Jetzt ist im Bundesliga-Aufstiegskampf alles wieder offen, die Karten des 1. FC Nürnberg sind besser denn je. Dass der Club sieben Spieltage vor dem Saisonende sogar wieder den direkten Aufstieg in dieser Spielzeit schaffen könnte, hätte Trainer René Weiler "eigentlich nicht für möglich gehalten", wie der Coach dieser Tage einräumte. "Wir hatten doch einen großen Umbruch."


17 Spiele ohne Niederlage

Nach dem 3:1 gegen RB Leipzig und nunmehr 17 Ligaspielen ohne Niederlage schauten die Franken am Montagabend natürlich besonders interessiert auf das 1:0 des nun neuen Spitzenreiters SC Freiburg im Derby gegen den Karlsruher SC. Das Team aus dem Breisgau führt das Liga-Tableau nun mit 56 Zählern punktgleich mit Leipzig an. Der FCN, der nach einem Fehlstart in der Hinrunde lange im Tabellenmittelfeld feststeckte, ist drei Punkte dahinter Tabellendritter.

"Die Tabelle sieht eigentlich gar nicht so schlecht aus", erklärte Patrick Rakovsky, der seit der Verletzung von Raphael Schäfer das Club-Tor hütet. Nicht nur diesen bitteren Ausfall des Torwart-Routiniers fangen die Nürnberger top auf, auch der Kreuzbandriss von Leistungsträger Patrick Erras stoppte sie gegen Leipzig nicht. "In erster Linie geht es um die Mannschaft, aber natürlich auch um den Spieler selbst. Es ist schon ein Schock so eine schwere Verletzung zu haben", erklärte Weiler nach dem Wegfall der nächsten Stütze im Team.

Mit acht Abstiegen, zuletzt im Mai 2014, ist der FCN Rekordabsteiger. Mehr als die sieben Aufstiege schaffte aber auch kein anderer Verein. Von Nummer acht mag in Franken trotz glänzender Ausgangsposition aber noch keiner so richtig reden. "Es sind noch sieben Runden zu spielen, es ist noch ein weiter Weg", sagte Weiler im Bayerischen Fernsehen.

Das Polster auf Rang vier beträgt bemerkenswerte acht Punkte. Dem Dritten winken zwei Aufstiegsspiele gegen den Drittletzten der Bundesliga - aktuell 1899 Hoffenheim. "Im Fußball ist immer viel möglich in beide Richtungen. Wir sind gut beraten, bescheiden zu bleiben", mahnte der Schweizer Weiler, der in Nürnberg noch einen Vertrag bis 2017 hat.


Petersen: Spannender Dreikampf

Freiburgs Toptorjäger Nils Petersen findet "den Dreikampf spannend" und glaubt, "dass man in diesem Jahr so viele Punkte brauchen wird, wie schon lange nicht mehr", wie er ausführte. "Wenn man sich stetig vorne etabliert, steigt man eines Tages auf", merkte der 41 Jahre alte Weiler trocken an.

Auf dem ersehnten Weg in die Bundesliga könnte nun ausgerechnet Rivale SpVgg Greuther Fürth behilflich sein. Am nächsten Spieltag empfangen die wiedererstarkten Fürther den Spitzenreiter Freiburg. Die Nürnberger selbst laufen beim abstiegsbedrohten FSV Frankfurt auf. Und Leipzig? Die Sachsen bestreiten aus Sicht von Rakovsky und des FCN ein "Bonusspiel". Entweder man kann den Rückstand auf Leipzig weiter verkürzen oder den Vorsprung auf Bochum als einen der Verfolger ausbauen.

"Wir tun gut daran, nicht von unser Philosophie abzuweichen, von Spiel zu Spiel zu denken und den dritten Platz zu festigen", gab Nürnbergs Offensivkraft Sebastian Kerk zu Bedenken. Groß mit den wahrscheinlichen Relegationsspielen beschäftigt haben sie sich beim FCN noch nicht. "Wenn es dann so kommen sollte, hat man immer noch genügend Zeit, um den Gegner zu studieren", betonte Weiler.

Von Christian Kunz und Daniela Frahm, dpa