Fritz Pawelzik war Bergmann im Ruhrgebiet, CVJM-Sekretär in Ghana und ist heute noch Häuptling der Aschanti. Fritz Schroth ließ es sich dennoch nicht nehmen, Fritz Pawelzik zum 85. Geburtstag zu gratulieren und überreichte ihm ein afrikanisches Gewand mit seinen Initialen und einer Krone als Zeichen seiner königlichen Würde.

1945 war Pawelzik kein afrikanischer König, da war er gerade mal 18 Jahre und in Russland. "Aber nicht als Tourist. Ich erlebte meinen Geburtstag und das Weihnachtsfest in Kriegsgefangenschaft." Schlimme Erinnerungen trägt er um den Häuserkampf in Berlin mit sich, die Vergewaltigungen durch russische Soldaten an Frauen und Mädchen. "Als mir ein Kamerad sagte, wir haben das gleiche in Russland gemacht, habe ich mich geschämt." Fritz Pawelzik geriet in Gefangenschaft und kam in ein Straflager bei Leningrad. "Unsere Tagesration war eine Dose Kartoffelschalensuppe und zwei Stückchen Brot. Wenn eine Kartoffelschale in der Suppe war, waren wir schon froh." Harte körperliche Arbeit, ständiger Hunger und immerzu währende Müdigkeit plagten die Gefangenen.

"Es war bitterkalt 1945, und wir hatten nur unsere Sommeruniformen. Ich stopfte mir Stroh und Zeitung in die Uniform, um nicht zu erfrieren." Viele seiner Mitgefangenen sind erfroren, ohne Heizung und ohne Decke lagen die Gefangenen in den Baracken.

Gegenseitig wärmen, um am Leben zu bleiben

Dann kam der Heilige Abend 1945. "Wir haben gearbeitet bis es dunkel wurde. Keiner konnte mehr allein gehen, Arm in Arm hielten wir uns, um am Leben zu bleiben. Die Russen haben uns beschimpft. Wer stürzte und liegenblieb, wurde erschossen, es hieß dann: Auf der Flucht erschossen." Die Soldaten wollten damals nichts von Weihnachten wissen, erinnert sich Pawelzik. "Wir hatten kein Abendessen, wir wurden einfach nur in unsere Baracken getrieben. Dicht an dicht lagen wir auf den Pritschen, um uns gegenseitig zu wärmen." Und was tat Fritz Pawelzik?

Das, was wohl viele seiner Kameraden taten: "Ich dachte an zu Hause. Bei diesem Hunger konnte ich nur ans Essen denken. Zu Hause in Herne gab es an Weihnachten immer Kartoffelsalat und Sülze mit einer dicken Schmalzschicht. Ich dachte an Vater und Mutter, die Schwester, den Weihnachtsbaum und das Grammophon auf dem Stille Nacht, Heilige Nacht abgespielt wurde - und ich lag in Russland, es war kaum zu ertragen."

Auf einmal betraten zwei Russen die Baracke, sie hatten eine Wanne mit Pellkartoffeln bei sich. "Die Russen, die uns immer geschlagen haben, wünschten uns frohe Weihnachten und jeder bekam eine Pellkartoffel. Das war für uns etwas ganz besonders." Fritz Pawelzik wärmte seine Hände an der noch warmen Pellkartoffel und biss dann ganz genüsslich hinein. "Und da habe ich an zu Hause gedacht an den Kartoffelsalat der Mutter. Ich hatte Tränen in den Augen. Die Pellkartoffel in Russland war die beste Pellkartoffel meines Lebens."

Schwur mit Pellkartoffeln

Er und seine Mitgefangenen waren so glücklich, sie schworen sich, lebend aus dieser Hölle herauszukommen und sich 1950 am 2. Weihnachtsfeiertag beim Kölner Dom zu treffen, jeder sollte eine Pellkartoffel mitbringen.
Nun, Fritz Pawelzik überlebte die Gefangenschaft, er konnte fliehen und kam auf abenteuerlichen Wegen zurück nach Deutschland.

1950 stand er mit seiner Pellkartoffel vor dem Kölner Dom, doch keiner seiner Mitgefangenen erschien. "Ich ging in den Dom und legte meine Pellkartoffel zum Kreuz und zur Bibel und dankte dem lieben Gott. So, und jetzt wisst ihr, was die Pellkartoffel mit Weihnachten zu tun hat", beendete der Meistererzähler und Bestsellerautor seine Erzählung.

Viel hatte er noch zu erzählen, über seine späteren Weihnachtsfeste, bunte und farbenfrohe Weihnachten in Afrika, über friedliche und glückliche Zeiten und über seinen Dank an eine polnische Großmutter, die ihm auf der Flucht von Russland zurück in die Heimat unter ihren Röcken versteckte und das Leben rettete.