"Die Rente ist sicher" — dieser Satz von Norbert Blüm ist wohl der berühmteste, der sich jemals zu diesem Thema in den Köpfen der Menschen festgesetzt hat. Heute blicken viele Arbeitnehmer und besonders Frauen einem Lebensabend mit Rentenbezügen unter dem Sozialsatz entgegen - Altersarmut ist vorprogrammiert.

Zum Rentenforum hatte der CSA-Kreisverband Rhön-Grabfeld in die FrankenTherme eingeladen und viele interessierte Firmenbesitzer, Selbstständige und Arbeitnehmer waren gekommen.



Komplizierte Berechnungen

Eines blieb auch am Ende der Veranstaltung klar: Die Rentenberechnungen, die sich dauernd verändern, sind und bleiben kompliziert. Ohne die Beratung von Fachleuten, die sich ständig mit allen Neuerungen beschäftigen, "blickt kein Mensch mehr durch", wie es ein Teilnehmer formulierte.
Der Organisator, CSA-Kreisvorsitzender Konrad Tripp, hoffte in seiner Begrüßung auf eine sozialverträgliche Rentengestaltung in der Zukunft. Nach einem Grußwort von Bürgermeister Thomas Helbling stellte Rosi Hufnagel, Regionalbeauftragte der Hanns-Seidel-Stiftung, die 1967 gegründete Stiftung vor.



Kein Wahlkampfthema

Landrat Thomas Habermann, der die Moderation des Abends übernommen hatte, begrüßte mit dem Bundestagsabgeordneten Paul Lehrieder, unter anderem Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, einen Politiker, der zu der gesetzgebenden Seite gehört. Wird angesichts des demografischen Wandels das Rentenproblem zum Bundes-Wahlkampfthema? "Eher nicht", vermutet Lehrieder.



Neu: Flexi-Rente

Erste Referentin des Abends war die Dipl. Verwaltungswirtin FH Sabine Heyer, die versuchte, das festgelegte System mit steigerndem Eintrittsalter, steigendem Besteuerungsmodus und sinkendem Rentenniveau allgemeinverständlich zu erklären. Die Höhe der jeweiligen Rente wird aus den erworbenen Entgeltpunkten, dem Zugangsfaktor, dem aktuellen Rentenwert und dem Rentenartfaktor errechnet. Zu den Ausnahmen wie Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren soll nun noch die "Flexi-Rente" kommen.
Wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche ausgezahlte Altersrente Ende 2015 für einen Mann 1.040 Euro betrug und für eine Frau 580 Euro, wird klar, dass die Rente wohl sicher, aber meistens nicht ausreichend ist. Private Vorsorge wird empfohlen, manchmal kommt eine betriebliche Altersversorgung dazu - aber die Renten werden zunehmend besteuert, bis 2040 dann 100 Prozent erreicht sind, dazu kommen Abzüge in Höhe von rund elf Prozent für die Krankenversicherung.



Noch sind die Kassen gefüllt

"Während wir uns mit den Renten befassen, wird in Berlin im Kanzleramt das Gleiche getan", berichtete Paul Lehrrieder. An welchen Schrauben soll man drehen, wenn immer weniger Erwerbstätige in die Rentenkasse einzahlen, immer mehr Rentner vorhanden sind und jede Generation eine um drei Jahre höhere Lebenserwartung hat? Derzeit führe die stabile Arbeitsmarktsituation noch zu gefüllten Kassen, man bräuchte aber 2,1 Kinder pro Frau (derzeit 1,5 Kinder), um alle Arbeitsstellen zu besetzen. Über Zuwanderungen in qualifizierte Berufe wäre man froh, aber bis dahin sei es noch ein langer Weg.
Zu Lehrieders Vorschlägen gehören die Einzahlung der betrieblichen Altersvorsorge in die gesetzliche, eine Reformierung der Riesterrente, um sie attraktiver zu machen, und keine Gleichstellung von Zuwanderern im hohen Alter. Sie könnten nicht mit denen gleichgestellt werden, die lange Zeit Rentenbeiträge gezahlt haben. Zum Vorschlag, Beamte in die Rentenkasse einzahlen zu lassen, gab er zu bedenken, dass die Auszahlungen auch entsprechend hoch sind.
Aus einer ganz anderen Sicht blickt Peter Kippes als erster Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt auf die Rentenfrage. Millionenerben müssen keine Erbschaftssteuer zahlen, wenn sie Arbeitsplätze garantieren, jeder Arbeitnehmer, der im Alter der körperlichen Belastung nicht mehr gewachsen ist und vor der Rente entlassen wird, muss buchstäblich beim Arbeitsamt "die Hosen herunterlassen" und jeden angesparten Cent erst verbrauchen, bevor er etwas bekommt.
Er warnte vor Stimmungsmache. "Die Leute haben fleißig gearbeitet, am Ende reicht es gerade zur Existenzsicherung. Ich bin erstaunt, wie geduldig die Menschen zuschauen, wie wir auf ein Desaster zusteuern", so Kippes, der auch die Anhebung des Rentenbezugsalters einen "Highway to hell" nannte. Schichtarbeit bis 67 sei einfach nicht machbar, außerdem fallen die armen Rentner auch als Konsumenten aus. "Ist die "schwarze Null" wichtiger als notwendige Investitionen in die Zukunft?", wollte er wissen. "Man könnte so viel Gutes tun in Zeiten mit fast null Zinsen."
Interessante Diskussionsbeiträge rund um prozentuale Gehaltserhöhung oder Festbeträge, Erbschaftssteuer, Betriebsrenten, Rentenbesteuerung, Einheitsrente und Krankenversicherung bei Selbstständigen gab es am Ende des Forums. Man sollte die Leute mehr aufklären, forderte Tripp, ansonsten wäre eine Radikalisierung möglich. vos