Fast keimfreie und mit natürlichen Antibiotika angereicherte Luft im Bienenstock, obwohl dort tausende von Tieren auf engstem Raum zusammenleben - dieses Phänomen nutzt die Apiairtherapie, um Menschen mit Atemwegerkrankungen zu helfen. Das erste nordbayerische Apiair-Therapiezentrum entsteht im Bienenzentrum in Bad Königshofen, dazu überreichte Karl-Heinz Suhl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt (AELF) am Montag den ersten Leader-Förderbescheid im Landkreis in der neuen Förderperiode über 45.000 Euro an den Vorsitzenden des Imkervereins Bad Königshofen und Umgebung, Markus Gütlein.

Drei Jahre dauerte der steinige Weg von der Idee bis zur Ausführung. Der letzte Schritt zur Finanzierung des von der LAG befürworteten Therapiezentrums war die Zustimmung zur Vergabe von EU-Mitteln aus dem Leader-Fördertopf in Höhe von 60 Prozent der Kosten. Erkundungen im In- und Ausland gingen dem Projekt voraus, wie Gütlein berichtete. "Das Bienenzentrum lief gut - man könnte mal was Neues anfangen", waren damals seine Gedanken, die unter anderem zu Hans Musch führten, einem Vorreiter auf dem Apiair-Sektor, dessen Inhalationsgerät aber keine medizinische Zulassung hat. Um den gesetzlichen Vorschriften zu genügen, musste eine Neuentwicklung her, was Jürgen Schmiedgen, dem Chef eines Ingenieurbüros in Sachsen, auch gelang. Er stellte seine Absaug- und Inhalationskonstruktion am Montag vor, sie ist serienreif und kommt in Kürze auf den Markt.
Zunächst berichtete Dr. med. Winfried Winter von den heilsamen Bienenprodukten, die er in seiner Praxis (Apitherapie) auch verwendet. Seit 15 Jahren ist der Hausarzt auch Imker und weiß den Medi-Honig, zum Beispiel bei der Wundheilung zu schätzen. Die Methode Bienenstockluft abzuleiten und einzuatmen zeige gute Ergebnisse, berichtete er, und werde auch langsam von renommierten Wissenschaftlern anerkannt. Es gebe eine neue Untersuchung zu diesem Thema vom Fraunhofer-Institut, die Ergebnisse werden in Kürze veröffentlicht. Schmiedgen erklärte die Besonderheiten seines Absaugegeräts mit Inhalationsschlauch und Maske, es ist medizinisch zugelassen.
Um den Bienen nicht zu schaden, wird die Inhalationszeit pro Volk auf eine Viertelstunde begrenzt. Das bedeutet, dass pro Inhalationsplatz für die halbstündige Behandlung zwei Völker zur Verfügung stehen müssen. Das Problem Kondenswasser im Atmungsschlauch hat er gelöst und auch das Ausatmen in den Schlauch wird durch ein Membranventil verhindert.
Ein erfolgreiches Projekt brauche einen Vornamen, einen Nachnamen und Begeisterung, sagte der Leader-Koordinator von Unterfranken, Wolfgang Fuchs, der berichtete, wie aus dem "Wohlfühlprojekt" ein "Medizinisches Projekt" wurde. Die Umsetzung erfolgte, wie es Leader eigentlich möchte, mit vielen Partnern und trägt zur Entwicklung der Region bei. Er bedankte sich bei den Imkern für ihre Hartnäckigkeit. Wer sich bei Widerständen gleich verunsichern lasse, könne keine Innovation durchsetzen.
Karl-Heinz Suhl erinnerte daran, dass ihm Gütlein im Verlauf der drei Jahre öfters "einen freundlichen Besuch" abgestattet habe und freute sich, für das Projekt die Bewilligung überreichen zu können.
Landrat Thomas Habermann erwähnte in seinem Grußwort die Leistungen der Bienen, deren Bestand jedoch zunehmend gefährdet sei. Die Apiairtherapie passe gut zur vorhandenen Struktur, denn hier seien noch genügend Imker und landschaftliche Vielfalt vorhanden. Das Projekt passe auch zum Kurwesen und zur Ökomodellregion und stärke das Bewusstsein über die Rolle der Bienen. Er bedankte sich bei den Imkern für ihr Engagement und wies auf die vielen Partner bei diesem Projekt hin bis zu den Sponsoren und der Stabsstelle Kreisentwicklung im Landratsamt. Er wünschte den Initiatoren eine gute Annahme des Angebots.
Drei Therapieplätze, an denen die Besucher keinen direkten Kontakt mit den Bienen haben, werden eingerichtet, der Bau der Therapieräume startet im August, dabei wird viel Eigenleistung erbracht.
Begleitet werden die Anwendungen von den Badeärzten und von Ute Roßbach, Physiotherapeutin mit Schwerpunkt Atemphysiotherapie.
Regina Vossenkaul