Nach dem unerwarteten Punktgewinn war der größte Gewinner nur noch erleichtert. "Das war sauwichtig. Dieser Punkt war hoch verdient. Heute war über 90 Minuten das Wir-Gefühl da", freute sich Trainer Michael Wiesinger nach dem 1:1 (0:1) des 1. FC Nürnberg am Samstag gegen den Champions-League-Finalisten Borussia Dortmund. Zwar müssen die Franken weiter auf den ersten Sieg der Saison warten, der beherzte Auftritt verschafft dem angeschlagenen "Club"-Coach aber erst einmal Luft.

Entspannt wie lange nicht mehr saß Wiesinger anschließend in der Pressekonferenz, und konnte angesichts des Mutmachers sogar Milde walten lassen. Der eingewechselte Alexander Esswein war in der Nachspielzeit plötzlich allein vor Gäste-Keeper Roman Weidenfeller aufgetaucht, doch der Joker vergab die Riesen-Chance. "Das wäre des Guten dann auch zu viel gewesen", gestand Wiesinger. Wohl wahr.

Dabei wäre schon interessant gewesen, ob der nach seinem Wüterich-Auftritt von Neapel diesmal kreuzbrave Gäste-Coach Jürgen Klopp dann auch noch so demonstrativ gelassen geblieben wäre. So konnte der BVB-Trainer nach dem Führungstreffer durch Marcel Schmelzer (37. Minute) und dem Gegentor von Per Nilsson (51.) sein charmantes Gesicht präsentieren. "Alex hat für ein gerechtes Unentschieden gesorgt", sagte er zu Essweins Fehlschuss. Nett gesagt.

Beste Saisonleistung und unerwarteter Punktgewinn

Tabellenführer Dortmund musste mit dem einen Zähler zufrieden sein, bei den Hausherren war sechs Tage nach dem wenig erbaulichen 1:1 bei Aufsteiger Eintracht Braunschweig die Fußball-Welt wieder einigermaßen in Ordnung. Ihre beste Saisonleistung zeigten die Franken und durften den unerwarteten Punktgewinn wie einen Sieg feiern. "Die Mannschaft hat endlich gezeigt, was in ihr steckt. Darauf müssen wir aufbauen", sagte "Club"-Kapitän Raphael Schäfer. "Obwohl wir in den letzten Tagen viel zu hören bekommen haben, haben wir nie an unserer Qualität gezweifelt. Es war ein wichtiger Punkt und ein Schritt in die richtige Richtung."

Nach dem schwachen Auftritt in Braunschweig hatte Wiesinger reagiert und mit der Verbannung von Routinier Hanno Balitsch für ein Zeichen gesorgt. Und der "Club"-Coach wurde belohnt: Einmal mehr Innenverteidiger Nilsson sorgte für den umjubelten Ausgleich - der allerdings nicht hätte zählen dürfen. "Der Ball kam deutlich auf meine Hand", gestand der 31 Jahre alte Schwede. Doch selbst das konnte Gäste-Coach Klopp drei Tage nach seinem Wüterich-Auftritt von Neapel nicht aus der Reserve locken.

Unterkühlt wie ihr Trainer agierten die Westfalen und durften am Ende sogar froh sein, dass Esswein seine Groß-Chance nicht nutzte. "Heute werde ich nicht besonders gut schlafen", sagte der Joker zerknirscht. Klopp nahm dagegen alles an diesem Samstag gelassen: "Wir sind mit dem Punkt nicht unglücklich. Wir haben schon häufiger mal nur einen Punkt geholt, dennoch ist es immer weiter gegangen. Bundesliga ist ein hartes Geschäft", sagte der diesmal schlafende Trainer-Vulkan. Sprach's und zog von dannen. Ganz friedlich.