Keine Tram, keine U-Bahn, kein Bus: Der Tarifkonflikt im öffentlichen Nahverkehr hat am Donnerstag in Nürnberg dazu geführt, dass sämtliche Fahrzeuge im Depot blieben. "Wir werden komplett bestreikt, auch die Werkstätten sind dicht", bestätigte eine Sprecherin des Nürnberger Verkehrsunternehmens VAG. An diesem Freitag sollen die Aktionen in München weitergehen.

Verdi-Landesfachbereichsleiter Manfred Weidenfeller resümierte am Nachmittag zufrieden: "Wir haben eine hohe Streikbeteiligung, die Menschen stehen hinter unseren Forderungen." In Nürnberg - und im ebenfalss bestreikten Augsburg - sei die Mobilisierung erfolgreich gewesen. "In Augsburg ist nichts gefahren, und zwar nix-nix." In Nürnberg gab es statt des gewohnten dichten Netzes nur 20 Not-Buslinien, die im Halbstundentakt von privaten Busunternehmen bedient wurden. Rund 1500 Angestellte schlossen sich nach Angaben des Nürnberger Verdi-Gewerkschaftssekretärs Stefan Wolf dem Warnstreik an.

Dennoch waren die Straßen in der Innenstadt diesmal selbst im morgendlichen Berufsverkehr bei weitem nicht so verstopft wie am ersten Warnstreiktag am Dienstag. "Ich denke, unsere zwei Tage vorher erfolgte Ankündigung hat einen Beitrag dazu geleistet, dass die Bürger sich darauf einstellen konnten und ein größeres Chaos vermieden werden konnte", sagte Wolf.

Das bestätigt auch die VAG. "Insgesamt, so unser Eindruck, ist die Situation in der Stadt deutlich entspannter als am Dienstag", heißt es in einer aktuellen Mitteilung.

Die Ein- und Ausfallstraßen waren dennoch dicht. "Es kam heute Morgen zu Verkehrsbehinderungen rund um Nürnberg, da war deutlich mehr los als sonst", sagte ein Polizeisprecher. Entsprechend standen auch die Busse aus den Vorbezirken im Stau. Der Streik hatte um 4.00 Uhr früh begonnen und sollte 24 Stunden dauern. Für den Nachmittag erwartete die Polizei noch einmal dichten Verkehr. Mit dem Berufsverkehr summierten sich die Verspätungen der Busse des Streiknetzes wieder auf 25 Minuten und mehr, teilte die VAG mit. Nach dem morgendlichen Berufsverkehr waren sie noch mit um die 15 Minuten Verspätung unterwegs.

Dabei fuhren die zur Deutschen Bahn gehörenden S-Bahnen wie gewohnt. Darüber hinaus gab es jedoch nur ein ausgedünntes Angebot. "Wir fahren nach Streiknetz auf Basis unserer Nightliner", schilderte die Sprecherin der VAG. Die Folge: Viele Nürnberger stiegen aufs Fahrrad um, im Berufsverkehr standen an den Ampeln ganze Trauben von Radlern.

In Augsburg gab es noch nicht einmal ein Minimal-Angebot. "Für den Kunden ist es schwierig, aber bevor wir irgendetwas Unzuverlässiges zusammenschustern, ist es leichter, er stellt sich gleich darauf ein, dass er sich für diesen Tag eine Alternative sucht", erläuterte die Sprecherin.

An diesem Freitag soll es auch in München wieder Arbeitsniederlegungen geben, nachdem es bereits am Mittwoch erste Aktionen in der bayerischen Landeshauptstadt gegeben hatte. Verdi hat unter anderem Beschäftigte des Abonnement-Vertriebs, der Hotline in der Stadtwerke-Zentrale, in zwei Kundencentern sowie einer Automaten- und einer Trambahn-Werkstatt zu einem Ganztagesstreik ab Arbeitsbeginn aufgerufen.

Der Fahrbetrieb dürfte dadurch aber nicht spürbar beeinträchtigt werden, erwartete Heinrich Birner von Verdi in München. Sollten sich die Arbeitgeber allerdings nicht bewegen, müssten sich die Fahrgäste in der kommenden Woche ähnlich wie in Nürnberg und Augsburg auch in München auf Warnstreiks bei Bussen, U-Bahnen und Trambahnen einstellen. Das genaue Datum dafür stehe bisher aber noch nicht fest, sagte Birner.

Mit den Aktionen wollen die Gewerkschaften dbb Tarifunion und Verdi den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Bislang bieten diese vom 1. Juni an 3 Prozent mehr Geld, mindestens aber ein Plus von 90 Euro im Monat. Zum 1. Juni 2015 soll es ein weiteres Plus von 2,4 Prozent geben. Verdi hingegen verlangt, alle Entgelte um einen Sockelbetrag von 120 Euro zu erhöhen und zusätzlich bei einer Laufzeit von einem Jahr die Löhne und Gehälter um 4 Prozent anzuheben. Die Nahverkehrsgewerkschaft in der dbb Tarifunion will eine feste Erhöhung aller Entgelte um 100 Euro pro Monat, danach soll ebenfalls für nur ein Jahr eine Erhöhung von 3,5 Prozent greifen.