Unterhalb der Veste hat Coburg den Hofgarten, außerdem gibt es in der Stadt den schönen Rosengarten - doch manch Gartenfreund kommt nach Coburg, um eine Fläche zu besichtigen, die eigentlich gar nicht zum Stadtgebiet gehört. Sondern zum Landkreis: Der Lehrgarten zum Thema "Obstanbau für kleine Hausgärten" am Landratsamt auf der Lauterer Höhe ist einzigartig in Nordbayern. "Eigentlich sogar in ganz Bayern", sagt Thomas Neder. Der Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege erklärt, die Besonderheit liege darin, dass auf nur 1000 Quadratmetern fast 300 Obstsorten wachsen. Interessant seien beispielsweise auch das "Obstparadies Bamberger Land" in Lauf bei Zapfendorf, der Kreislehrgarten in Oberhaid oder die Gelände der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim bei Würzburg - aber eben ganz anders.
(Eine interaktive Karte mit Ausflugstipps zu weiteren Botanischen Gärten und Lehrgärten in Franken gibt's hier.)


Kleines Obst für kleine Gärten

Im Coburger Obstlehrgarten sagt Neder: "Es ist klein hier. Es geht um kleines Obst für kleine Hausgärten." Was seit der Eröffnung 2006 im Obstlehrgarten gedeiht, taugt für raues nordfränkisches Klima und schwere Böden. Deshalb kommen Senioren, Schulklassen und Besucher, die eine weite Anreise auf sich nehmen. "Vergangenes Jahr zum Beispiel kam der Kleingartenverband aus Kassel zu einer Führung." Dafür müssen Besucher sich bei Thomas Neder anmelden. Aber zu den Öffnungszeiten kann der Garten jederzeit einfach so besichtigt werden.
Direkt vom Parkplatz des Landratsamtes aus geht's durchs Gartentürchen hinein: Ein paar Frühlingszwiebeln blühen, zur Auflockerung gibt's auch mal eine Clematis und teils große, teils auch versteckte, kleine Gartenkunst. Außerdem Informationen über Nützlinge und Nisthilfen.


Ein Naschgarten für's ganze Jahr

Die Hauptkulturen sind Beerenobst, schwach wachsende Stein- und Kernobstsorten und Wildobst. "Wenn ich einen Obstgarten betreibe, sollte er vom Frühling bis in den Spätherbst Naschobst liefern." Erst die "Vitamine im Vorbeigehen". Später die Winterbirnen und Lageräpfel. Ob alte Sorte oder Neuzüchtung ist dabei kein entscheidendes Kriterium. "Es gibt alte Sorten, die gut sind und alte die schlecht sind", sagt Neder. Hier geht es vor allem darum, die vielfältigen Möglichkeiten auf kleinem Raum zu zeigen. Auf einer Strecke von sechs oder sieben Metern wachsen zum Beispiel fünf Sauerkirschbäumchen. "Das ist möglich, wenn man die Bäume richtig erzieht", erklärt der Fachmann. "Die Erziehung ist bei Obstgehölzen nicht anders als bei Kindern: Ab und zu gibt's auch mal Schwierigkeiten. Man muss halt bisschen hingucken und beobachten."


Im Obstlehrgarten Coburg werden Bäume erzogen

Neder steht jetzt vor einem Apfelbaum, dessen Äste in Herzform wachsen. Dann bei einem Johannisbeerstrauch, der als "Dreiasthecke" erzogen wurde: Er wächst mit drei Leit-Ästen statt als Busch. Und die Stachelbeeren wurden hier aufrecht zur "Spindel" erzogen.


Stachelbeermehltau: resistente Sorten

Früher gab es Hunderte verschiedene Stachelbeersorten. "Die sind alle verschwunden. Heute geht es vor allem darum, darum, Sorten zu pflanzen, die gegen den Stachelbeermehltau resistent sind." Denn nur die haben im Hausgarten eine Chance. "Red Eva ist 'ne gute rote. Invicta eine gute, großfruchtige gelbe Sorte", sagt Neder. Im Grunde sei das alles Geschmackssache. Aber dass man die Früchte in der aufrecht wachsenden "Spindel" ernten kann, ohne sich die Hände zu zerkratzen, findet jeder Hausgärtner gut.
Auch bei Kernobst wie dem Apfel ist die Spindel beliebt: "ein schmaler Haupt-Ast und flache Seiten-Äste: fertig." Neder erklärt, dass dabei weniger geschnitten werde, als die meisten glauben. "Wir biegen die Äste auch oft mit Klammern runter." In Coburg stehen viele der sogenannten Re-Sorten aus Dresden-Pillnitz, das sind spezielle Apfel-Züchtungen mit Resistenz beispielsweise gegen Schorf und Mehltau.


Schwach wachsende Unterlagen halten den Baum klein

"Aber wir haben auch andere Sorten", Neder läuft zu einem Apfelbäumchen, das ebenfalls zur Spindel erzogen ist: dem Rubinola. "Die Unterlage", der Kreisfachberater beugt sich zu dem Teil des Bäumchens, das bis zur Veredelungsstelle in etwa 30 Zentimeter Höhe reicht, "ist eine schwach wachsende Wildsorte." So wird sichergestellt, dass der Baum nicht zu groß wird.
Übrigens ist dies der Apfel, "der bei der Coburger Weinlese immer so hervorragend abschneidet".


Indianerbananen in Franken

Wein gibt's natürlich auch im Obstlehrgarten, außerdem Kiwi und ein paar für Franken noch sehr neue Gewächse wie die "Indianerbanane Papau" (erinnert eher an Mango als an Banane), schwarze Himbeeren, die japanische Weinbeere und die Schisandra-Beere. "Das ist das Kraut der fünf Geschmacksrichtungen: süß, bitter, sauer, salzig scharf." Thomas Neder lächelt: "Das ist ein verrücktes Ding."