Schon in der vergangenen Wochen waren bei Demonstrationen Russlanddeutsche nach Berichten über eine angebliche Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens durch Asylbewerber in verschiedenen Städten in Deutschland auf die Straße gegangen. Nach Polizeiangaben waren die Demonstranten Aufrufen in sozialen Netzwerken gefolgt.

Am vergangenen Sonntag waren auch wieder in Nürnberg Demonstranten unterwegs, die zum Beispiel Schilder mit der Aufschrift "Merkel muss weg" in die Höhe hielten. Nach Angaben der Polizei verlief die Demonstration friedlich.

Unter den Demonstranten seien zahlreiche Russlanddeutsche und russischsprachige Menschen gewesen.

Über eine Stunde verkündeten die Redner ihre Meinungen. Unter den Sprechern war auch Gernot Tegetmeyer von Pegida Nürnberg.


Nürnberger Dekan äußert sich zu Demonstranten

Bei den Kundgebungen von Spätaussiedlern in bayerischen Städten sind nach Beobachtungen des Nürnberger evangelischen Dekans Dirk Wessel bisher wenige Frauen dabei gewesen. In einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst sagte Wessel am Freitag, er halte dies für ein starkes Zeichen. "Die Frauen sind einfach weiter."

Diejenigen, die jetzt auf die Straße gingen, seien oft Männer, "die es nicht geschafft haben, die arbeitslos sind, von Hartz IV und Grundsicherung leben", sagte Wessel, der Vorstandsvorsitzender der evangelischen SinN-Stiftung für kulturelle Arbeit mit Aussiedlern ist. Darunter seien oft Menschen mit hoher Bildung und Akademiker, deren Abschlüsse in Deutschland nicht anerkannt wurden und die bei der Ankunft in Bayern schon über 40 Jahre alt gewesen seien. "Sie fühlen sich an den Rand der Gesellschaft gedrängt und haben jetzt beim Ankommen der Flüchtlinge die Angst, noch eine Stufe tiefer zu rutschen", sagte Wessel.

Wessel hält die allermeisten Spätaussiedler in Nürnberg für bestens integriert. "90 Prozent der Aussiedler sind so integriert, dass nur noch ein ungewöhnlicher Vorname wie Waldemar an ihre russische Vergangenheit erinnert", sagte Wessel. "Waldemar" ist die deutsche Entsprechung des in Osteuropa und Russland weit verbreiteten Vornamens "Wladimir".