Die Palliativstation in der Kreisklinik genießt innerhalb der Bevölkerung der beiden Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld einen hervorragenden Ruf. Die gelebte Menschlichkeit als Motto wird dort nicht nur den Schwerkranken auf ihrem vielleicht letzten Lebensweg entgegen gebracht, sondern auch den Verwandten und Freunden. Für die Angehörigen gibt es nach einem Sterbefall einen ökumenischen Gottesdienst, um den Verstorbenen zu gedenken und zu erkennen, dass man nicht allein ist in seiner Trauer.

Ein Name wird aufgerufen. Ein Mann erhebt sich und kommt schweren Schrittes nach vorne zum Altar. Dort nimmt er eine der schlanken Kerzen mit dem symbolisierten Kreuz sowie den Zeichen für Alpha und Omega, Anfang und Ende, in die Hand, entzündet diese an der Altarkerze und stellt sie zu den anderen Kerzen. Einen kleinen Augenblick verweilt er, bevor er sich wieder auf seinen Platz setzt. Der nächste Name wird aufgerufen, wieder steht jemand auf, kommt nach vorne, entzündet eine Kerze. Name um Name erklingt, manche Angehörige der Verstorbenen sind zu dem Gottesdienst gekommen, bei den anderen zündet der Gemeindereferent stellvertretend für die Angehörigen die Kerze an.

Es sind 25 Kerzen, die beim letzten Gottesdienst des vergangenen Jahres für die Verstorbenen der Palliativstation auf dem Altar der kleinen Kapelle in der Kreisklinik angezündet werden. Alle zwei Monate findet dieser Gottesdienst statt, immer für circa zwei bis drei Dutzend Menschen, die in den Räumen der Station im Obergeschoss der Kreisklinik verstorben sind.

Die kleine Orgel gespielt von Martha Dinkel aus Burglauer erklingt, es wird gemeinsam gesungen, auch ein Harfenspiel von Elisabeth Kritzer (Heustreu) ist zu hören. Die Beiden umrahmen ehrenamtlich die Andacht. Mit Musik kann die Trauerarbeit leichter bewältigt werden, das weiß Gemeindereferent Konrad Ziegler nur zu gut. Gemeinsam mit Jochen Barth ist er Klinikseelsorger in der Palliativstation. Gemeinsam feiern sie auch die ökumenische Andacht in der Kreisklinik. Alle zwei Monate für die Verstorbenen. Wie wichtig dieser Gottesdienst für die Menschen, die den Mann oder die Frau, einen nahen Verwandten oder einen guten Freund verloren haben, ist, das weiß Ziegler aus langjähriger Erfahrung. "Die Trauernden merken in diesem Gottesdienst, dass sie in ihrer Trauer nicht allein sind", sagt Ziegler. "Es tut den Menschen gut, in einer Schicksalsgemeinschaft zusammenzukommen", so der Gemeindereferent. "Das gemeinsame Gedenken an die Verstorbenen hilft in der Trauer und in der schwierigen Situation, in der sich die Angehörigen befinden" betont Jochen Barth.

Die ökumenische Andacht ist nach Gebet, Lesung und Predigt ganz auf das Gedenken an die Verstorbenen der Palliativstation ausgerichtet. Das Vorlesen der Namen und das Entzünden der Kerzen für jeden einzelnen ist der Kern der einstündigen Andacht. Selbstverständlich bietet die Seelsorge auch über den Gottesdienst hinaus in einer Trauersprechstunde den Angehörigen Hilfe an. Im neuen Jahr stehen wieder sechs Andachten in der Kapelle der Kreisklinik auf dem Programm der Seelsorge. Wieder werden dort jedes Mal zwei bis drei Dutzend Kerzen angezündet, wieder werden Frauen, Männer und Kinder dort ihrer Verstorbenen gedenken.