Liverpool gegen Manchester, Real Madrid gegen Barcelona, Celtic gegen Rangers: so ziemlich jede Profiliga hat ein geschichtsträchtiges, emotional aufgeladenes Derby. In Deutschland wird an dieser Stelle häufig das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 angeführt. Das ist aber Quatsch! Die Mutter aller Derbys kommt aus Franken! Und am 5. März findet um 13.30 Uhr bereits die 262. Auflage statt - genau 166 Tage nach der letzten Kraftprobe in Nürnberg. Einen echten Favoriten gibt es unter den Lokalrivalen diesmal nicht.


Wieder ein Schicksalsspiel für Alois Schwartz?

Für den Club geht es dabei - wie schon im Hinspiel - nicht nur um drei Punkte sondern vor allem darum, nach zuletzt drei Partien ohne Sieg wieder in die Spur zu finden. Die Fürther hingegen können nach vier Spielen ohne Niederlage in Serie mit Selbstvertrauen ins 262. Frankenderby gehen.

Die Nürnberger stehen vor dem Derby unter Druck. Der Rückrundenstart verlief mit vier Punkten aus fünf Spielen alles andere als gewünscht. Zuletzt sorgten zwei Niederlagen nacheinander für ein empfindliches Stimmungstief. Zumindest kann der FCN am Sonntag wieder mit Spielmacher Kevin Möhwald planen. Der 23-Jährige hatte zuletzt beim 0:1 gegen den VfL Bochum wegen Magen-Darm-Problemen gefehlt, ist aber wieder im Training. Hinter den Einsätzen von Shawn Parker, Abdelhamid Sabiri und Cedric Teuchert stehen wegen Knieproblemen aber noch Fragezeichen. Der gegen Bochum fehlende Ondrej Petrak (Adduktorenprobleme) ist ebenfalls ein Wackelkandidat. "Wir wollen mit Freude ins Spiel gehen und dürfen keine Angst haben", sagte Trainer Alois Schwartz vor dem 262. Franken-Derby. Trotz zweier Niederlagen in Serie sieht der Club-Coach sein Team im Kommen. "Die Mannschaft hat im Training sehr viel Leidenschaft an den Tag gelegt. Ich hoffe, dass wir es auf den Platz bringen", meinte Schwartz weiter. "Wir wollen mit aller Macht die drei Punkte."


Die jüngste Bilanz spricht fürs Kleeblatt

Doch die wollen die Fürther natürlich auch in Fürth behalten. Die Spielvereinigung muss im Derby auf Stephen Sama und Jürgen Gjasula verzichten. Abwehrspieler Sama fehlt wegen seiner Knieprellung. Mittelfeldakteur Gjasula absolviert weiterhin seine Reha nach einem Achillessehnenriss und muss ebenfalls zuschauen. Mit einer Hingucker-Partie rechnet der Fürther Coach Janos Radoki nicht. "Es wird kein schönes Spiel werden, sondern eines mit viel Kampf. Entscheidend wird sein, wer die Umschaltsituationen besser nutzen kann", sagte Radoki, dessen Team in der Rückrunde acht Punkte aus fünf Partien holte. Das Hinspiel gewannen die Fürther mit 2:1 in Nürnberg, insgesamt spricht die jüngste Bilanz für die Spielvereinigung. Fürth verlor nur zwei der vergangenen 17 Pflichtspiele gegen den FCN. "Dafür können wir uns nichts kaufen. Der Fußball findet in der Gegenwart statt", sagte der 44-jährige Radoki am Donnerstag in Fürth. Mit dem bisherigen Saisonverlauf können weder die Nürnberger noch die Fürther zufrieden sein. Beide sind mit 29 Punkten im Mittelfeld der Tabelle platziert. "Es spielt keine Rolle, das ist ein eigenes Spiel für sich. Das ist das Schöne am Derby. Es geht nur um dieses Spiel", erklärte Radoki.Mit Blick auf die angespannte Sicherheitslage hofft der Fürther Coach auf ein friedliches Zweitligaspiel. "Früher wurden Derbys auf dem Platz ausgetragen. Es wäre schön, wenn wir da wieder hinkommen könnten", sagte der ehemalige Profi der Spielvereinigung.


Wo kann ich das 262. Frankenderby sehen?

Das Stadion am Sonntag ist bereits ausverkauft. Fans, die kein Ticket ergattern konnten, wird davon abgeraten, ohne Eintrittskarte anzureisen.Die Polizei wird außerdem rund um den Sportpark Ronhof einen Sicherheitsbereich einrichten, der ohne gültiges Ticket nicht betreten werden darf.

Wer sich das Spiel vor dem Fernseher ansehen möchte, kann nur auf den Bezahlsender Sky zurückgreifen. Für alle ohne Sky-Abo gibt es dann aber noch zahlreiche Kneipen, in denen die Mutter aller Derbys über die Leinwand flimmert und kalte Getränke serviert werden. Und wenn die Mutter aller Derbys eine Fränkin ist, ist dann ein Frankenderby ohne fränkisches Bier nicht so etwas wie der ungeliebte Schwiegersohn?


Das älteste und häufigste Derby Deutschlands

Der 1900 gegründete 1. FC Nürnberg und die 1903 gegründete Spielvereinigung Fürth duellierten sich erstmals 1902. Zu diesem Zeitpunkt trat der Club aber gegen den TV 1860 Fürth an und gewann 15:0. Am 18. September 1904 fand dann das erste Derby gegen die SpVgg Fürth statt, das Nürnberg mit 3:0 gewann. Inzwischen trafen beide Kontrahenten ganze 261 Mal aufeinander. Zum Vergleich: Die Partie Borussia Dortmund gegen Schalke 04 gab es bislang nur 170 Mal.
 


