Geboren wurde Stefan Beetz in Neundorf in Oberfranken. Er hat noch einen Bruder. Der kleine Ort hat 400 Einwohner und ist "erzkatholisch". Zunächst aber gab es ein Geburtstagständchen für ihn, der tags zuvor 45 Jahre alt geworden war.

Er sei auf den Namen Stefan, allerdings leider nicht am Jahrestag des Heiligen Stefan getauft worden, sagt der Gast im Erzählcafé des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld. Er berichtete von seinem Heimatdorf, wo es heute noch eine Heinrichsprozession gibt, die man eigentlich nur aus Bamberg kennt. In einer Chronik hatte Beetz nachgelesen und schon als Junge gewusst, dass einst Merkershausen und Althausen zum Kloster in Oberfranken gehörten und eines Tages getauscht wurden. Weil er zu klein war, kam er nicht mit sechs, sondern erst ein Jahr später in die Schule. Gelernt habe er gerne, was aber auch mit Sympathie für den Lehrer zu tun hatte.

Stefan Beetz war der erste Neundorfer, der auf eine Realschule ging und dort den kaufmännischen Zweig auswählte. 30 Bewerbungen schrieb er nach Abschluss der Schule und wurde Groß- und Außenhandelskaufmann bei einem Unternehmen. Nach der Lehrzeit ging er zur Bundeswehr, und zwar zu den Panzerpionieren nach Hammelburg. Dort zog er sich einen Bänderriss zu und lag einige Wochen im Bundeswehrkrankenhaus in Amberg. Krank zu Hause hieß es für ihn, und so war die Grundausbildung recht kurz. Es kam die Zeit der Wende und DDR-Bürger kamen ins Lager Hammelburg, wo sie von Bundeswehrsoldaten versorgt wurden. "So gingen die 15 Monate Bundeswehrzeit dann doch recht schnell rum."

Ein Fingerzeig Gottes?

An einem Nikolaustag las Beetz Stellenangebote durch und nahm in einem Betrieb das Angebot eines Industriemeisters an. "Zur Hälfte habe ich dort den Betrieb dann mitgeleitet." Der heutige Kaplan wollte sich aber selbst verwirklichen und suchte eine entsprechende Position. Als er am 24. Dezember erneut Stellenangebote wälzte, sah er die Ausschreibung zum Betriebsleiter, bewarb sich, hatte am Dreikönigstag ein Vorstellungsgespräch in Coburg und wurde genommen. Auf die Tage verweisend sagte der Erzähler, dass dies alles immer wichtige, kirchliche Tage waren, wenn nicht gar ein Fingerzeig Gottes. Neun Jahre war er bei der Firma, als er sich entschied, Priester zu werden.

Hintergrund waren viele Leute, die ihn dazu aufforderten, diesen Beruf zu wählen. Unter anderem die Grafenfamilie zu Ortenburg, die vom evangelischen zum katholischen Glauben konvertiere. So entschied sich Stefan Beetz, zu studieren, und weil ihm das Vorstellungsgespräch in Würzburg besser zusagte, fiel die Entscheidung für die Diözese Würzburg. Pfarrer Hans Beetz aus Brendlorenzen, der Großonkel von Stefan Beetz, hatte übrigens mit dazu beigetragen. "Hör auf die innere Stimme und die kleinen Leute und mach's, wenn der Herrgott es so will", hatte ihm der Großonkel gesagt.

So studierte Stefan Beetz und musste im Laufe des Studiums an die 70 Prüfungen durchlaufen. Vor einer der letzten Prüfungen hatte er besonders Angst, die dann aber doch gut ausfiel. Der Prüfer fragte ihn, wie er ein Pfarrhaus sehen würde. Die Antwort: Ein Pfarrhaus sollte ein Haus der offenen Türe sein, wo jeder willkommen ist. Damit hieß es : Bestanden! So wurde Stefan Beetz in Würzburg zum Priester geweiht, war zuvor in Rottendorf/Sailauf, in Schweinfurt St. Anton und Maria Hilf und in Euerdorf, wo er viel gelernt habe.

Nähe zur Heimat

Die Ausbildung als Klinikseelsorger absolvierte er in Augsburg und wurde 2010 zum Diakon geweiht. Heute genießt Stefan Beetz als Kaplan die Heimatnähe, die er in Bad Königshofen zu Neundorf hat. Die Menschen im Grabfeld bezeichnete er im Erzählcafé als einen guten Menschenschlag. Als besondere Erlebnisse bezeichnete er die Wallfahrt mit den Merkershäusern nach Vierzehnheiligen aber auch nach Lourdes.

Was seine Eltern sagten, als er sich für den Priesterberuf entschied, wollten die Gäste wissen und erfuhren, dass diese zunächst nicht begeistert waren. Er selbst hatte zunächst auch Heimweh, das sich aber schnell legte. Er sagte sich immer: Heimat ist dort, wo Gott ist. Weinberge hätten ihn auf seinem Priesterweg immer begleitet. Auch das sei ein Zeichen für ihn gewesen. Dann beantwortete der Kaplan die Frage nach den Eheringen: Sie stammen von seinen Eltern und Großeltern und Stefan Beetz sieht dies als eine ständige Verbindung mit den Eltern und Großeltern. Bei der Priesterweihe wären sie ihm fast zum Verhängnis geworden, den der Regens des Priesterseminars bat ihn, die Ringe abzunehmen. "Da wäre ich mir allerdings untreu geworden und so blieben sie dran und ich wurde trotzdem zum Priester geweiht."