Immer mehr Drohnen sind im Luftraum unterwegs. Vom kleinen Flugmodell aus dem Spielzeuggeschäft bis zur größeren Fotodrohne, sie alle müssen sich an die Regeln der Flugsicherung halten. Immer häufiger komme es jedoch zur Gefährdung des Flugverkehrs durch Drohnen, erklärte Dr. Manfred Neidert, der Vizepräsident der Gesellschaft zur Förderung des Segelflugs auf der Wasserkuppe. Sie fliegen Rettungshubschraubern in die Quere oder stoßen an Passagierflugzeuge. Er sprach von einem "massenhaften" Auftreten dieser Vorkommnisse.

Das Bundesministerium für Verkehr habe die Gefährdung erkannt und arbeite an einer "Verordnung des Betriebes von unbemannten Luftfahrzeugen". Unter andere sei vor Verabschiedung der Verordnung öffentlich geworden, dass für alle unbemannten Luftfahrtsysteme über eine Höhenbeschränkung von 100 Metern Flughöhe nachgedacht werde. Das wiederum habe "schrille Angstschreie" bei den Modellflugfreunden ausgelöst. Denn die geplante Verordnung differenziere nicht zwischen Drohnen und Modellflugzeugen sondern spreche generell von "unbemannten Luftfahrzeugen" und dazu hören auch die Modellflugzeuge, die seit Jahrzehnten auf verschiedenen Rhöner Bergen ihre Daseinsberechtigung haben.
"Solch eine Verordnung mit der Beschränkung auf 100 Meter Flughöhe wäre das Aus für den Modellflug", ist sich Neidert sicher. "Wenn die Änderungen so kommen sollten, verlieren die Rhön-Gemeinden massiv Übernachtungen." Er sprach von 50.000 Übernachtungen von Modellfliegern allein in den Gemeinden Gersfeld, Ehrenberg und Poppenhausen, die rund um die Wasserkuppe liegen.
Um sich rechtzeitig und intensiv zu Wort zu melden, lud die Gesellschaft zur Förderung des Segelflugs auf der Wasserkuppe alle Interessengruppen zu einem Gespräch mit dem Bundesministerium für Verkehr auf die Wasserkuppe ein. Neidert zeigte sich sehr zufrieden, dass es gelang neben Vertretern des Ministeriums auch Vertreter aller relevanten Verbände und Institutionen an einen Tisch zu holen, darunter den Deutschen Aero Club, die Deutsche Flugsicherung, den Deutschen Modellflieger Verband und dem Modellflugsportverband Deutschland sowie die Vereinigung Cockpit. "Es ging uns darum, das Thema in geordnete Bahnen zu lenken, Verantwortungs- und Entscheidungsträger zusammen zu bringen, um nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten." Jeder der Beteiligten Verantwortlichen habe berechtige Interessen, die es galt auf einen Nenner zu bringen.
Als Ergebnis der Fachgespräche konnte Neidert mitteilen, dass es gelungen sei, sich darauf zu einigen, dass bestehende Modellfluggelände unangetastet bleiben und eine Höhenbeschränkung für sie nicht gelte. Das betreffe beispielsweise die Modellfluggelände auf der Wasserkuppe, dem Simmelsberg, Weyerberg und die Gelände bei Bischofsheim. "Der Bestand ist nicht gefährdet. Eine unserer größten Sorgen wurde uns genommen. Wir müssen nicht sorgenvoll in die Zukunft schauen." Komplizierter seien die Gespräch darüber verlaufen, ob eine 100 Meter Höhenbeschränkung überhaupt sinnvoll und nachprüfbar sei. Die Rede sei auch von Sichtflug gewesen. Diskutiert wurde auch über Formulierungen, um den Modellflug aus der angedachten Verordnung komplett außen vor zu lassen.
Aus Sicht des Ministeriums gab Regierungsdirektor Raimund Kamp bekannt: "Der klassische Modellflug soll möglichst geschützt werden." Strenge Regelungen für Drohnen und Quadrocopter seien notwendig, im Sinne des Datenschutz, Naturschutz und natürlich der Flugsicherheit. Die genauen Formulierungen der bundesweit geltenden Verordnung seien noch offen. Die Sondierungsgespräche auf der Wasserkuppe mit den Verbänden und Betroffenen habe wichtige Erkenntnisse gebracht, um den Wünschen und Notwendigkeiten zu entsprechend und für alle eine tragfähige Lösung zu finden.
Ein weiteres Gesprächsthema befasste sich mit der Qualifzierung der Nutzer von Drohnen. Nicht nur wie hoch darf geflogen werden, sondern auch wer darf überhaupt fliegen und wo. Ebenfalls ging es um die Identifizierung und Kennzeichnung von unbemannten Flugsystemen. Marion Eckert