Wenn die Sonne auf den blauen See scheint, zieht es immer mehr Stadtmenschen an den neuen Sandstrand. "Zum Chillen ist es cool hier", sagt Nathanel Scherbauer und klappt sein Philosophiebuch für einen kurzen Moment zu. Den Lärm der Autos höre man zwar noch, aber die Augen könnten sich beim Blick über den Wöhrder See prima entspannen.

Ein paar Meter weiter stolpern Schulkinder barfüßig durch den weichen Sand. Der Papa hat nur die Schaufel zum Bauen der Sandburg vergessen. Daneben serviert eine junge Mutter dem Töchterchen einen fruchtigen Brei aus dem Gläschen. "Ich komme mit meiner kleinen Lisa mittags gerne an den See zum Entengucken", erzählt die junge Mutter und zeigt auf die Schnattertiere, die über die sanften Wellen paddeln.

Söder sagte dem "Ententümpel" 2011 den Kampf an

Kein Mensch hat sich hier bislang freiwillig in die Fluten gewagt. Das liegt nicht nur am noch ziemlich kalten Wasser des Stausees, der seit 1981 die Noris vor Überschwemmungen schützt. Auch im Sommer sucht man badende Menschen im See hier noch vergeblich. Schuld ist die Wasserqualität. Oder genauer deren Abwesenheit. Markus Söder hatte dem verschlammten "Ententümpel" im Jahr 2011 den Kampf angesagt. Rund zehn Millionen hat der Freistaat bewilligt, damit das Nürnberger Wasserwirtschaftsamt dem See wieder neues Leben einhauchen kann.

Rund ein Drittel des Schlamms im See wurden bislang ausgebaggert. Die Wasserqualität nimmt mit der Herausnahme der Sedimente zu. "Die Sichttiefe ist bereits wesentlich besser geworden", sagt Klaus Winkelmair vom Wasserwirtschaftsamt. Noch klarer dürfte das Wasser in der Noricus-Bucht werden. Eine 3000 Quadratmeter große Wasserfläche wird am Südufer vom eigentlichen See abgetrennt. Die Bauarbeiten sollen noch im Frühjahr beginnen und 2015 beendet werden. Das Wasser soll dann über einen natürlichen Filter aus Sand, Kies und Schilf in die künstliche Bucht geleitet werden. Das dürfte die hygienische Situation des Seewassers enorm verbesser, schätzt der Experte. "Wir werden in der Bucht eine Wasserfläche herstellen, die sich wirklich zum Schwimmen eignet", sagt Winkelmair.

Derzeit ist das Baden im See aus hygienischen Gründen noch nicht möglich. Ob das Baden in den Sommermonaten schon bald erlaubt wird, muss die Stadt entscheiden. Peter Pluschke vom Umweltamt ist allerdings skeptisch, ob die vorgeschriebenen Grenzwerte von April bis Oktober eingehalten werden können. Über vier Jahre müsse der Nachweis erbracht werden, ob die bakterielle Belastung des Gewässers für Menschen im Sinne der EU-Badegewässerrichtlinie unbedenklich ist.

Bei Starkregen gelangt Schmutzwasser in den See

In Nürnberg gelangt bei Starkregen immer noch zu viel Schmutzwasser in den See, sagt das Umweltamt. Nach längeren Trockenperioden im Hochsommer dürfte das Baden trotzdem problemlos möglich sein, sagt dagegen das Wasserwirtschaftsamt und verweist darauf, dass sich wohl wenige Menschen an nassen April- oder Oktobertagen in die Fluten stürzen wollen.

In den ersten Märztagen denkt am Sandstrand noch kein Mensch ans Baden. Ein Pärchen genießt dagegen die Mittagspause in trauter Zweisamkeit. Zum romantischen Lunch gibt es Gemüsereis aus dem Aluteller mit Seeblick. Bis die beiden hier schwimmen dürfen, dürften noch einige Sommer kommen und gehen.

Denn das Umweltamt der Stadt will sich hingegen strikt an die EU-Badegewässerrichtlinie halten. Peter Pluschke macht deutlich, dass das Baden seiner Meinung nach überhaupt nicht das Ziel der Wiederbelebung des Sees sei. Selbst die Bucht solle nicht dem Badezweck dienen, sagt Pluschke. "Es gibt viele Sandstrände, wo nicht gebadet wird. Es geht nicht darum, da eine Partyzone zu machen." Eine "Verrummelung" wolle die Stadt am Ufer des Sees unbedingt vermeiden. Frühestens 2017/2018 sei an eine Aufhebung des Badeverbots zu denken. Wenn, ja wenn die strengen Grenzwerte der EU eingehalten werden können. Bis dahin werden sich die Stadtmenschen an ihrem Sandstrand nur ohne Badehosen tummeln dürfen.