Franziska Buchberger hat dicke Seile von der Rose zum Baum gespannt. Daran ranken sich lange Triebe entlang, klettern bis hinauf in die Krone, und im Sommer, wenn die Obstblüte vorbei ist, blüht die Rose im Baum. Solche Ramblerrosen, eine in England weit verbreitete Art von Schlingrosen, sind in Franken bisher eher selten. Franziska Buchberger und ihr Mann Otto haben in ihrem Garten in Hohengüßbach (Kreis Bamberg) gleich mehrere: die blutrote, robuste Flammentanz, die Hiawatha mit kleinen pinkfarbenen Blüten und die lilafarbene Paul's Himalayan Musk Rambler - alles Sorten, die wie verrückt wachsen und überreich blühen.


Kletterrosen, Rambler und andere Rankkünstler wie Clematis

Auch sonst mögen die Buchbergers Rankpflanzen: Etwa 20 Clematis zieren die Fassaden der einst landwirtschaftlich genutzten Gebäude auf ihrem 2300 Quadratmeter großen Grundstück. Hinter der ehemaligen Scheune öffnet sich der weitläufige Garten mit großem Baumbestand und Fernsicht, mit Gewächshaus, großen und kleinen Sitzecken und Franziska Buchbergers liebevoller Dekoration. Die 64-Jährige nutzt beispielsweise Spiegel, die den Blick über die Landschaft lenken.


Feuchtbiotop in einem Wassergraben aus Mörtelkästen

Es gibt Hortensien, Taglilien und Schwertlilien, Pfingstrosen und Christrosen, und in der Wiese Margeriten und Glockenblumen. Außerdem ein Feuchtbiotop in einem Wassergraben, den Otto Buchberger aus eckigen Mörtelkästen aus dem Baumarkt angelegt hat. "Da hat jede Pflanze ihren eigenen Raum", erklärt der 67-Jährige. Wasser im Garten ist sein Thema. Buchbergers haben sehr unterschiedliche Gartenelemente - doch überall sind Rosen und Stauden.


Von Westerland bis zu den englischen Rosen

"Wieviele Rosen ich habe?", Franziska Buchberger überlegt: "Weiß ich fei gar nicht!" So um die 30 schätzt sie. Die meisten hat sie sorgsam ausgewählt wie die Westerland direkt neben dem Zierapfelbäumchen beim Sitzplatz am Haus: "Das ist eine Strauchrose, die zum Klettern neigt. Die blüht orange." Aber Sorten, die schon "ewig" hier wachsen, kennt sie teilweise nicht. "Das ist kein geplanter Garten. Es hat sich alles nach und nach so ergeben." Franziska Buchberger erklärt, dass ihre Familie früher Hof und eine kleine Bauernwirtschaft betrieb. Im Lauf von zwei oder drei Jahrzehnten hat sie mit ihrem Mann Teile der Landwirtschaft in dieses Blütenparadies verwandelt. "Wo heute unsere Terrasse ist, war früher der Misthaufen."


Prachtstauden, Schattenstauden und Sonnengöttinnen

Auch die Stauden kamen im Lauf der Jahre dazu. Mit ihrem Laub und den Blüten unterstreichen sie die Schönheit der Rosen zu jeder Jahreszeit: Da gibt es Ballonblume und Rittersporn, Herbstaster, Goldfelberich und Purpurglöckchen, dort Knöterich und Geißbart. Franziska Buchberger zählt Rosenbegleiterinnen mit klangvollen Namen auf: Jungfer im Grünen, Brennende Liebe, Tränendes Herz - und Fette Henne. "Wie schade, dass die Lupinen noch nicht blühen!" Auch Sonnenbraut und Sonnenhut brauchen noch, genau wie die Steppenkerzen (rundes Bild oben) mit ihren stattlichen Blütentrauben. Die Königskerzen. Und die gelben Nachtkerzen. "Die sind auch so schön, die leuchten in der Dämmerung richtig." Nicht zu vergessen Akelei, Phlox und Funkien, Kaukasus-Vergissmeinnicht und der duftende Goldlack. Das lilafarbene Silberblatt, weil's nach der Blüte Samen in glänzenden "Silbertalern" ausbildet.


Gartenweisheit von China bis Hohengüßbach

"Ich liebe eben die Gartenvielfalt" , sagt Franziska Buchberger. Sie besucht gern Gärten in anderen Ländern, war im Botanischen Garten "Kirstenbosch" nahe Kapstadt, in Versailles und dem berühmten "Weißen Garten" von Sissinghurst Castle in der englischen Grafschaft Kent. "Nur weiße Pflanzen - das wäre nichts für mich!" Sie erinnert sich an eine China-Reise mit dem Bauernverband: "So kunstvolle Gärten! Viel Formschnitt. Ganz anders als bei uns."
Dabei soll das gärtnerische Leitbild der Fränkin sogar von einem chinesischen Sprichwort kommen: "Ein guter Gärtner braucht eine goldene Axt und ein kaltes Herz." Franziska Buchberger lacht. "Manchmal heißt es aber auch, Goethe hätte das gesagt. Und manchmal ist es auch eine scharfe Schere statt der Axt." Aber das Prinzip ist klar. "Wenn der Lavendel total verholzt ist, fliegt er raus." So ergeht es sogar Franziska Buchbergers Lieblingspflanze: "Storchschnabel ist toll. Den pflanze ich immer, wenn ich nicht weiß, was ich mit einer Ecke mache - und wenn ich etwas anderes habe, rupf' ich ihn raus."