Noch dreht sich die Discokugel. Aber immer mehr Großraum-Diskotheken wie das "Planet" müssen in Nürnberg schließen. Nebenan in der Klingenhofstraße betreibt Uwe Zimmermann seit 1994 die "Rockfabrik". Auch er spürt mittlerweile die Krise, mit der die Disco-Branche zu kämpfen hat. "Die Jugend geht heute nicht mehr so oft in Discos", sagt der 54-jährige Disco-Betreiber. Angesagt seien nur noch Computer und Facebook, glaubt er.
Das mache auch ihm zu schaffen.

Den Kopf in den Sand stecken will Zimmermann aber nicht. Im Gegenteil: "Wir wollen noch mehr auf Konzerte und Live-Musik setzen. Deshalb haben gerade 500 000 Euro investiert", sagt Zimmermann und präsentiert stolz die neuen Backstage-Räume. Den Musikern soll es schließlich an nichts fehlen. Auch die Bühnen und Soundanlagen wurden für das neue Live-Konzept fit gemacht. "Wir haben die Mainhall zum Konzertsaal umgebaut, damit wir ständig die Bühne und die Soundanlage auf- und abbauen müssen", sagt Zimmermann. Damit sich die Gäste auch im Sommer wohl fühlen, wurde der Außenbereich verschönert.

Mit den Konzerten will sich die "Rockfabrik" gegen das Disco-Sterben stemmen. "Konzerte gehen immer", ist sich Zimmermann sicher. Am nächsten Donnerstag spielt die Gruppe "The Winery Dogs". Am Freitag trifft dann Rock auf Metall, wenn die Band "Extreme" in der "Rofa" zu Gast sein wird. "Bei uns spielen nicht nur Rock- und Metall-Bands. Wir sind musikalisch breit aufgestellt", sagt Zimmermann und freut sich, dass sich bei ihm mittlerweile viele Gruppen der Popkultur wohl fühlen.

Über den Untergang vieler Discos wundert sich Zimmermann indes nicht. Das Aus des "Planet" - die benachbarte Disco im Klingenhof-Areal hat erst kürzlich dicht gemacht - habe er kommen sehen. "Das war mir schon lange klar." Das "Planet" habe nur noch auf Teenager-Parties gesetzt und sich in eine ruinöse Preisspirale begeben. Um die Getränkepreise wurde an der Bar gewürfelt. "Dann bleibt am Ende in der Kasse nichts mehr übrig", ist sich Zimmermann sicher. Ein sogenanntes "U-Boot" habe am Ende nur noch 20 Euro gekostet. Dieses Unterseeschiff ist meist eine Flasche Wodka und viel Red Bull zum Mixen für den ganzen Freundeskreis. "Auf diese Billigpreise lasse ich mich erst gar nicht ein", sagt Zimmermann und verweist auch auf die negativen Folgen dieser niedrigen Preispolitik.

"Die Getränkepreise waren eine Lachnummer. Die Kids haben so gebechert, dass am Ende überall die besoffenen Kiddies rumlagen." Trotzdem sei das Aus der Disco in der Nachbarschaft schlecht für das Geschäft. "Das ist schon ein Nachteil. Dass man jetzt nicht mehr spontan von einer in die andere Disco gehen kann." Zimmermann ist trotzdem optimistisch, dass sein neues Konzept aufgeht. Mehr Musik, weniger Disco - das könnte die Zukunft sein, glaubt Zimmermann. Und wer weiß? Vielleicht ist Facebook bald "out" und flirten und tanzen bald wieder "in".

Infos zur Rockfabrik in Nürnberg:

Disco gibt es in der "Rockfabrik" nur noch Freitags und Samstags. Der Disco-Eintritt kostet sechs Euro. Unter der Woche sollen verstärkt Konzerte in der Rockfabrik stattfinden. Dann kostet der Eintritt 10 bis 15 Euro. Nähere Informationen zu den nächsten Konzert-Terminen gibt es Internet unter www.rockfabrik.de.