Über das Internet können Kulturveranstalter Karten zur Verfügung stellen, die sich bedürftige Menschen reservieren und abholen können. Zum Nulltarif. In Städten wie Bamberg gibt es bereits Kulturtafeln und sie sind auch andernorts ein Erfolg.

Jetzt wurde mit der Kulturtafel Rhön-Grabfeld auch eine im Landkreis gegründet, die Macher appellieren an die Veranstalter, Eintrittskarten in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen. Diverse einzelne Aktionen für Menschen, die sich Konzerte, Theater, Kleinkunst bis hin zu Sportveranstaltungen nicht leisten können, gab es schon vorher.

Die Kulturwerkstatt zum Beispiel gibt seit geraumer Zeit an Arbeitslose und Hartz IV-Empfänger kostenfrei ein bestimmtes Kontingent an Eintrittskarten aus. Gegen Vorlage entsprechender Bescheinigungen. Mit der Kulturtafel sind solcherlei Aktionen künftig im Internet auf einen Blick zu sehen. Und für die betroffenen Menschen entsprechend zu buchen.

"Die Kulturtafel setzt sich dafür ein, dass Arbeitslosengeld II-Bezieher, Senioren mit schmaler Rente oder Alleinerziehende mit knappem Budget hin und wieder ins Theater, zum Sport oder ins Konzert gehen können", sagt Alexandra Elbert, Leiterin des Jobcenters. In wochenlanger Arbeit hat sie Kulturtafeln anderer Städte, Gemeinden und Kreise miteinander verglichen und überlegt, wie man eine solche auch in Rhön-Grabfeld erfolgreich ins Leben rufen könnte. "Es geht um gesellschaftliche Teilhabe, insbesondere für Kinder", so die Initiatorin der Kulturtafel im Landkreis, wenn sie nach den Hintergründen ihres Engagements gefragt wird.

Mit der Idee einer Kulturtafel hat Alexandra Elbert im Landratsamt offene Türen eingerannt. "Wir haben bislang nur positive Resonanz auf die Idee der Kulturtafel bekommen", so Landrat Thomas Habermann zu Beginn der Gründungsversammlung der Kulturtafel im Großen Saal des Landratsamtes. Den großen Saal brauchte es auch, denn das Interesse an dem neuen Netzwerk ist groß.

Die Kulturtafel funktioniert ganz einfach: Veranstalter geben ein Kontingent von Karten im Internet auf der Seite der Kulturtafel frei. Dort werden diese veröffentlicht und können von Personen, die entsprechende Zusatzleistungen des Staates erhalten und diese bei der Bestellung auch angeben müssen, gebucht werden. Die Kulturtafel fragt bei der auszahlenden Stelle nach, ob die Angaben zum Leistungsbezug der Wahrheit entsprechen, und der Kartenempfänger bekommt eine Bestätigungsmail. Mit dieser erfolgt die Kartenausgabe zum Beispiel bei der Kulturagentur oder im Mehrgenerationenhaus Bad Königshofen (weitere folgen noch) oder direkt am Veranstaltungsort an der Kasse.

Der Begriff der Kulturveranstaltung wird bei der Kulturtafel weit gefasst. Nicht nur das Violinenkonzert oder der Theaterbesuch werden vermittelt, sondern auch Kleinkunst, Kindertheater bis hin zum Fußballspiel. Alles ist denkbar und für Arbeitslosengeld II-Empfänger, Empfänger der Grundsicherung, Asylbewerber oder Bezieher von Wohngeld oder Kinderzuspruch erhältlich. Bei der Gründungsversammlung des Vereins wurde die Satzung beschlossen und mehrere Dutzend Bürger trugen sich als Gründungsmitglied in die Listen ein.

Die erste Vorsitzende des neuen Vereins Kulturtafel Rhön-Grabfeld ist Lena Hegel. Seit einem Jahr ist die Lehrerin an der Fach- und Berufsoberschule in Bad Neustadt tätig. In ihrer Heimat in Gemünden am Main hat sie in den vergangenen Jahren zahlreiche Kulturevents veranstaltet und will sich jetzt in der Kulturtafel engagieren. Als zweite Vorsitzende wurde Alexandra Elbert gewählt, Kassier ist Michael Türk von der VR-Bank, die ein kostenfreies Konto für die Kulturtafel zur Verfügung gestellt hat. Als Schriftführerin wurde Margot Heller gewählt. Kassenprüfer sind die Bürgermeister der Gemeinden Hollstadt und Unsleben, Georg Menninger und Michael Gottwald und als Beisitzer wurden Peter Klör, Eva Bergmann und Georg Straub bestimmt.

Die Kulturtafel Röhn-Grabfeld hat auch einen eigenen Webauftritt. Hier geht's direkt zur Website.