"Es macht richtig Spaß elektrisch unterwegs zu sein", sagt Dirk van Velsen. Er ist Schatzmeister bei der Energie-Initiative Rhön und Grabfeld e.V. und wollte nicht warten, bis die Bundesregierung sich entschließt, den Kauf von Elektro-Autos zu unterstützen. Wie mehrere der Vorstandsmitglieder will er mit gutem Beispiel vorangehen und Interessenten von seinen Erfahrungen profitieren lassen.

Konsequent und nachhaltig sein, das ist van Velsen ganz wichtig. Als im Jahre 2000 das EEG (Erneuerbare Energien-Gesetz) kam, montierte er sich 2001 die erste Photovoltaikanlage aufs Dach. "Das war eine kleine Sensation - die Besucherzahlen in unserer Straße nahmen plötzlich enorm zu. Alle umliegenden Nachbarn haben erst einmal geschaut, was da auf meinem Dach ist. Die Anlage mit 4,5 kWp war erst die dritte meines Installateurs und die erste in unserem Dorf, was zeigt, wie sehr alle Beteiligten damals Neuland betreten haben."
Energiesparen wird großgeschrieben in der Familie. Durch Austausch der Heizungspumpen, die wahre Stromfresser sind, Austausch von alten Elektrogeräten wie Kühlschrank, Gefrierschrank und Waschmaschine (die hat jetzt Warm- und Kaltwasseranschluss) sowie den Kauf eines energiesparenden PCs konnte der Energieverbrauch innerhalb von drei Jahren von 3700 kWh auf rund 2400 kWh gesenkt werden und durch den Umstieg auf LED-Beleuchtung noch einmal auf 1844 kWh.



Sehr leise

Nun war die Mobilität an der Reihe, eine der wichtigen Säulen beim Einsparen des klimaschädlichen CO2 und gegen die Erderwärmung. Ende April 2015 war die Familie van Velsen stolzer Besitzer eines Renault ZOE, der zunächst nur zu Hause mit Hilfe der Photovoltaikanlage, bei der der Eigenverbrauch an erster Stelle steht, aufgetankt wurde. Seitdem ist Dirk van Velsen mit dem E-Auto mehr als 7000 Kilometer gefahren. "Bei den Kindern war er gleich der Renner, weil er so leise ist", berichtet der Saaler. Er fährt damit zur Arbeit und unternimmt auch andere Fahrten. Seine Erfahrungen: "Für Familienausflüge bis 60 Kilometer Entfernung ist er sehr gut geeignet, nur bei größeren Entfernungen muss man Tankstopps einplanen. Im Sommer reicht eine "Füllung" für rund 150 Kilometer, bei Kälte für 100 Kilometer.
Inzwischen tankt van Velsen gern an einer der acht kostenfreien Steckdosen in Bad Neustadt, da er dort arbeitet. "Der Verbrauch im Sommer lag im Schnitt bei sparsamer Fahrweise mit ca. 14,5 kW/100 Kilometer sehr gut. Bei kühler Witterung sind es ca. 19,0 kW/100 Kilometer." Wie er ausprobiert hat, reicht der Kofferraum aus, um mit der vierköpfigen Familie ins Schwimmbad zu fahren oder auf Tour zu gehen.



Effiziente Systeme

Durch die Anschaffung einer Speicherbatterie ist van Velsen jetzt fast unabhängig und kann den Strombedarf größtenteils aus eigener Produktion decken, sollten die E-Tankstellen in Bad Neustadt kostenpflichtig werden.
Jetzt hofft er, dass durch die Förderung der E-Autos noch viel mehr Menschen den Umstieg wagen. Erfahrungsgemäß fahren sowieso die meisten Autobesitzer Kurzstrecken. "Die Entwicklung bleibt nicht stehen - bestimmt gibt es bald effizientere Batteriesysteme, dann kann auch niemand mehr die Reichweite kritisieren", davon ist er überzeugt.
Regina Vossenkaul