Diskus-Ass Christoph Harting besiegt Bruder Robert, Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz flitzt allen davon, Speerwurf- Senkrechtstarter Andreas Hofmann schnappt sich seinen ersten Titel: Die Meister von Nürnberg haben so richtig Lust auf das Leichtathletik- Heimspiel in Berlin gemacht.

Zwei Wochen vor den Europameisterschaften (6. bis 12. August) kommen die Asse in EM-Form, Wind und Wetter verhinderten bei den nationalen Titelkämpfen im Max-Morlock-Stadion weitere Top-Leistungen. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) wird ein Rekord-Team mit etlichen Medaillenkandidaten zum Saisonhöhepunkt nach Berlin schicken.

Zur Mannschaft mit "deutlich über 120 Athleten" werden auch die Olympiasieger aus der Sportfamilie Harting gehören. Christoph holte sich mit 66,98 Metern seinen zweiten Meistertitel ab, und auch für Altmeister Robert dürfte die Nominierung durch den DLV am Montag nur noch Formsache sein.

Der 33-Jährige wurde in Nürnberg mit 63,72 Metern nur Dritter und war damit nicht zufrieden. "Ich bin eigentlich besser, ich kann mehr!", sagt der dreimalige Weltmeister. Doch alles spricht nun für den Berliner Publikumsliebling.

"Robert Harting wäre ein wunderbarer Botschafter für diese Europameisterschaften", sagte DLV-Präsident Jürgen Kessing. Das EM-Team wird am kommenden Mittwoch bekannt gegeben.
Zu den Medaillenkandidaten für den Saisonhöhepunkt zählen neben Christoph Harting und Dutkiewicz auch Top-Sprinterin Gina Lückenkemper, Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause, Weitspringerin Malaika Mihambo, die beiden Kugelstoß-Meister Christina Schwanitz und David Storl sowie das famose deutsche Speerwurftrio.

Nach 47-tägiger Zwangspause wegen einer hartnäckigen Verletzung hat sich Speerwurf-Ass Johannes Vetter eindrucksvoll zurückgemeldet - seinen Titel konnte der Weltmeister aus Offenburg aber nicht verteidigen. Andreas Hofmann wurde zum ersten Mal deutscher Meister. Der 26-Jährige aus Mannheim gewann die hochklassige Konkurrenz mit 89,55 Metern und jubelte dann stolz und glücklich: "Mega, sehr geil, das Stadion hat richtig Stimmung gemacht."

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Olympiasieger Thomas Röhler aus Jena bewies Nervenstärke und sicherte sich mit seinem letzten Versuch von 88,09 Metern noch Platz zwei. Vetter wurde mit 87,83 Metern Dritter und fährt nun mit seinen Dauerrivalen Röhler und Hofmann zur EM.

Trotz Gegenwinds von 0,7 m/Sek. rannte Dutkiewicz über 100 Meter Hürden in 12,69 Sekunden zum Meisterschaftsrekord. Serienmeister Julian Reus aus Erfurt musste eine überraschende Niederlage einstecken. Der deutsche 100-Meter-Rekordmann wurde in 10,32 Sekunden hinter Kevin Kranz vom Sprintteam Wetzlar (10,28) Zweiter.

Lückenkemper verteidigte dagegen ihren Titel in 11,15 Sekunden. "Ich bin so konstant wie noch nie in meiner Karriere", sagte die 21- Jährige aus Leverkusen. Stabhochspringer Bo Kanda Lita Baehre wurde in Abwesenheit von Raphael Holzdeppe wie im Vorjahr Meister - mit 19 Jahren wird er nun seine erste große EM erleben.

Christina Schwanitz holte sich den sechsten Titel schon am Freitagabend vor der malerischen Kulisse auf dem Nürnberger Hauptmarkt ab. 20,06 Meter sind eine Weltklasse-Leistung und eine Kampfansage für die EM: In Berlin will die Frohnatur aus Sachsen ihren Gold-Hattrick perfekt machen. Bei einem Verkehrsunfall hatte die 32-Jährige am Samstag Glück im Unglück.