Die letzten Schaufeln einer Erde-Kompost-Mischung werden an den zierlichen Baum geschaufelt, immer wieder wird gewässert. Bei rund 25 Grad saugt die Erde das Nass schnell auf. Noch braucht der kleine Baum Halt: OGV-Mitglieder schlagen dazu drei Holzpfosten in den Boden, Bürgermeister Streit befestigt daran den Stamm noch mit einem Seil. Dann erklingt ein "Prost" - mit kühlem Bier, das Streit organisiert hatte, wurde auf die Gemeinschaftsarbeit angestoßen. Wie OGV-Vorsitzender Sum informierte, ist der Apfelbaum, der Reders Goldrenette oder Reders Goldreinette genannt wird, mit Mellrichstadt verwurzelt: Der Baumschulenbesitzer Heinrich Reder soll 1869 in Mellrichstadt die Frucht aus Kernen gezogen haben. Es handele sich bei dem Apfel um eine resistente Sorte. Aber Eile ist beim Pflücken im September geboten, denn die Frucht soll nur etwa vier Wochen halten. Sum habe den Apfel schon probiert, sehr gut soll er demnach schmecken. "Ich bin stolz, dass die Stadt Mellrichstadt einen Baum hat, der von einer hiesigen Gärtnerei gezüchtet wurde", sagte Sum. Wieder in die Öffentlichkeit gerückt wurde der in Vergessenheit geratene Baum bei der 125-Jahr-Feier des OGV im September, als ihn Gastvereine geschenkt bekommen haben. Damals versprach Sum, einen solchen Baum auch in Mellrichstadt Pflanzen zu wollen. Dieses Versprechen hat er nun eingelöst - und damit das Festjahr zum 125-jährigen Bestehen beendet. Während des Jubiläumsjahres hatte sich der Verein in Vorhaben eingebracht. Unter anderem beteiligte er sich finanziell an einem Nussbaum für den Fronhof.Bürgermeister Eberhard Streit bedankte sich beim Obst- und Gartenbauverein für die "gelungene Aktion" des Baumpflanzens. "Wenn man einen Apfel hat, der eine echte Mellrichstädter Sorte ist, dann ist das für eine Stadt schön", befand er. Streit nannte auch die maßgeblich an der Aktion Beteiligten. Neben der Vorstandschaft des Obst- und Gartenbauvereins sei dies der Bauhof gewesen, allem voran Michael Reder. Er hat in seiner Freizeit für die Rahmenbedingungen gesorgt und in Eigenregie eine Baumeinfassung geschaffen. Am Ende steht noch die Frage, wer die Äpfel verspeisen darf, wenn sie reif sind. Das Stadtoberhaupt schlug dem OGV vor, aus den Früchten Apfelsaft zu keltern oder sie den Bürgern zur Verfügung zu stellen. Otto Sum: "Wer sie als erster findet, der darf sie essen."

von Tobias Griebel