Für wohl alle Menschen ist Weihnachten ein Fest der Liebe: Familienmitglieder kehren in den Schoß der Familie zurück, glückliche Pärchen küssen sich unter Mistelzweigen und strahlende Kinder packen ihre Geschenke unterm glitzernden und prächtig geschmückten Weihnachtsbaum aus. Zumindest prasseln derlei Bilder wieder ständig aus Fernsehkanälen, Zeitschriften und aus der Werbung auf die Menschen ein.

"Bei so viel öffentlich verordneter Vorfreude gerät leicht in Vergessenheit, dass für viele Menschen die ‘stille Nacht' vor allem eine einsame Nacht ist”, sind sich Eva Bergmann und Dieter Schwenkert von der Caritas einig. Sie laden an Heilig Abend von 16.30 Uhr bis etwa gegen 20 Uhr ins Edith-Stein-Haus ein: Kostenlos, ungezwungen und unverbindlich. Ausdrücklich jeder sei willkommen. Ein jeder könne kommen und gehen, wie er mag.

"Bei kalten und warmen Getränken sowie Kuchen und Gebäck, gesponsert von der Konditorei Elbert, wollen wir mit Geschichten und Musik den Abend in unserem schnuckeligen Gewölbekeller gemeinsam verbringen", erklärt Dieter Schwenkert von der Caritas-Suchtberatungsstelle. Alkoholische Getränke sind dabei selbstverständlich tabu.

Fahrdienst für nicht mobile Interessierte

Eigens für den Heiligen Abend bietet die Caritas auch einen Fahrdienst an für Leute, die selbst nicht mobil sind, und zwar im Umkreis von bis zu 15 Kilometern. Um Anmeldung bis zum 20. Dezember unter der Telefonnummer 09771/6116-0 wird gebeten. "Caritas ist eine Lebenseinstellung", so die Kreisgeschäftsführerin Angelika Ochs. Die Caritas sei da, wenn Menschen sie brauchen und sie mache vor Feiertagen mit Sicherheit nicht Halt, beteuert sie.

Laut Statistik gebe es in der Bundesrepublik zunehmend immer mehr Single-Haushalte. Insbesondere Senioren, die ihre Lebenspartner bereits verloren haben oder deren Angehörige weit weg leben, fürchteten sich vor dem 24. Dezember. Auch viele sonst durchaus resolute und eigenständige Singles hätten Angst, an Heiligabend zu den Alleingelassenen zu gehören, so ihre Erfahrung.

Leider bestehe gerade hierzulande eine fast kollektive Vorstellung, wie Heiligabend idealerweise zuzubringen ist - nämlich gemeinschaftlich in seliger Harmonie. Diese Erwartungshaltung setzt aber vor allem jene unter Druck, die dieser Norm nicht entsprechen können, weiß man bei der Caritas.

Viele bitte an Weihnachten um Hilfe

Viele Menschen, die am 24. Dezember allein zu Hause sind, greifen daher zum Telefonhörer und wählen die Rufnummer einer Beratungsstelle oder Seelsorgeeinrichtung. "Es ist unendlich traurig, niemanden zu haben, der einem nahe steht", weiß Bergmann aus ihrem Alltag bei der Caritas zu beobachten.

Insbesondere in Großstädten wie beispielsweise im nahen Würzburg werde dem bereits Rechnung getragen, erzählt Schwenkert. Dort sei die angebotene Lokalität schon seit vielen Jahren immer proppenvoll, auch lasse sich stets der Bischof dort sehen. Wer und wie viele Menschen ins Caritashaus nach Bad Neustadt kommen, sei völlig egal. "Wir haben auf alle Fälle bis 20 Uhr geöffnet."

Sicher sei Heilig Abend ein ganz besonderer Tag im Jahresverlauf. Dennoch sollte man sich davor schützen, emotional zu sehr unter Druck zu geraten. Der ganze Weihnachtsstress, die allgemeine Hektik in den Tagen zuvor, der Stress, den sich viele selbst auferlegen - das alles müsse gar nicht sein. Die Advents- und Weihnachtszeit stuft Schwenkert jedenfalls als ziemlich gefährliche Zeit ein. Also: "Heiligabend allein - das muss nicht sein."