Offenbar aus Enttäuschung über das Ende des visionären Stadtprojekts auf dem früheren Quelle-Gelände haben Unbekannte das dortige ehemalige Versandzentrum verwüstet. Sie hätten Türen aufgebrochen, Farbeimer in Fluren ausgegossen, die Wände besprüht und Berge von Müll hinterlassen, berichtete der Vorsitzende des Quellkollektivs, Peter Kunz, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Das Quelle-Versandzentrum gehört seit Juni 2015 dem portugiesischen Shopping-Center-Spezialisten Sonae Sierra.


Problemmieter lassen ihren Frust raus

Verantwortlich für das Chaos sind nach Kunz' Erkenntnissen "Problemmieter", aber auch "Leute von außen". "Da sind während des Auszugs der Mieter zum Jahreswechsel viele Leute ins Haus gekommen, die vorher niemand gesehen hat", berichtete Kunz, der bisher in dem Zentrum ein Fotoatelier betrieben hat. Einige davon hätten in dem 250 000 Quadratmeter großen Komplex wohl unbemerkt ihr Unwesen getrieben.

Kunz betonte zugleich, die rund 60 Mitglieder des Quellkollektivs hätten mit den Verwüstungen nichts zu tun, sie seien selbst Opfer der Vandalen geworden. So hätten die Unbekannten eine von ihnen aufgebaute Bibliothek zerstört. "Die haben die Bücher überall in den Räumen und Fluren verstreut", sagte er. Auch seien Schränke von Mitgliedern aufgebrochen worden. Dabei kam es auch zu Diebstählen. "Das waren Leute, die Frust hatten und ihre Wut rausgelassen haben."


Neuer Plan: Handel, Büros und Wohnraum

Der Immobilienkonzern Sonae Sierra hatte das Quelle-Versandzentrum für 16,8 Millionen Euro ersteigert. Er plant dort einen Mix aus Handel, Büros und Wohnungen. Dabei will das Unternehmen rund 300 Millionen Euro in den wuchtigen Komplex im Westen Nürnbergs investieren.

Ein Teil der rund 60 Künstler und Kunsthandwerker soll im benachbarten Quelle-Heizhaus eine neue Bleibe finden. Die ersten Mieter zögen bereits ein, sagte Kunz. Der von dem Bauhaus-Architekten Ernst Neufert entworfene Gewerbebau ist nach dem Berliner Flughafen Tempelhof das zweitgrößte leerstehende Gebäude Deutschlands.