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Fußballhochburg Franken

Besondere Brisanz erhält das Frankenderby durch die historische Bedeutung Frankens für den deutschen Fußball. Vor allem in den 1920ern dominierten die beiden fränkischen Vereine das Fußballgeschehen in Deutschland. Das machte sich auch in der Nationalmannschaft bemerkbar. Für ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft in Amsterdam wurden 1924 ausschließlich Spieler aus Nürnberg und Fürth nominiert. Weil die sich aber nur wenige Tage zuvor beim 76. Derby auf heftigste Art und Weise beackerten, reiste die Nationalmannschaft zwar im selben Zug, aber in verschiedenen Abteilen in die Niederlande - die Fürther im vorderen, die Nürnberger im hinteren Teil des Zuges. Die Nationalelf gewann die Begegnung. Der Fürther Karl Auer erzielte den Siegtreffer, doch während die Fürther Spieler noch nach dem Abpfiff auf dem Rasen feierten, verschwanden die Clubberer der Nationalmannschaft in den Kabinen.

 

 

 


FCN führt die Statistik an - Fürth holt aber auf

In 138 der 261 Partien behielten die Schwarz-roten die Oberhand. 47 Spiele endeten unentschieden, die restlichen 74 Duelle entschieden die Fürther für sich. Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass bei dieser Rechnung noch zwei Spiele fehlen: die wurden nämlich abgebrochen, eines davon vor dem Sportgericht für Fürth gewertet. Seit dem Jahrtausendwechsel poliert Fürth die Statistik aber ziemlich erfolgreich auf. Die jüngste Bilanz spricht für die Spielvereinigung. Von den vergangenen 17 Pflichtspielen gegen den Nachbarn 1. FC Nürnberg verlor sie nur zwei. Das Hinspiel in dieser Zweitligasaison entschieden die Fürther Fußball-Profis mit 2:1 für sich.

Die vergangenen zehn Franken-Derbys im Überblick:
23. November 2008 Nürnberg - Fürth 2:1 (0: 2. Bundesliga 1) 10. Mai 2009 Fürth - Nürnberg 1:1 (0: 2. Bundesliga 0) 20. Dezember 2011 Nürnberg - Fürth 0:1 (0: Pokal-Achtelfinale 1) 24. November 2012 Fürth - Nürnberg 0:0 Bundesliga 21. April 2013 Nürnberg - Fürth 0:1 (0: Bundesliga 1) 11. August 2014 Fürth - Nürnberg 5:1 (2: 2. Bundesliga 1) 20. Dezember 2014 Nürnberg - Fürth 0:0 2. Bundesliga 13. September 2015 Fürth - Nürnberg 3:2 (1: 2. Bundesliga 1) 26. Februar 2016 Nürnberg - Fürth 2:1 (1: 2. Bundesliga 1) 20. September 2016 Nürnberg - Fürth 1:2 (0: 2. Bundesliga 1)


Frankenderby: Brisanz durch Nähe

Weniger als 15 Kilometer liegen zwischen der Arena in Nürnberg und dem Fürther Stadion. Was Fußball angeht, trennen die Anhänger beider Vereine jedoch Welten. Und das gewissermaßen traditionsbedingt. Schon am 6. Oktober 1929 machte ein Frankenderby aufgrund seiner Härte Schlagzeilen: Dort hagelte es neben drei Platzverweisen stolze 87 Freistöße, Endstand war 1:1. Im Jahr 2004 und 2009 sorgten Nürnberger Fans für Furore, als sie rund 3000 Anhänger mobilisierten und einen Fanmarsch zum Frankenderby in die ungeliebte Nachbarstadt organisierten. Einen unrühmlichen Höhepunkt stellte der Feuerlöscher-Wurfeines Nürnberger Anhängers 2014 dar.

Dass derartige Emotionalität für den eigenen Verein aber durchaus auch positiv sein kann, zeigt ein Rekord, den beide Fanlager bis heute zusammen innehaben: In der Saison 1996/1997, als beide Teams in der Regionalliga Süd (damals dritte Spielklasse) zugange waren, trafen die Rivalen im DFB-Pokal aufeinander. Diese Partie hält bis heute den Rekord für ein Pokalspiel zwischen Drittligisten. 44.181 Zuschauer sahen sich die Begegnung live an.

Nürnberg und Fürth - die Vereine im Vergleich:

SPVGG GREUTHER FÜRTH
Gründung: 23. September 1903 Erfolge: 3 deutsche Meistertitel (1914, 1926, 1929) Trainer: Janos Radoki Direktor Profifußball: Ramazan Yildirim Vereinsfarben: Weiß-Grün Mitgliederzahl: 2550 Ewige Zweitligabilanz: 978 Spiele (400 S, 261 U, 317 N)

1. FC NÜRNBERG
Gründung: 4. Mai 1900 Erfolge: 9 deutsche Meistertitel (1920, 1921, 1924, 1925, 1927, 1936, 1948, 1961, 1968), 4 Pokalsiege (1935, 1939, 1962, 2007) Trainer: Alois Schwartz Sportvorstand: Andreas Bornemann Vereinsfarben: Rot-Weiß Mitgliederzahl: 15 700 Ewige Zweitligabilanz: 558 Spiele (273 S, 136 U, 149 N)