzerns ebenfalls Interesse an einer Übernahme von Dresser-Rand hatte. Dresser-Rand habe seinen Aktionären empfohlen, das Übernahmeangebot von Siemens anzunehmen. Die Münchner gehen davon aus, dass das Geschäft bis Sommer 2015 abgeschlossen ist.
Dresser-Rand ist ein US-Ausrüster für die Öl- und Gasindustrie. Das Unternehmen stellt Kompressoren, Dampf- und Gasturbinen sowie Motoren her. Dies ergänze das bestehende Siemens-Portfolio, insbesondere für die weltweite Öl- und Gasindustrie sowie für die dezentrale Energieerzeugung, erklärte Siemens-Chef Kaeser. Noch in der vergangenen Woche hatte sich ein mögliches Bietergefecht zwischen Siemens und Sulzer und der Führung von Kaeser und Löscher abgezeichnet. Sulzer steigt nun aus dem Rennen aus.