Sieben junge Schleiereulen warten in der Scheune von Wendelin Mangold in Burglauer darauf, die weite Welt zu erkunden. Seit Jahren ist der Brutkasten im Scheunengiebel in rund neun Meter Höhe ein beliebter Nistplatz der bis 35 Zentimeter langen, hell gefärbten Schleiereulen. Imposante Flugkünstler, die es auf eine Flügelspannweite von bis zu 85 Zentimetern bringen.


Vor sieben Jahren gebaut

Gebaut hat Wendelin Mangold seinen Brutkasten vor sieben Jahren. Als Dachdecker hatte sich Mangold auf Kirchtürmen, neben Scheunen ein beliebter Nistplatz der Vögel, öfters Nistkästen und Brutplätze von Schleiereulen angesehen und selbst einen gebaut. "Die ersten beiden Jahre stand der Nistkasten leer, seit fünf Jahren brüten die Tiere regelmäßig in der Scheune", erzählt Mangold. Jedes Jahr schlüpften mindestens vier junge Tiere, heuer sagenhafte sieben. In einem Jahr starben allerdings alle jungen und alten Tiere. Mangold vermutet, dass die Eulenfamilie an vergifteten Mäusen verendete.
"Dieses Jahr ist es eine große Brut. Das ist abhängig davon, ob es viele Mäuse als Futter gibt. Der Futterbedarf für sieben Jungtiere ist enorm. Wenn es wenig Futter gibt, können die älteren Tiere schon mal die Jungen fressen", erzählt Mangold. Auch dass die jungen Tiere in Abständen von mehreren Wochen aus den Eiern schlüpfen weiß wohl nur der interessierte Vogelfreund. So erklärt sich die sehr unterschiedliche Größe der jungen Tiere.


Auffälliger Gesichtsschleier

Während die eine Brut noch nicht flügge ist, paart sich das Weibchen aufs Neue, legt Eier und beginnt wieder zu brüten. Voraussetzung für eine erfolgreiche sogenannte Verschachtelung der Bruten ist ein sehr günstiges Nahrungsangebot, deshalb werden Brutverschachtelungen häufig bei Eulen beobachtet, wenn sich Mäuse massenhaft vermehren.
Äußerlich lässt sich die Schleiereule durch ihren herzförmigen, weißen Gesichtsschleier von allen übrigen Eulen gut unterscheiden. Weibchen sind etwas größer als die Männchen und etwas dunkler. Europäische Schleiereulen wiegen zwischen 300 Gramm (Männchen) und etwa 400 Gramm (Weibchen). Der namensgebende, ausgeprägte herzförmige Gesichtsschleier ist sehr hell, je nach Unterart ist er weiß bis hellgrau oder leicht rostrot. Die Oberseite des Körpers ist meist goldbraun mit einer feinen grauen Fleckenzeichnung. Die Unterseite kann von sehr reinem Weiß bis zu einem hellen Braun variieren. Die Iris der Augen ist dunkelbraun bis schwarz.
Gut kann man in der Burgläurer Scheune die zwei aufeinanderfolgenden Dunenkleider (erstes Federkleid) der Nestlinge erkennen. Das erste Dunenkleid ist weiß und kurz. Nach etwa zwölf Tagen folgt ein dichteres und längeres, das an der Körperoberseite grau und an der Körperunterseite gelblich getönt ist. Von einem Mitarbeiter vom Bund Naturschutz werden die Tiere beringt, damit man ihren weiteren Lebensweg nachvollziehen kann.
Einige Schleiereulen bleiben übrigens ortstreu, andere fliegen bis ins Ausland. Da es immer weniger alte Scheunen gibt, haben die Schleiereulen heutzutage enorme Probleme, passende Nistmöglichkeiten zu finden. Doch nicht nur Schleiereulen bietet Mangolds Scheune Lebensraum, zwischen den Ritzen der Bretter leben auch Fledermäuse.