Die Parallelen sind verblüffend: Sowohl der 1. FC Nürnberg als auch Hertha BSC Berlin hatten in der ersten Runde des DFB-Pokals große Mühe gegen unterklassige Gegner. Während der Club durch einen späten Treffer seiner "Lebensversicherung" Michael Ishak in der 88. Minute den 2:1-Erfolg gegen den fünftklassigen SV Linx sicherte, war es auf Seiten der Herthaner Torjäger Vedad Ibisevic, der mit seinem Tor zum 2:1 in der 83. Minute das frühe Aus gegen den Drittligisten Eintracht Braunschweig verhindert hatte.

Und es gibt weitere Parallelen vor dem Bundesliga-Auftakt am Samstag (15.30 Uhr) im Berliner Olympiastadion: Beide Vereine haben ihre jungen Kader - der Altersdurchschnitt der Nürnberger beträgt 24,7 Jahre, der der Berliner 24,3 Jahre - kurzfristig noch verstärkt. Yuya Kubo, 24, heißt der japanische Nationalspieler, der als variabler Offensiv-Mann die Last des Toreschießen-Müssens von Michael Ishak Schultern nehmen soll. Auf Seiten des Gegners ist der 1,91 Meter große, serbische Nationalspieler Marko Grujic als zentraler Mittelfeld-Akteur mit exzellenten Kopfball-Qualitäten vorgesehen. Beide Neuzugänge - und auch das verbindet den Club und die Hertha - wurden von ihren bisherigen Arbeitgebern ausgeliehen: Kubo stand zuletzt in der belgischen Liga bei KAA Gent unter Vertrag, Grujic kommt vom FC Liverpool aus der Premier League.

Damit wären die Gemeinsamkeiten vor dem Bundesliga-Start aber erschöpft: Wirtschaftlich und auch sportlich ist die "Alte Dame" dem Aufsteiger voraus. Wenngleich Nürnbergs Trainer Michael Köllner sein Team in der Hauptstadt nicht zwingend in der Außenseiterrolle sieht. "Wenn du die Grundtugenden, die du für ein Fußballspiel brauchst, also Mentalität, Zweikampfstärke, Spielfreude und Charakter, abrufst", sagt Köllner, dann könne man durchaus in Berlin bestehen.

Dabei spiele es keine Rolle, dass der Club zunächst auswärts antreten müsse, wie FCN-Kapitän Hanno Behrens erklärt: "Zu Hause hätten wir unsere Fans im Rücken und bekämen dadurch eventuell etwas mehr Selbstvertrauen. Auswärts sind wir hingegen noch mehr Außenseiter und haben nichts zu verlieren." Der 28-Jährige ist der Anführer einer "jungen, ehrgeizigen und taktisch sehr flexiblen Mannschaft", die mit "viel Einsatz und Leidenschaft spielt" und auch über "individuelle Klasse" verfügt, wie er feststellt.

Mittelfeld-Mann Behrens ist ein "Macher" - und so interpretiert er auch seine Rolle als Kapitän: "Wichtig ist, nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten voranzugehen. Das bedeutet, auf dem Platz seine Leistung zu bringen. Das vorzuleben, was man von den anderen erwartet - und immer ein offenes Ohr für die Probleme der Mitspieler zu haben."

Hertha mit Offensivproblemen

Durchaus möglich, dass es bereits Gesprächsbedarf gegeben hat. Denn bei der Treffer-Ausbeute in der Vorbereitung und zuletzt in Linx ist noch Luft nach oben. Nur gut, dass Hertha-Trainer Pal Dardai offensichtlich ein ähnliches Problem bei seiner Mannschaft erkannt hat und darüber nachdenkt, wie sein Team um die ehemaligen Nürnberger Marvin Plattenhardt und Niklas Stark (Dardai: "Plattenhardt muss Verantwortung, Stark eine Führungsrolle übernehmen") mehr Treffer produzieren kann. Ein 3-4-3-System, so Dardais Überlegungen, könne dabei helfen.

Dem Club dürfte es wohl recht sein, wenn aus diesem System keine Treffer entsprängen.

Niklas Stark: "Kein Spiel wie jedes andere"

Es ist eine Begegnung mit der Vergangenheit, wenn Niklas Stark am Samstag (15.30 Uhr) auf "seinen" 1. FC Nürnberg trifft. Zehn Jahre trug der in Neustadt an der Aisch geborene Stark das Trikot des Club - ehe er 2013 zu Hertha BSC wechselte. Wie er das Spiel gegen den Ex-Verein bewertet, welche Verbindungen er in die Heimat hat und was sein wichtigster Moment im Fußball-Leben war, berichtet er im Interview.

Freuen Sie sich auf das Wiedersehen oder ist die emotionale Nähe zum Club abgekühlt? Niklas Stark: Ich freue mich sogar sehr darauf. Ich habe ab der E-Jugend beim Club gespielt, komme aus der Nähe von Nürnberg, deshalb ist das Spiel natürlich keines wie jedes andere. Ich habe mich sehr gefreut über den Nürnberger Aufstieg und wünsche dem Club nach dem Spiel alles Gute für die Saison. Die Punkte wollen wir zum Auftakt aber gerne in Berlin behalten.

Welche Momente aus Ihrer Club-Zeit sind Ihnen im Gedächtnis geblieben? Da gibt es einige. Vor allem aber mein Bundesliga-Debüt beim Spiel in Hoffenheim. Das war ein besonderer Moment für mich.

Haben Sie die Entwicklung der Nürnberger aus der Ferne verfolgt und gibt es noch Verbindungen in die Region? Ich bin regelmäßig bei meiner Familie in Franken, verfolge was rund um den Club passiert und bin auch ganz gut informiert.

Wie schätzen Sie den aktuellen Leistungsstand der Club-Mannschaft ein? Das ist schwierig zu beantworten, aber was klar ist, dass sie wie jeder Aufsteiger gerade zu Beginn der Saison mit einer gehörigen Portion Euphorie in die Spiele gehen werden. Ihr Tipp für Samstag? Ich tippe ungern und möchte mich nicht auf ein Ergebnis festlegen. Aber ich werde wie meine Kollegen alles dafür tun, die Punkte zum Saisonstart in Berlin zu behalten.