Der 1. FC Nürnberg kommt im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga nicht von der Stelle. Seit 17 Partien hat der Club, der Tabellenletzter ist, nicht mehr gewonnen. Gleichwohl sind die Chancen auf den Klassenerhalt weiterhin gegeben, weil die Konkurrenz aus Hannover, Stuttgart und Augsburg ebenfalls schwächelt. Indes: Mit jedem weiteren Spieltag ohne "Dreier" werden die Optionen weniger, nach 34 Spieltagen auf dem Relegationsplatz oder auf Rang 15 zu stehen.

FCN: Wie stehen die Nürnberger Chancen auf dem Klassenerhalt?

Wir haben Spitzentrainer aus der Region befragt, wie sie die Nürnberger Chancen auf den Liga-Verbleib einschätzen - und was sie ihrem Team in einer solchen Situation mit auf den Weg geben würden. Lesen Sie, wie Denis Wucherer (s.Oliver Würzburg), Jan Gorr (HSC 2000 Coburg), Timo Rost (SpVgg Bayreuth) und Mario Bail (DJK Don Bosco Bamberg) die Lage bewerten. Rost dürfte dem FCN am engsten verbunden sein. Er hat die komplette Jugend des 1. FC Nürnberg durchlaufen und beim Club seinen ersten Vertrag als Profi unterschrieben. Noch heute spielt der Inhaber der höchsten Trainerlizenz im Fußball in der Traditionsmannschaft und besucht die Begegnungen seines ehemaligen Arbeitgebers, "wenn es die Zeit zulässt".

1. Was spricht für den Klassenerhalt, was dagegen?

Denis Wucherer: "Die Nürnberger steigen nicht ab, weil sie das ,Phantom‘ haben, den Fußballer mit dem härtesten Händedruck. Wenn sie so spielen, wie der Assistenztrainer zudrückt, dann bleiben sie erstklassig. Gegen den Liga-Erhalt spricht die lange Serie von 17 Partien ohne Sieg."

Jan Gorr: "Dafür spricht, dass diese Situation für den Club nicht überraschend kommt und das Team trotz einer langen Negativserie immer noch in Schlagdistanz ist. Man kann mit zwei, drei Ausrufezeichen wieder voll im Rennen sein. Gegen den Klassenerhalt spricht die Tabellensituation und der Vorteil der Konkurrenz, im individuellen Bereich sicher etwas besser aufgestellt zu sein."

Timo Rost: "Für den Klassenerhalt sprechen aus meiner Sicht drei Dinge. Erstens: Die Mannschaft verfügt über das notwendige Potenzial. Zweitens: Das Team kann sich auf die absolute Unterstützung der Fans verlassen. Und drittens: Die anderen Mannschaften, die ebenfalls unten in der Tabelle stehen, sind nicht besser als Nürnberg. Sollte jedoch nicht die nötige Stabilität in der Defensive eintreten oder sich das Umfeld oder die Spieler untereinander zerfleischen, dürfte es mit dem Liga-Verbleib nichts werden."

Mario Bail: "Trotz der zahlreichen Niederschläge haben die Jungs des 1. FC Nürnberg immer eine gute Moral gezeigt. Der Wille ist da, und das Mannschaftsgefüge beim Club stimmt auch. Gegen den Klassenerhalt spricht, dass sich beim FCN kein Stürmer herauskristallisiert hat, der in der Lage wäre, mehr als zehn Tore in der Saison zu erzielen. Des Weiteren stellt sich die Frage nach der Qualität des Nürnberger Kaders insgesamt, und besonders in entscheidenden Situationen wie jetzt, da es um den Klassenerhalt in der Bundesliga geht."

2. Angenommen, Sie befänden sich mit Ihrer Mannschaft in der gleichen Situation: Welche Maßnahmen würden Sie ergreifen, was würden Sie Ihren Spielern mit auf den Weg geben?

Denis Wucherer: "Ich würde ihnen sagen, dass sie sich die Worte Franz Beckenbauers, des ,Kaisers‘, wenngleich leicht abgewandelt, zu Herzen nehmen sollten: ,Geht's raus und spielt's Basketball‘."

Jan Gorr: "Du machst deinem Team klar, dass es die Trümpfe selbst in der Hand hat. Man kann den Gegner in eine Nische zwingen, in die er nicht hinein will, und ihm in Sachen Einsatz und Engagement eine Klasse voraus sein. Außerdem ist es wichtig, auf ein Höchstmaß an Disziplin zu setzen. Falsch verstandener Ehrgeiz oder übermotivierte Aktionen sind da eher kontraproduktiv. Vielmehr braucht es einen extrem guten Zusammenhalt und maximales Engagement aller Beteiligten. Jeder Akteur muss während des Spiels voll fokussiert sein. Das gelingt nur, wenn man dabei nicht an mögliche Konsequenzen eines Misserfolgs denkt."

Timo Rost: "Es ist enorm wichtig, den Spielern Sicherheit und Erfolgserlebnisse zu vermitteln - auch in Trainingsformen. Darüber hinaus muss klar ersichtlich werden, welche Spielidee und welche Spielphilosophie du verfolgst - und wie du Spiele gewinnen willst. Des Weiteren führst du Einzelgespräche. Dass das alle gute Fußballer sind, steht doch außer Frage. Ansonsten würden sie ja nicht in der Bundesliga spielen."

Mario Bail: "Wichtig sind aus meiner Sicht eine Hierarchie und eine Struktur in der Mannschaft. Beides bekommst du hin, wenn du dich als Trainer positionierst und den Spielern Vertrauen schenkst. Zudem sollte der Trainer stets vorneweg gehen und das Positive herausstellen. Denn, wie heißt es so schön, die Hoffnung stirbt zuletzt. Das gilt auch für den 1. FC Nürnberg in seiner jetzigen Situation."

3. Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: "Der Club steigt nicht ab, weil..."

Denis Wucherer: "... der Club einfach in die Bundesliga gehört."

Jan Gorr: "... Tradition und Identifikation des Vereins und der vielen Fans ihresgleichen suchen und man eine verlässliche Basis hat, auf die man auch künftig bauen kann."

Timo Rost: "... weil es für unsere Region und die Fans unheimlich wichtig ist, einen Erstligisten zu haben, und weil die Mannschaft über das Potenzial verfügt, auch über die Relegation die Klasse zu halten."

Mario Bail: "... es die Region verdient - und weil der 1. FC Nürnberg bekanntermaßen einfach ein Traditionsverein mit wunderbaren Fans ist."

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ein Artikel von Dirk Kaiser