Ein Händchen fürs richtige Faschingskostüm beweist Ursula Richter seit 27 Jahren. Nicht nur fränkische Karneval-Superstars wie Ministerpräsident Markus Söder finden in ihrem Nürnberger Kostümverleih das passende Outfit für die fünfte Jahreszeit. Im Interview mit dem "Fränkischen Sonntag" verrät die Stylistin unter anderem, dass Markus Söder auf künstliche Brüste setzte.

Frau Richter, was ist Ihr persönliches Lieblingsfaschingskostüm?

Ursula Richter: Als Kind fand ich die Klassiker wie Prinzessin, Cowgirl oder Indianerin am besten. Heute finde ich gute Piratinnenkostüme toll. Dabei kann ich hier in meinem Fundus richtig aus den Vollen schöpfen. Ich kombiniere gerne Klamotten, die auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammen passen.

Und was wird dann daraus?

Daraus entwerfe ich Fantasie-Kostüme. Zum Beispiel verkleide ich manche Menschen so, als hätte es Punks in der viktorianischen Zeit gegeben. Das ist genau mein Ding.

Was darf bei einem guten Faschingskostüm nicht fehlen?

Ein gutes Faschingskostüm sollte originell sein. Viele Vorbilder gibt es in der Comicwelt. Supergirl zum Beispiel. Dabei kann man auch ganz viel in der Maske machen. Oder man geht in der Geschichte zurück. In vergangenen Epochen finden besonders Frauen viele hilfreiche Anregungen für den Fasching.

Apropos: Wer hat mehr Spaß an der Maskerade - Frau oder Mann?

Das kann ich heutzutage pauschal überhaupt nicht mehr sagen. Es gibt viele Männer, die sich total gerne verkleiden. Die befinden sich hier regelrecht im Verkleidungsrausch. Aber es gibt natürlich aber auch viele Männer, die nur der Frau zuliebe mit auf den Fasching gehen. Das ist auch lustig. Wenn die Herren im Anzug und mit Schlips in der Umkleide verschwinden, und dann hier total verwandelt wieder hinter dem Vorhang hervorkommen. Manchmal sage ich fünf Mal "Grüß Gott" zum gleichen Mann (lacht).

Und überzeugten Faschingsmuffeln - zu welchem Kostüm raten Sie denen?

Faschingsmuffeln empfehle ich eine komplette Persönlichkeitsveränderung. Einem Mann mit Glatze würde ich zum Beispiel eine Hornbrille auf die Nase und eine Perücke auf den Kopf setzen. Dazu einen bunten Fummel, in dem sich der Faschingsmuffel richtig wohlfühlt. Den erkennen Sie danach nicht wieder. Und der amüsiert sich garantiert beim Fasching!

Gibt eine Faustregel für das Faschingskostüm von Welt?

Nein, das ist ja das Schöne. Im Fasching herrscht absolute Narrenfreiheit.

Hat sich der Fasching mit den Jahren verändert?

Früher hat es schon viel mehr große Faschingsfeste gegeben. Zum Beispiel im "Deutschen Hof" in Nürnberg. Jetzt kann man die großen Karnevalsbälle nur noch an einer Hand abzählen. Viele Faschingsfreunde in Franken feiern heute daheim privat. Und dann am liebsten unter einem Motto wie Flower-Power oder Superhelden.

Fehlt dem fränkischen Fasching mittlerweile etwas?

In Franken fehlt der Straßenkarneval. In Köln wird eine Woche von einer zur anderen Kneipe gezogen. Da findet der Fasching auf der Straße statt. Das gibt es bei uns nicht. Oder nicht mehr. Denken Sie allein an die vielen Kneipenverordnungen. Das macht das Leben auf den Straßen ein bisschen tot. Darunter leidet der Fasching in Franken.

Apropos Franken: Sie haben viele Kostüme für Markus Söder entworfen. Welches hat Ihnen am besten gefallen?

Die größte Herausforderung für mich ist die Marilyn Monroe gewesen. Ein Mann, der als Marilyn gehen will und nicht allzu viel Haut zeigen darf. Das ist die eine Herausforderung. Aber dann finden Sie einmal ein Marilyn-Kleid für einen fast zwei Meter großen Mann! Wir mussten außerdem Silikonbrüste, eine Korsage und riesengroße Damenschuhe kaufen. Die Anproben waren dafür umso witziger. Weil der Herr Söder viel Humor gezeigt hat und auch über sich selbst lachen konnte.

Als Ministerpräsident war heuer für Markus Söder Schluss mit dem Verkleiden. Können Sie spontan noch alle Kostüme aufzählen, die Sie für seine großen Karnevalsauftritte vor Millionenpublikum angefertigt haben?

Da gab es den Shrek, die Marilyn, den Gandalf, den Homer Simpson und das Prinzregent-Luitpold-Kostüm. Und natürlich den Punker. Aber da hat der Herr Söder nur ein paar Teile gebraucht.

Mal von Markus Söder abgesehen: Welche Kunden sind Ihnen am liebsten?

Kunden, die sich Zeit nehmen. Meistens spazieren die Kunden ahnungslos durch meine Tür und im geistigen Auge sehe ich schon das passende Kostüm vor mir. Ich kann mir schnell vorstellen, welcher Stil passen und welches Outfit einer bestimmten Person gefallen könnte. Kürzlich kam zum Beispiel der Bürgermeister aus Hersbruck mit seiner Gattin auf der Suche nach einer Verkleidung für Veitshöchheim vorbei. Ich habe sofort gewusst, welche Kostüme das Paar in diesem Jahr bekommt.

Mit welcher Verkleidung werden Sie sich heuer selber in den Fasching stürzen?

Das entscheide ich erst am Faschingsdienstag (lacht).

Ist das nicht ein bisschen spät?

Nein, wir veranstalten immer einen Faschingskehraus. Der ist Tradition in unserem Kostümverleih. Wir sperren am Abend vor dem Aschermittwoch pünktlich um 18 Uhr den Laden zu und verkleiden uns danach alle gemeinsam ganz spontan. Dann gibt es Sekt und ein paar Freunde kommen vorbei. Das ist für uns der krönende Abschluss jeder Faschingssaison.