Nach 1641 Tagen war dem 1. FC Nürnberg wieder ein Erstliga-Dreier gelungen. Das 2:0 über Hannover 96 war der erste Bundesliga-Sieg seit über vier Jahren und das erste Saisonspiel, in dem Torhüter Fabian Bredlow keinen Ball aus dem Netz holen musste. Für den Österreicher Georg Margreitter, Chef der Club-Abwehr, war es "sehr wichtig, dass wir zum Auftakt der englischen Woche drei Punkte eingefahren haben".

Noch wichtiger wäre es, wenn die Mittelfranken am Samstag (15.30 Uhr) die Woche mit einem weiteren Dreier veredeln könnten. Gegner im Max-Morlock-Stadion ist Zweitliga-Meister und Mitaufsteiger Fortuna Düsseldorf - ein Team, das nach den ersten Spieltagen ebenfalls zu den positiven Überraschungen im Elite-Feld gehört. Und zwar nicht nur ob deren Punkte-Ausbeute, sondern weil die Schützlinge von Trainer Friedhelm Funkel bislang taktisch und spielerisch zu überzeugen wissen. Eine Tatsache, die den Eurosport-Experten und stets kritischen Geist Matthias Sammer zu der Aussage veranlasst hatte, dass Fortuna zwar ein Aufsteiger sei, aber wie eine gestandene Bundesligamannschaft spiele.

Fortuna mit vollem Einsatz

In der Tat hat die Fortuna, wie auch Nürnberg, in jeder Partie Leidenschaft, Hingabe und Intensität gezeigt - und ist mit dieser zweifelsohne kraftraubenden Spielweise gut gefahren. Und das, obwohl die etatmäßigen Stürmer Rouven Hennings und der vom FC St. Pauli für 2,1 Millionen Euro geholte Marvin Duksch, der zuletzt bei Holstein Kiel für die Tor-Produktion zuständig gewesen war, bislang noch nicht getroffen haben - im Gegensatz zu Nürnbergs Offensiv-Kräften Mikael Ishak und Törles Knöll. Letzterer war vor Saisonbeginn ablösefrei vom Hamburger SV gekommen und hatte mit seinem ersten Saisontreffer gegen Hannover den Deckel drauf gemacht. Da jedoch auch beim Club "alle gegen den Ball und geschlossen nach hinten arbeiten", wie es Margreitter formuliert, dürften die Zuschauer eine laufintensive Begegnung zu sehen bekommen.

Zahlen sprechen für den Club

Statistisch gesehen stehen die Zeichen für die Mannschaft von Club-Trainer Michael Köllner auf Sieg: In den 46 Partien dieser Teams waren die Nürnberger 23 Mal erfolgreich (bei 14 Niederlagen und neun Unentschieden). Zu Hause ist die Bilanz gegen die Fortunen sogar noch besser: 17 Siegen stehen nur fünf Niederlagen und ein Remis gegenüber (55:30 Tore). Und auch die letzten beiden Aufeinandertreffen in der Beletage gingen an den Club: Am 8. Dezember 2012 gab es vor heimischem Publikum ein 2:0, am 11. Mai 2013 in Düsseldorf ein 2:1 - es waren im Übrigen die einzigen Erstliga-Vergleiche zwischen den Traditions-Teams in diesem Jahrtausend.

Und noch etwas dürfte Hanno Behrens & Co. motivieren: das 2:3 im Mai dieses Jahres am letzten Zweitligaspieltag. Durch die Niederlage musste der Club Platz 1 und damit die Meisterschaft an Düsseldorf abtreten.

Patrick Erras: "Geld ist nicht alles"

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Patrick Erras, gebürtiger Amberger, ist mit 23 Jahren der dienstälteste Profi beim 1. FC Nürnberg: Seit elf Jahren trägt der defensive Mittelfeldspieler das Club-Trikot. Erras ist in der heutigen Zeit, in der Spieler den Klubs meist nur eine Stippvisite abstatten und weiterziehen, ein Anachronismus - allerdings ein positiver. Im Interview nimmt Erras Stellung zu seiner persönlichen Definition von Identifikation und erklärt, was das Außergewöhnliche an Basketball-Legende Dirk Nowitzki ist.

Herr Erras, Sie sind seit 2007 beim Club: Was ist das Besondere an dieser Beziehung? Patrick Erras: Ich bin als Zwölfjähriger hierhergekommen und habe gleich den Pokalsieg erlebt. Wenn man dann alle Jugendteams durchläuft, entsteht einfach eine besondere Bindung. Ich war ja davor auch schon Fan.

Haben Sie jemals darüber nachgedacht, den Club zu verlassen? Nein. Auch, wenn es immer wieder Anfragen gab. Hier fühle ich mich wohl, hier ist meine Heimat.

Oft haben Verträge nicht länger als eine Saison Bestand, die Fans haben es zunehmend schwerer, sich mit "ihrem Liebling" zu identifizieren. Wie ließe sich ein höherer Identifikations-Grad herstellen, oder ist das heutzutage nicht mehr umsetzbar? Das muss jeder Spieler für sich selbst entscheiden, wie wohl er sich fühlt, wie lange er bleiben will. Ich denke, dass es in unserer Mannschaft einige Spieler gibt, mit denen man sich als Fan identifizieren kann.

Wie elementar sind die Rahmenbedingungen, um sich mit dem Arbeitgeber zu identifizieren? Geld ist nicht alles. Es ist ganz wichtig, dass es zwischen Verein und Spieler stimmt, dass man sich in der Stadt wohlfühlt. Und wenn das passt, merken das auch die Fans. Dann steht eine Mannschaft auf dem Platz und man merkt ihr an, dass sie am Verein hängt.

Wie definieren Sie den Begriff Identifikation? Er hat viel mit Wohlfühlen zu tun. Damit, dass die Werte, die der Verein vorlebt, mit denen des Spielers übereinstimmen.

Ist Identifikation ohne Glaubwürdigkeit und Authentizität überhaupt möglich? Das glaube ich nicht. Wenn man sich verstellen muss, zieht man am Ende nicht an einem Strang.

Welcher Spieler verkörpert für Sie die "Identifikation in Reinkultur"? Dirk Nowitzki. Er hat auf Geld verzichtet, damit es dem Verein besser geht, damit bessere Spieler verpflichtet werden können. Dirk hat in schweren Zeiten nie an einen Wechsel gedacht und ist immer für seine Stadt eingestanden. Das Gespräch führte unser Mitarbeiter Dirk Kaiser.