Die Zählung wurde möglich, weil sich rund 50 Freiwillige aus der Jägerschaft, der ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Unterfranken und andere Naturfreunde beteiligten. Bei der Herbstzählung ist der Teilnehmerkreis deutlich kleiner als im Frühjahr, so dass nur auf den aussichtsreichsten Plätzen der knapp 3300 Hektar Fläche des Naturschutzgebiets Lange Rhön beobachtet wird. Auch im Bereich des hessischen Roten Moors wurde eine Vogelzählung durchgeführt. Teilweise starker Regen erschwerte die Sicht der Zähler und verringerte trotz milder Temperaturen die Aktivität der Vögel.

Dennoch wurden sieben Birkhähne und drei Birkhennen (im Frühjahr waren es sechs Hähne und zwei Hennen) beobachtet. Dies entspricht in etwa den Vorbeobachtungen. Nach diesen hält sich jedoch noch mindestens eine weitere Henne im hessischen Teil der Rhön auf. Nachdem in den vorausgegangenen Jahren die Witterungsbedingungen für die Aufzucht der Birkhuhnküken sehr ungünstig gewesen waren, verlief die Witterung in diesem Jahr doch günstiger.

Feuchte und kalte Witterung im Frühsommer erschwert die Aufzucht der Küken stark oder verhindert sie gänzlich - das überlebenswichtige Insektenangebot ist zu niedrig oder die Küken gehen durch Unterkühlung ein. Doch heuer wurde es kurz vor der Schlupfzeit im Frühsommer warm und trocken. Erstmals seit 2010 konnte wieder Nachwuchs bei den Birkhühnern bestätigt werden. Im Juni wurde ein bereits geschlüpftes Gelege gefunden.

Vögel tragen Sender

Später konnten mehrfach drei Jungvögel beobachtet werden. Damit, so Gebietsbetreuer Torsten Kirchner, konnte sich erstmals seit Beginn der Auswilderungen offensichtlich ein schwedischer Birkhahn fortpflanzen. Diese Vögel tragen Sender, und es war ein besenderter Vogel, der auf dem nahe gelegenen Balzplatz die ranghöchste Position inne hatte. "Diese Beobachtungen bestätigen die bestandsstabilisierende Wirkung der intensiven Bemühungen um den Birkhuhnschutz" erläutert Kirchner. Was die Fachleute dabei freut, ist die damit zusammenhängende genetische Auffrischung des Rhöner Birkwildbestandes, denn dessen bisheriger Rückgang wurde unter anderem mit eingeschränktem Genpool begründet.

Des Weiteren erbrachte die Zählung den Nachweis von 43, davon acht Rote-Liste-Arten. Die zeige einmal mehr den Wert des Naturschutzgebietes Lange Rhön für die Vogelwelt, sagt Dieter Weisenburger von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt. "Denn alle Maßnahmen, die die Lebensraumqualität für das Birkhuhn verbessern, helfen auch alle anderen Bodenbrüter zu schützen. Sie alle sind stichhaltige Argumente, um die charakteristische Rhön-Landschaft erhalten zu können". Als Teil dieser Bestrebungen führen die Jäger der Kreisgruppen des Bayerischen Jagdverbandes aus Bad Neustadt und Mellrichstadt gemeinsam mit dem Birkwild-Hegering seit 1984 alljährlich eine Biotopaktion durch.

Karpatenbirken

Mitte Oktober wurde mit rund 50 Jägern im Naturschutzgebiet ein Gehölz angelegt, das in Zukunft Nahrung und Deckung für das Birkwild spenden soll. Dafür wurden gebietstypische Karpatenbirken ausgepflanzt, die von Hessen-Forst angezogen waren. Außerdem lichteten die Jäger an anderer Stelle zu stark verbuschte Flächen aus, um deren Funktion als hochwertigen Lebensraum zu erhalten. Zum Abschluss lobte Birkwildhegeringleiter Christoph Helm das Engagement der freiwilligen Helfer, deren Beitrag zum Artenschutzprojekt mittlerweile Wirkung zeige. Der Artenschutz in der Rhön sei von besonderer Wichtigkeit.

Das Vorkommen des Birkwildes war und ist Anstoß für zahlreiche Naturschutzprojekte in der Rhön und hat die Einmaligkeit der Rhöner Kulturlandschaft schon lange in den überregionalen und internationalen Fokus gerückt, betont Gebietsbetreuer Kirchner. Neben den Einkünften durch den Tourismus, von denen die Region profitiert, fließen auch Fördergelder zum Beispiel über das Vertragsnaturschutzprogramm an die Landwirte und Schäfer in der Hochrhön.

Großes InteresseDer Gebietsbetreuer, dessen Stelle vom Europäischen Sozialfonds und dem Bayerischen Naturschutzfonds finanziert wird, berichtete in diesem "Zusammenhang, dass er im ablaufenden Jahr bereits fünf Fernsehteams zur Berichterstattung über den Naturschutz in der Rhön bei Dreharbeiten begleitet hat.

"Damit bleibt die Rhön mit schönen Bildern im Fokus der Öffentlichkeit. Das hilft nicht nur den Anliegen des Naturschutzes im Land der Offenen Fernen!" In den kommenden beiden Jahren sei ein großer Naturfilm von ARD und arte in der Reihe "Wildes Deutschland" geplant.

Auf technisch hohem Niveau werde die Rhön auf einem herausragenden Sendeplatz einer großen Masse von Zuschauern in schönen Bildern präsentiert werden. Kirchner: Eine bessere Werbung können wir für unsere Landschaft nicht machen."