Raphael Schäfer ist ein echtes Urgestein beim Club. Seit 2001 spielt er für den Traditionsverein, abgesehen von einem kurzen und wenig glanzvollem Gastspiel für den VfB Stuttgart in der Saison 2007/2008. Seinen größten Erfolg feierte der 1,90 Meter große Hühne 2007 mit dem Pokalsieg. Stolze fünf Millionen Euro betrug damals sein Marktwert und schrumpfte seitdem immer mehr zusammen. Auch der 1. FC Nürnberg schaffte es seitdem nur noch selten, durch mitreißende Leistungen die Anhänger im Grundig-Stadion zu begeistern.

Neuester Rückschlag: Der 1. FC Nürnberg muss länger auf Schäfer verzichten. Der Routinier erlitt beim 1:1 gegen den FSV Frankfurt nach wenigen Minuten einen Muskelfaserriss in der Wade und wird voraussichtlich sechs bis acht Wochen ausfallen.

Besonders bitter: Schäfer war gerade erst wieder ins Tor des Clubs zurückgekehrt und hatte sogar Stammkeeper Thorsten Kirschbaum verdrängt, der gegen Frankfurt nicht einmal im Kader stand.


Kein Comeback im Tor

Das alles ist nun Schnee von gestern. Nachdem Schäfer mit Schmerzen vom Platz humpelte, setzt nun wohl auch Club-Coach René Weiler nicht mehr auf ihn. Der Schweizer erklärte, dass der Profi noch einmal als Nummer 1 zurückkomme, scheint eher unwahrscheinlich. Selbst "Raffa" Schäfer hält die Rückkehr ins FCN-Tor für wenig realitisch. "Wenn die neue Nummer 1 bis Weihnachten gut hält, wird sie auch in der Rückrunde im Tor stehen. Wenn nicht, sollte man sich im Winter eher Gedanken über einen Neuaufbau machen. Meine Karriere endet ja im Sommer", wird der 36 Jahre alte Keeper zitiert.

Das Pech des früheren Club-Kapitäns gibt zumindest Patrick Rakovsky und Thorsten Kirschbaum neue Gelegenheit, sich als Nummer eins zu etablieren. Dass beide Keeper vom Schweizer Trainer degradiert wurden und dadurch verunsichert sein könnten, lässt Weiler dabei nicht als Argument gelten. Für ihn zähle nur Leistung, denn Torhüter seien dafür angestellt, dass sie für den Verein in jeder Situation Bälle halten könnten, lautet sein Anspruch.

Wer am kommenden Samstag in Duisburg im Tor steht, müsse "den Beweis erbringen, dass er der erhoffte Rückhalt sein kann". Kirschbaum war das bisher eher selten gelungen. Jetzt aber dürfte er die besseren Karten haben und den Vorzug vor seinem Rivalen Rakovsky bekommen.


Schwierige Entscheidung

René Weiler will übrigens während der Donnerstags-PK seine Entscheidung in Sachen Torhüter verkünden. Ob die dann bis Saisonende gilt, blieb auf Nachfrage dieser Zeitung offen.

Zwischen den Pfosten des Club-Tores gibt es also ein echtes Besetzungsproblem. Nutzt der neue Stammtorwart seine Chance nicht, ist die Verpflichtung eines neuen Keepers im Winter wohl unumgänglich, vermuten Vereins-Kenner. Zumal schon in den letzten Wochen mehr oder weniger deutlich wurde, dass spätestens im nächsten Sommer ein Torwart gesucht würde.


Schäfer: Nach der Saison ist Schluss

Und Schäfer? Der will sein Team weiter unterstützen. Er muss sich aber zunächst in der Reha quälen. Sein Ziel ist es, sich fit zu machen. "Um der Mannschaft als Nummer 2 oder 3 zu helfen", wie er es ausdrückt.

Am Entschluss, nach der Saison die Karriere zu beenden, hat die neue Verletzung nichts geändert. Solche Rückschläge beweisen ihm, dass er auf seinen Körper hören müsse, beteuert Schäfer. Über seinen Verein lässt der Keeper nichts kommen. Schäfer betont, dass er die sehr schöne und erfolgreiche Zeit beim Club genossen habe.
Tatsache ist: Er galt immer als ein absoluter Führungsspieler des Clubs, der aber bei den Fans polarisierte. Es gab während seiner langen Karriere immer lautstarke und vehemente Stimmen, die sich gegen ihn aussprachen.


Liebe und Kritik der Fans

Kaum ein Spieler pendelte derart zwischen den Extremen: Bei der Rückkehr zum Club 2008 feierten viele das als "Rückkehr des verlorenen Sohns". Seine Kritiker aber schimpften über seine altmodische Spielweise als Linientorwart, Schäfers Schwächen in der Strafraumbeherrschung und seine gelegentlichen Ausraster - sei es in Form von Gesten oder auch gegenüber Gegenspielern.

Nach dem Weggang von Fan-Idol Javier Pinola bereitet nun mit Raphael Schäfer wieder ein Kult-Kicker seinen Abschied vor. Einer, der auch zu seinen Schwächen stand, wie er einmal ironisch zu seinem Talent bei Elfern erklärte: "Ich war schon immer ein Elfmeter-Killer, ich habe bisher nur oft Pech gehabt." Pech, das ihm hoffentlich in seinem Leben nach dem Fußball erspart bleibt.