Wenn die Mannschaft schon das Tor nicht trifft, muss wenigstens die Kulisse stimmen. So könnte man die Stadionpläne beschreiben, die derzeit der 1. FC Nürnberg trotz Torflaute öffentlich kultiviert.

Keine 24 Stunden nach der neuerlichen Blamage beim Karlsruher SC schwärmt der Finanzvorstand des 1. FCN in der Montagsausgabe einer Nürnberger Zeitung ganz groß von den Vorzügen eines reinen Fußballstadions. Als Vorbild spukt Rolf Woy die imposante Kulisse der Dortmunder Arena im Kopf herum.

Ohne die störende Tartanbahn für die Leichtathleten, so das Kalkül, könnten auch die fränkischen Fans im ehemaligen Frankenstadion ihre Mannschaft besser anfeuern. Woy wünscht sich eine rot-schwarze Mega-Tribüne, die direkt ans Spielfeld grenzt, mit Platz für 20.000 Club-Fans.

Konkrete Pläne liegen beim Vereinsvorstand schon in der Schublade. Der Club hat 2013 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben und das Ergebnis bei der letzten Mitgliederversammlung vor einem Jahr kurz vorgestellt. Fazit der Studie: Ein Abriss kommt nicht in Frage.

Stadion gehört nicht dem Club

Ein Umbau zu einem reinen Fußballstadion sei dagegen möglich. Dazu müsste das Spielfeld um 90 Grad gedreht werden. Die genauen Umbau-Pläne will der Club noch nicht an die große Glocke hängen. Denn das Stadion gehört der Stadt und nicht dem Club.

Betrieben wird der 1928 eingeweihte Fußball-Tempel am Dutzendteich derzeit von einem großen deutschen Baukonzern. Die Stadt hält nur 25 Prozent an der Betreibergesellschaft. Die jährlichen Millionen-Defizite des Stadions muss die Stadt freilich alleine tragen.

Allerdings läuft im Sommer nächsten Jahres der langjährige Betreibervertrag aus. Dann wird sich die Stadt europaweit nach einem neuen Betreiber umschauen müssen. Der 1. FC Nürnberg will sich dafür nicht bewerben. "Der Club will sich nicht an einer Ausschreibung als neuer Betreiber für das bestehende Stadion beteiligen", sagt Sportvorstand Martin Bader auf Anfrage von inFranken.de.

Gleichzeitig will man die Umbaupläne stärker denn je verfolgen. Gemeinsam mit der Stadt will Bader die Voraussetzungen schaffen, "um perspektivisch die Ergebnisse unserer Machbarkeitsstudie zu verwirklichen".
Der Hintergrund sind die relativ geringen Einnahmen des Clubs im Vergleich zur Konkurrenz. Das hübsche Sümmchen aus dem Verkauf der Namensrechte des Stadions ging beispielsweise nicht an den Verein, sondern an die Betreibergesellschaft.

Attraktivität der Heimspiele steigern

Die derzeitige Vereinsführung verfolgt mit den Umbauplänen zwei Ziele gleichzeitig: Die Attraktivität der Heimspiel zu steigern und die Vermarktungsmöglichkeiten zu verbessern. "Trotz des Schwerpunkts Fußballnutzung muss der Ansatz gegeben sein, die Drittvermarktung als Veranstaltungsstätte attraktiver zu gestalten", sagt Finanzvorstand Woy verklausuliert.

Auch bei der "Fußballnutzung" soll mehr Geld in die Kasse kommen. "Der Hospitality-Bereich stellt 30 Prozent der zuschauerabhängigen Einnahmen am Spieltag dar. Durch die Erhöhung des Verhältnisses der Business-Plätze zur Gesamtkapazität könnten die Gesamteinnahmen überproportional gesteigert werden", legt Woy nach.
Während der Verein von besseren Einnahmen träumt, bereitet die sportliche Talfahrt der Stadt finanzielle Kopfschmerzen. Denn durch den Abstieg hat sich die Stadionmiete verringert, die der Club bei Heimspielen berappen muss.

Gerhard Albert von der Stadiongesellschaft spricht von einem knapp siebenstelligen Betrag, der der Stadt durch die Zweitklassigkeit des Vereins jährlich entgeht. Deshalb betrachtet man in der Stadt die Stadionpläne skeptisch. "Ich glaube nicht, dass der Club in einem reinen Fußballstadion besser spielt", sagt Albert.

Weil derzeit viele in Nürnberg so denken dürften, helfen dem Club wohl nur viele Tore und keine großen Worte, um den Träumen von einem neuen Stadion einen Schritt näher zu kommen. Hanns-Thomas Schamel, Unternehmer aus Baiersdorf, der bei der Mitgliederversammlung am 30. September für den Aufsichtsrat kandidiert, rätselt, warum der Verein gerade jetzt die Stadionpläne thematisiert: "Das dürfte ein Ablenkungsmanöver der Vorstandsebene vor der Mitgliederversammlung sein."