Der eigentliche "Hammer"findet sich auf Seite 11 der schriftlichen Urteilsbegründung des 7. Senats des Bundesverwaltungsgerichts zum Stopp der S-Bahntrasse durchs Nürnberger Knoblauchsland. Wörtlich heißt es da:"Der Senat wird sich bemühen, das Hauptsacheverfahren bis zum Frühjahr 2016 abzuschließen." So lange rollt kein Bagger, so lange rührt sich keine Schaufel. Dabei wollte die Bahn bis 2016 die Trasse bereits fertiggestellt haben. Dieser Zeitplan ist überholt.

Aber nicht nur der. Das ganze S-Bahnprojekt droht damit zeitlich aus dem Ruder zu laufen. Der juristische Vertreter der Stadt Fürth in dieser Angelegenheit, Wolfgang Baumann, gibt sich angesichts der schriftlichen Begründung des Bundesverwaltungsgerichts zuversichtlich, dass der Planfeststellungsbeschluss für die Verschwenktrasse aufgrund diverser Mängel rechtswidrig und daher aufzuheben sei.


Elf Jahre für eine neue Trasse

Die Folgen für die S-Bahn wären dramatisch. Weil der betreffende Streckenabschnitt komplett neu aufge plant werden müsste, so ein mit dem Projekt befasster Mitarbeiter der Bahn. Entsprechend würden neue Projektkosten anfallen, ein neues Planfeststellungsverfahren wäre notwendig, um die Strecke entlang der Bestandstrasse zu führen. Bis die neue Trasse gebaut sei, würden leicht zehn, elf Jahre vergehen, so der Bahnexperte.

Dabei könnte die S-Bahnstrecke zumindest zwischen Nürnberg und Erlangen bis Ende 2016 weitgehend fertig gestellt sein. Zwischen Nürnberg und Fürth ist die Strecke bereits in Betrieb, und zwischen dem Fürther Hauptbahnhof und dem Fürther Bogen liegen die neuen Gleise bereits. Gebaut wird auch zwischen Eltersdorf und Erlangen. Die Strecke dazwischen könnte sich allerdings aufgrund der fehlenden Verschwenktrasse zu einem echten Nadelöhr entwickeln, fürchtet ein Verkehrsexperte des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN). Und die S-Bahn? Die müsste warten, weil auf den vorhandenen Gleiskörpern zunächst einmal der ICE, die Regionalbahnen und der Güterverkehr Vorfahrt hätten. An einen 20-Minuten-Takt zwischen Nürnberg und Erlangen kann da nicht einmal ansatzweise gedacht werden.


Zwischenlösung angedacht

Keine kürzeren Taktzeiten, das bedeutet für die Bahnkunden im Berufsverkehr also weiterhin großes Gedränge und übervolle Züge. Ein Dilemma, das man politischerseits jetzt trotz Baustopps für die Verschwenktrasse anpacken will. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat angekündigt, dass der juristische Streit um die Verschwenktrasse nicht auf dem Rücken der Bahnkunden ausgetragen werden soll. Er hat deshalb die Bahn aufgefordert nach Möglichkeiten zu suchen, die kurzfristig zu einer Entlastung für die Bahnkunden auf der S-Bahnstrecke zwischen Erlangen und Nürnberg führen.

Wie ein Sprecher der Bahn mitteilte, könne man sich als mögliche temporäre Zwischenlösung zum Beispiel eine Anbindung des im Bau befindlichen Fürther Bogens zwischen dem Fürther Hauptbahnhof und Stadeln mittels Weichen an die Bestandsstrecke vorstellen. Damit verbunden wäre eine Nutzung der Bahnsteige des Hauptbahnhofs in Fürth sowie des zukünftigen S-Bahn-Haltepunktes Fürth-Klinikum. Ob eine derartige Zwischenlösung den Schienenverkehr tatsächlich entlastet, musste der Sprecher offen lassen.