Von Mathias Orgeldinger

eld muss her. Viel Geld. Und das in kurzer Zeit. "Wir müssen jetzt Gas geben und bis Ende September 50 000 Euro sammeln", formuliert Lorenzo von Fersen, Kurator für Forschung und Artenschutz des Tiergartens Nürnberg, das ehrgeizige Ziel der Initiative "SOS Vaquita". Diese wird vom Zoo, der Artenschutzgesellschaft Yaqu Pacha und dem Verein der Tiergartenfreunde Nürnberg getragen.

Der etwa 1,5 Meter lange Vaquita (wissenschaftlicher Name: Phocoena sinus) wird auch Kalifornischer Schweinswal oder Golftümmler genannt. Er bevorzugt warme, flache Küstengewässer, die er auf der Suche nach Kopffüßlern und Fischen einzeln oder paarweise durchstreift.

Die seltene Delfinart kommt nur in einem 4 000 Quadratkilometer großen Areal im nördlichen Teil des Golfs von Kalifornien vor. Das Meeresgebiet gehört zur ausschließlichen Wirtschaftszone (200-Meilen-Zone) von Mexiko.
Der Vaquita ist ein typisches Globalisierungsopfer. In den letzten 20 Jahren ist die Population von 567 auf 30 Tiere geschrumpft. Nicht, weil der Delfin von mexikanischen Fischern gejagt wird. Nicht wegen Umweltverschmutzung oder der Zerstörung seines Lebensraumes. Sondern weil es im weit entfernten China Menschen gibt, die ihren Sozialstatus durch den Verzehr einer getrockneten Schwimmblase aufpolieren wollen.

Die angebliche Delikatesse, mit der man als Gastgeber punkten kann, gehört dem Totoaba, einem zwei Meter großen, barschähnlichen Fisch. Er lebt zufällig im gleichen Gebiet wie der Golftümmler. Die Totoabas werden illegal mit Stellnetzen gejagt, in denen sich auch Vaquitas verfangen und als vermeintlich wertloser Beifang verenden.

Zwar hat die mexikanische Regierung 2015 die Stellnetzfischerei im Vaquita-Schutzgebiet für zwei Jahre verboten und dieses Verbot im April dieses Jahres verlängert, aber gegen die Wilderer, die nachts mit ihren Booten auf Fang gehen, scheint kein Kraut gewachsen zu sein.

Der Schwarzmarktpreis für eine Totoaba-Schwimmblase steigt ständig. Nach einem Bericht von Spiegel Online werden in Asien zwischen 10 000 und 20 000 US-Dollar gezahlt. Naturschutzorganisationen wie die IUCN raten inzwischen davon ab, solche Zahlen zu veröffentlichen, weil sie die Preisfantasien von Wilderern und Händlern auf dem Schwarzmarkt nur weiter anfachen.

Der Kalifornische Schweinswal steht kurz vor dem Aussterben. "Es gibt nur eine Option: Alle Tiere einfangen und in ein umzäuntes Meeresareal bringen, das effektiv geschützt werden kann", sagt von Fersen.
Der Plan stammt vom Vaquita CPR, einem internationalen Konsortium von Artenschützern und Walexperten. Unter Leitung der mexikanischen Naturschutzbehörde Semarnat wird der Vaquita CPR im Oktober 2017 mit dem Fang der ersten Schweinswale beginnen. Sie sollen unter anderem in einem eingezäunten Meeresareal bei der mexikanischen Stadt San Felipe untergebracht werden.
Mexiko unterstützt das internationale Artenschutzkonsortium mit drei Millionen US-Dollar. Experten schätzen jedoch den Finanzbedarf allein für dieses Jahr auf fünf Millionen Dollar. Ganz abgesehen von den Folgekosten, die solch ein aufwendiges Forschungs- und Arterhaltungsprogramm mit sich bringt.
" SOS Vaquita" gehöre zu den ersten europäischen Initiativen, die den Vaquita CPR unterstützen, erläutert von Fersen. Mit der Kampagne sollen aber nicht "nur" Spendengelder eingesammelt werden. Ebenso wichtig sei es, dem Kalifornischen Schweinswal ein Gesicht zu geben.

Dazu hat der Kurator im Tiergarten zehn lebensgroße "Scherenschnitte" aufgestellt zusammen mit blauen Ge-hegeschildern, die alles Wissenswerte über den kleinen Delfin enthalten.
Denn lebend wird der Vaquita im Tiergarten niemals zu sehen sein. "Dafür haben wir die Großen Tümmler", sagt von Fersen. "Sie sollen für den Schutz der hoch bedrohten Schweinswale werben."

Spendenmöglichkeit unter www.sos-vaquita.de