Die Künstler haben an den 37. Fränkischen Musiktagen in Alzenau teilgenommen und gestalten im Rahmen des Music Campus Rhein/Main auch Konzerte in der Umgebung. Als das Angebot kam, habe er schnell zugegriffen, bekundete BfM-Leiter Ernst Oestreicher. Die gebotene Qualität sei nicht nur für das Publikum etwas Besonderes, sondern auch für die Schüler, die eventuell eine Solokariere anstreben. Sie können hier gute Beispiele sehen, denn bei den jungen Künstlern handelte es sich durchweg um Preisträger von unterschiedlichen Wettbewerben, denen die Zukunft offen steht.

Jenemann, der von 1982 bis 1989 an der Spitze der BfM gestanden hat, erläuterte zunächst das Konzept der von Bell‘ Arte Frankfurt Rhein/Main e.V. initiierten Veranstaltungen. Beim Music Campus musiziert jeweils ein renommierter Musiker mit mehreren jungen Künstlern, die sich bereits bewährt haben und dabei sind eine Solokariere aufzubauen. In diesem Jahr war die "Romantik" das ausgerufene Thema, eine Epoche, die innerhalb der Literatur einen anderen Zeitabschnitt umfasst als in der Musik. Man spielte damals 95 Prozent neue Kompositionen und nur fünf Prozent alte, heutzutage sei das umgekehrt, berichtete Jenemann. Einer der bekanntesten Komponisten, die heute eher selten aufgeführt werden, war Joachim Raff (1822 bis 1882), dessen "Grand Quintuor a-moll" für Klavier und Streichquartett den ersten Teil des Konzerts im gut besetzten Orgelsaal ausfüllte.

Raff, ein Autodidakt, der sich selbst das Geige- und Klavierspielen beigebracht hatte, wurde später von Liszt gefördert und hat auch zeitweise dessen Werke instrumentalisiert, bis sie sich zerstritten. 1878 wurde er erster Direktor des Hoch'schen Konservatoriums in Frankfurt am Main, das schnell einen ausgezeichneten Ruf bekam. Raff hinterließ zahlreiche Kompositionen, darunter sechs Opern.

Ein anspruchsvolles Werk

Das in Bad Königshofen aufgeführte Werk war äußerst anspruchsvoll und verlangte den vollen Einsatz der Interpreten, die mit ihrem Können und viel Einfühlungsvermögen die Komposition so lebendig gestalteten, dass die Zuhörer schon vor der Pause total begeistert waren. Gleiches gilt für den zweiten Teil, in dem das Quintett A-Dur op. 81 von Antonin Dvoràk aufgeführt wurde.

Als eine "Perle der Kammermusik des 19. Jahrhunderts" bezeichnete Jenemann Dvoràks Quintett, das entstand, als er ein ähnliches Werk überarbeiten wollte. Als Besonderheit sind Themen von slawischen Tänzen eingearbeitet als Tribut an das damalige Bedürfnis nach nationaler Identität.

Gut eingespielt

Die fünf Interpreten haben sich zu einer gut eingespielten Gruppe zusammengefunden, das spürten die Zuhörer gleich. Priya Mitchell, die in Oxford aufwuchs und schon mit vier Jahren Geigenunterricht in London erhielt, konzertierte bereits als Solistin und als Kammermusikerin auf bedeutenden Bühnen in New York, Wien, Amsterdam und anderen Städten. Sie ist Professorin an der Hochschule für Musik in Frankfurt. Ihr mitreißendes Temperament, das sie kaum auf dem Stuhl hielt, und ihre gleichzeitige Sicherheit in der Interpretation spornten ihre jüngeren Mitstreiter zu Höchstleistungen an. Schön war es zu sehen, wie die Ensemblemitglieder aufeinander hörten, sich mit Blicken und kurzem Zunicken abstimmten oder sich über gut gelungene Passagen freuten und sich anlächelten.

Fünf Musiker aus fünf Ländern - Francesco Sica stammt aus Italien, Peijun Xu aus China, Claude Frochaux aus Frankreich und Anca Lupu aus Rumänien - haben bewiesen, dass die Sprache der Musik international ist und Nationalitäten keine Rolle spielen. Für ihr hochkarätiges Konzert wurden die Musiker mit viel Beifall und von Oestreicher mit kleinen Präsenten bedacht.