Von Frank Kranewitter

So eng standen sie im Presseraum des Nürnberger Stadions beieinander, dass auch niemand einen Wortfetzen erhaschen konnte.

"Privat" sei der Inhalt der Unterhaltung gewesen, sagte Weiler später. Sprachen sie vielleicht über Verbeeks Erfahrungen in Nürnberg und mit Sportvorstand Martin Bader, über den Verbeek am Montag bereits öffentlich gesagt hatte: "Das ist nicht mehr mein Freund."

Es durfte trefflich spekuliert werden an diesem Abend in Nürnberg, an dem nicht nur interessant war, wie sich manch Cluberer äußerte, sondern auch, was der ein oder andere eben nicht sagte. "Ich muss jetzt aufpassen, sonst werde ich wieder irgendwohin zitiert", glaubte der erstmals seit seiner Ausbootung ins Tor zurückgekehrte Raphael Schäfer zu wissen. Denn da hatte er bereits einige durchaus bemerkenswerte Antworten gegeben. So, als die Sprache auf die deutlich hörbaren Bader-raus-Rufe von den Tribünen kam. Das sei kaum verwunderlich, denn der Club sei in diese Saison "mit hohen Erwartungen gestartet und hat diese auch öffentlich gemacht".

Dabei hat man das Vermögen des Teams offensichtlich völlig überschätzt. "Die Mannschaft spielt derzeit schon am Limit", findet Schäfer. In Addition sind diese Aussagen eine deutliche Ansage an Sportvorstand Martin Bader und eine Bestätigung dessen, was Trainer Weiler schon länger öffentlich äußert. Den Schweizer hält Schäfer im übrigen für "grundehrlich" und einen Mann, "der die Dinge hier in die richtige Richtung lenken kann."

Offiziell gibt es zwischen den Verantwortlichen keinen Zwist. So richtig glaubt daran aber keiner mehr. Es sind viele Kleinigkeiten, die das Bild vom derzeit zerrissenen Club vervollständigen. Dass der FCN gegen Bochum knapp verlor - geschenkt. Die Saison ist sportlich ohnehin gelaufen. Jetzt geht es um die Gründe für die Unzufriedenheit und die Konsequenzen. Am Montag gab "Kicker"-Redakteur Harald Kaiser in der Halbzeitpause live im Bezahlfernsehen minutenlang seine Sicht der Misere zum Besten. Seine Schlussfolgerung: Bader oder Weiler, einer muss wohl gehen. Am Tag nach der Partie hing am Vereinsgelände am Valznerweiher ein großes Transparent: "Weiler stärken, Bader stürzen!" Das Gezerre hat längst begonnen, wer in Zukunft die Linie beim Club vorgibt.

Die Stimmung ist gespannt. Weiler sendet immer wieder Zeichen, welche Veränderungen er sich wünscht, nicht nur durch die Herausnahme von Patrick Rakovsky aus dem Tor. Auch gegen Bochum ließ er einen Platz im Kader unbesetzt. Ein Umstand, den man auch so interpretieren kann, dass Weiler eben nicht genug Spieler beim Club sieht, die er als Zweitliga-tauglich einstuft. "Wir haben heute wieder eine ganze Reihe guter Torchancen gehabt und diese nicht genutzt. Am Ende ist das auch eine Rage der Qualität", so Weiler.