Schier unüberschaubar scheint die Menge an Menschen zu sein, die, angeführt durch Kreuz- und Fahnenträger, vom Gipfel des Kreuzbergs vorbei an der Kreuzigungsgruppe die Treppen zum Kloster und zur Wallfahrtskirche hinunter steigen.

Viele Verwandte und Bekannte der Wallfahrer fanden sich ein, um ihre Liebsten zu begrüßen und mit ihnen die Freude der Wallfahrt zu teilen. Es wurde gewunken, gerufen und gelacht. Die Freude war auf beiden Seiten groß.


Älteste Fußwallfahrt Frankens

Es ist die Bruderschaft zum Heiligen Kreuz, die seit 1647 alljährlich vom 20. bis 24. August die Wallfahrt von Würzburg zum Kreuzberg und zurück zum Neumünster nach Würzburg durchführt. Damit ist die Würzburger Kreuzbergwallfahrt ist die älteste Fußwallfahrt Frankens.

Die Anfänge der Bruderschaft reichen in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück und zählt heute rund 2300 Mitglieder, die in und um Würzburg, aber auch weiter entfernt, vereinzelt auch im Ausland, leben.

Das Leitwort der diesjährigen Kreuzbergwallfahrt lautete "Auf dem Weg mit Leib und Seele". Wie Präses Pater Maximilian Bauer erklärte basiere dieses Leitwort auf der neuen Enzyklika von Papst Franziskus, die den klingenden Titel "Laudato si" trägt. Sie sei vom Anfang bis zum Ende vom franziskanischen Geist durchdrungen und stelle Franz von Assisi als Vorbild für die Achtsamkeit gegenüber dem Schwachen und für eine froh und authentisch gelebte ganzheitliche Ökologie vor. Diese Anliegen begleite Würzburgs Wallfahrer seit vielen Jahren auf dem Weg und finde für viele ihren Höhepunkt in der Meditation des Sonnengesangs am Morgen des letzten Wallfahrtstages.

In nur zwei Tagen zogen die Wallfahrer von Würzburg aus über Euerdorf zum Heiligen Berg der Franken. 86 Kilometer betrug die Strecke. Am Freialtar vor der Wallfahrtskirche wurden sie von Pater Leonardo Kuhn begrüßt. Pater Kuhn ist Brasilianer und weilt derzeit als Urlaubsvertretung auf dem Kreuzberg. "Es ist für mich das erste Mal, dass ich so viele Wallfahrer begrüßen kann", sagte er. Wallfahrten gebe es in seiner brasilianischen Heimat nicht. Die Wallfahrt bezeichnete er als ein Sinnbild für das Leben. "Wir sind ständig auf dem Weg." So werde bei einer Wallfahrt der Glauben gepflegt, Gemeinschaft gestärkt und vertieft. Dabei gehe es immer um Jesus Christus, denn er sei es, der Kraft und Segen schenke, damit der Alltag besser gelinge und bewältigt werden könne.


Kreuzberg hat eine große Anziehungskraft auf Wallfahrer

Der Kreuzberg habe eine große Anziehungskraft und so wünschte Pater Leonadro Kuhn den Wallfahrern, dass sie schöne Stunden erleben, sich getreu dem diesjährigen Leitwort an Leib und Seele stärken lassen, um den Rückweg nach Würzburg genauso gut zu bewältigen.

Vom Freialtar aus zogen die Wallfahrer in die Wallfahrtskirche, um den sakramentalen Segen zu empfangen. Der Tag auf dem Kreuzberg bot noch die Gelegenheit zur Beichte und endete mit der Komplet, dem Nachtgebet.

Pater Maximilian lud die Wallfahrer ein, alles was sie an Schwerem, an Fragen und Zweifeln und Belastungen mit zum Kreuzberg gebracht haben, beim Gekreuzigten abzulegen. "Damit Sie echten Segen von der Wallfahrt mit nach Hause nehmen." Am Samstagmorgen verließen die Wallfahrer den Kreuzberg nach der Pilgermesse,
Kreuzwegandacht und Sakramentsprozession wieder. Der Pilgersegen begleitete die Wallfahrer zurück in ihre Heimat. Übernachtet wurde zweimal, in Burkardroth und Arnstein.